Die Dschihadistengruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS) steht kurz davor, die viertgrößte syrische Stadt Hama einzunehmen. Laut Aktivisten und der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (OSDH) haben die HTS-Kämpfer die Stadt bereits teilweise umzingelt und mehrere Vororte bombardiert. Der Vormarsch der Extremisten ist ein schwerer Rückschlag für die syrische Regierung, die die strategisch wichtige Stadt bislang unter Kontrolle hatte.
Strategische Lage von Hama
Hama liegt im Westen Syriens, etwa 215 Kilometer nördlich der Hauptstadt Damaskus. Die Stadt ist nicht nur ein wichtiges Verwaltungszentrum, sondern auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Mehrere Autobahnen und Eisenbahnlinien kreuzen sich hier, was Hama zu einem begehrten Ziel für verschiedene Konfliktparteien macht. Sollte es den Dschihadisten gelingen, die Stadt einzunehmen, würde dies ihre Bewegungsfreiheit und Logistik im Norden Syriens deutlich verbessern.
Historische Bedeutung von Hama
Hama blickt auf eine lange Geschichte zurück und spielte in den vergangenen Jahrzehnten eine wichtige Rolle in Syriens Politik. 1982 kam es in der Stadt zu einem brutalen Aufstand sunnitischer Islamisten gegen die damalige Regierung unter Hafiz al-Assad, dem Vater des jetzigen Machthabers Baschar al-Assad. Die Niederschlagung des Aufstands durch Assads Truppen ging als „Massaker von Hama“ in die Geschichte ein und kostete Tausende Menschen das Leben. Seitdem galt Hama als Hochburg der Opposition gegen das Assad-Regime.
Kämpfe um Hama seit Beginn des Bürgerkriegs
Seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 war Hama immer wieder Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen Regierungstruppen und verschiedenen Rebellengruppen. Zunächst konnten die Aufständischen die Stadt zeitweise unter ihre Kontrolle bringen, bevor sie von den Regierungskräften zurückgedrängt wurden. In den vergangenen Jahren gelang es der syrischen Armee, Hama zu sichern und die Kontrolle über die strategisch wichtige Stadt zu behalten.
Vorstoß der Dschihadisten
Der aktuelle Vormarsch der HTS-Kämpfer auf Hama ist nun ein schwerer Rückschlag für die Regierung in Damaskus. Die Extremisten haben in den vergangenen Wochen in der nordwestlichen Provinz Idlib, die an Hama grenzt, massiv an Boden gewonnen. Nun versuchen sie offenbar, ihren Einflussbereich weiter auszudehnen. Sollte ihnen die Einnahme von Hama gelingen, wäre dies ein empfindlicher Schlag gegen die Kontrolle des Assad-Regimes über den Westen Syriens.
Reaktionen der Regierung und internationaler Akteure
Die syrische Regierung hat angekündigt, „alle notwendigen Maßnahmen“ zu ergreifen, um Hama zu verteidigen. Russland als engster Verbündeter Assads hat ebenfalls betont, die strategisch wichtige Stadt nicht kampflos aufgeben zu wollen. Gleichzeitig rufen internationale Akteure wie die Vereinten Nationen zu einer Deeskalation der Kämpfe auf, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Der Vormarsch der Dschihadisten bereitet der Weltgemeinschaft große Sorge, da er die fragile Stabilität in der Region weiter gefährden könnte.
Auswirkungen auf die humanitäre Lage
Ein Fall von Hama an die Dschihadisten hätte auch dramatische Auswirkungen auf die ohnehin katastrophale humanitäre Situation in der Region. Hunderttausende Zivilisten leben in ständiger Angst vor Angriffen und Vertreibung. Ein neuer Gewaltausbruch könnte zur Flucht Zehntausender Menschen aus der Stadt und umliegenden Dörfern führen. Die Vereinten Nationen warnen bereits vor einer weiteren humanitären Katastrophe, sollte die Offensive der Extremisten nicht gestoppt werden.
Ausblick auf mögliche Szenarien
Der Kampf um Hama ist ein wichtiger Prüfstein für die Zukunft des Konflikts in Syrien. Gelingt es den syrischen Regierungstruppen und ihren russischen Verbündeten, den Vormarsch der Dschihadisten aufzuhalten, wäre dies ein wichtiger Etappensieg für das Assad-Regime. Sollten die HTS-Kämpfer die Stadt jedoch einnehmen können, würde dies den Einfluss der Extremisten im Westen Syriens deutlich stärken. In jedem Fall droht eine weitere Eskalation der Gewalt, die erneut vor allem die Zivilbevölkerung zu tragen hätte. Die kommenden Wochen werden zeigen, welche Seite in diesem strategisch wichtigen Kampf die Oberhand gewinnt.
