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Fachkräftemangel in der Schweiz steigt markant an

Der Fachkräftemangel nimmt 2019 gesamtschweizerisch weiter zu. Spitzenreiter des diesjährigen Fachkräftemangelrankings sind Ingenieur- und Technikberufe sowie Berufe des Treuhandwesens. Dies zeigt das Fachkräftemangelranking von Spring Professional, einem Unternehmen der Adecco Gruppe Schweiz, und des Stellenmarkt-Monitors der Universität Zürich. Zwischen den Berufsgruppen sind grosse Unterschiede im Ausmass des Fachkräftebedarfs erkennbar: Während vor allem in den Ingenieur- und Technikberufen ein Fachkräftemangel herrscht, besteht in anderen Berufen wie beispielsweise in Berufen der Reinigung, der Hygiene und Körperpflege sowie in den kaufmännischen und administrativen Berufen ein deutliches Überangebot an Fachkräften. Was die regionalen Unterschiede angeht, so ist die Deutschschweiz massiv stärker vom Fachkräftemangel betroffen als die Romandie. Der Fachkräftemangel in der Schweiz hat zugenommen: Die Situation in den Berufen mit dem grössten Fachkräftemangel hat sich im Vergleich zum Vorjahr nochmals akzentuiert. Unternehmen fällt es im Jahr 2019 damit noch schwerer, für die betroffenen Berufe geeignetes Personal zu finden, als noch vor einem Jahr. «Unternehmen kämpfen um die besten Fachkräfte auf dem Markt und bemühen sich immer stärker darum, ein Top-Arbeitgeber zu sein», ergänzt Nicole Burth, CEO der Adecco Gruppe Schweiz. Das Fachkräftemangelranking zeigt auch, dass in vielen Berufen wesentlich mehr Personen eine Stelle suchen, als Vakanzen ausgeschrieben sind. Die Situation für Stellensuchende hat sich allerdings in den meisten Berufen mit Fachkräfteüberangebot im Vergleich zum Vorjahr etwas entschärft: Die Zahl der Vakanzen hat mehrheitlich zugenommen, während die Zahl der Stellensuchenden etwas abgenommen hat. «In den Berufen am Ende des Rankings mit Fachkräfteüberangebot dürften es Stellensuchende weiterhin schwer haben, einen Job zu finden und über Anstellungskonditionen zu verhandeln», kommentiert Helen Buchs vom Stellenmarkt-Monitor Schweiz.

Akuter Fachkräftemangel in Ingenieur-, Technik- und Treuhandberufen

Auf Platz 1 des Fachkräftemangelrankings befinden sich 2019 wie schon im Vorjahr die Ingenieurberufe. Zu dieser Berufsgruppe gehören beispielsweise Bau- und Elektronikingenieure/-innen. Auf Platz 2 vorgerückt sind 2019 die Berufe der Technik, welche 2018 Platz 3 einnahmen. Diese Berufsgruppe schliesst beispielsweise Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechniker/-innen mit ein. Auf Platz 4 rangieren die Informatikberufe, wozu beispielsweise Analytiker/-innen und Programmierer /-innen gehören. «Für Unternehmen spielt das sogenannte Up- und Reskilling von bestehendem oder neu rekrutiertem Personal eine zunehmend wichtige Rolle. Einerseits ist die Ausweitung bestehender Qualifikationen wichtig. Beispielsweise, wenn ein Unternehmen einen Elektrotechniker dabei unterstützt, sich berufsbegleitend zum Elektroingenieur weiterzubilden. Andererseits ist es essentiell, die Qualifikationen der Mitarbeitenden im Betrieb on the job laufend durch Um- und Weiterbildungen auszubauen», unterstreicht Luca Semeraro, Head of Professional Recruitment bei der Adecco Gruppe Schweiz. In den Berufen des Treuhandwesens, wozu beispielsweise Revisoren/-innen, Treuhänder/-innen und Steuerberater/-innen gehören, herrscht 2019 wie schon im Vorjahr ein akuter Fachkräftemangel. Entsprechend liegt diese Berufsgruppe auf Platz 3. Geeignetes Personal für ausgeschriebene Stellen in diesem Bereich zu finden, stellt aktuell eine grosse Herausforderung dar. «Gerade kleinere Unternehmen dürften aktuell Mühe haben, mit den Konditionen, Karrieremöglichkeiten und dem Arbeitsumfeld der ‹Big 4› Schritt zu halten. Ausserdem gewinnt die Work-Life-Balance immer mehr an Bedeutung. Der Kampf um die ausgebildeten Fachkräfte hat sich im Treuhandwesen intensiviert», weiss Semeraro. Für die Berufe der Humanmedizin und der Pharmazie ist der Fachkräftemangel im Vergleich zum Vorjahr grösser geworden, weil aktuell mehr Stellen ausgeschrieben sind als noch 2018. Dazu gehören unter anderem Apotheker/-innen sowie Apothekenhelfer/-innen. «Wie sich schon seit Längerem zeigt, kann die Zahl der ausgebildeten Medizinerinnen und Mediziner nicht mit dem Bedarf unseres expandierenden Gesundheitssystems mithalten. Der demografische Wandel schreitet schneller voran als die Aus- und Weiterbildung der nötigen Fachkräfte. Es bestehen allerdings Möglichkeiten, die Arbeitsbedingungen noch attraktiver zu gestalten. Hier sind die Gesundheitsbetriebe besonders gefragt», kommentiert Corinne Scheiber, Head of Professional Solutions der Adecco Gruppe Schweiz.

Stärkstes Fachkräfteüberangebot in Berufen der Reinigung sowie der Hygiene und Körperpflege

Berufe mit tiefen Ausbildungsanforderungen sind besonders stark von einem Fachkräfteüberangebot betroffen. Der Konkurrenzkampf der Stellensuchenden um Arbeitsplätze in diesen Berufen dürfte entsprechend stark ausfallen. «Je höher die Ausbildung und die Spezialisierungen, desto gefragter sind meistens die entsprechenden Fachkräfte. Es lohnt sich deshalb, sich kontinuierlich weiterzubilden», ergänzt Helen Buchs vom Stellenmarkt-Monitor Schweiz. Berufe der Reinigung sowie der Hygiene und Körperpflege weisen 2019 von allen Berufsgruppen das stärkste Fachkräfteüberangebot auf und nehmen aktuell den letzten Platz des Fachkräftemangelrankings ein. Diese Berufsgruppe umfasst beispielsweise Berufe der Textilpflege, Hauswarte/-innen, Coiffeure und Coiffeusen, Kosmetiker/-innen. Dabei liegt zwar das Verhältnis zwischen ausgeschriebenen Stellen und Stellensuchenden auf gleich tiefem Niveau wie schon im Vorjahr, aber die Berufsgruppe büsst einen Rangplatz ein. Dies, weil in den anderen Schlusslichterberufen des Rankings eine leichte Verbesserung der Situation stattgefunden hat, indem das Überangebot etwas zurückgegangen ist. Nichtsdestotrotz verharren die gleichen Berufe auf den letzten Plätzen des Rankings. Auf dem drittletzten Platz des Rankings finden sich die Berufe des Gastgewerbes und der Hauswirtschaft, wie beispielsweise Service- oder Küchenpersonal oder hauswirtschaftliche Angestellte. Diese Berufsgruppe hat im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr einen Rangplatz eingebüsst. Hingegen konnten die Berufe des Baugewerbes 2019 einen Platz wettmachen und liegen jetzt auf dem 29. Rang. Zu dieser Berufsgruppe gehören beispielsweise Maurer/-innen, Zimmerleute, Sanitärinstallateure/-innen und Elektromonteure/-innen. Hier hat sich die Situation des Überangebotes im Vergleich zum Vorjahr entschärft, da die Zahl der Stellenausschreibungen gestiegen und die Zahl der Stellensuchenden zugleich etwas gesunken ist. Auch die Berufe des Handels und Verkaufs (z. B. Verkäufer/-innen oder Kassierer/-innen) leiden unter einem starken Fachkräfteüberangebot (fünftletzter Platz). «Im Verkauf beispielsweise beobachten wir zum einen eine Verlagerung ins Onlinegeschäft, zum anderen werden in den Läden zunehmend vormals durchs Personal ausgeübte Tätigkeiten auf Maschinen übertragen, derzeit gerade das Kassieren. Das bedeutet fürs Verkaufspersonal, dass es sich auf weniger leicht substituierbare Tätigkeiten wie beispielsweise das Beraten und Überzeugen der Kunden ausrichten muss», kommentiert Helen Buchs vom Stellenmarkt-Monitor Schweiz. Ebenfalls zu den Berufen mit dem grössten Fachkräfteüberangebot gehören kaufmännische und administrative Berufe wie beispielsweise Büroberufe, Verwaltungsbeamte/-innen oder Organisationsfachleute. Sie befinden sich auf dem zweitletzten Platz des Rankings. «Die Unternehmen nutzen die zunehmenden Möglichkeiten der Automatisierung, der Digitalisierung und des Outsourcings. Veränderungen der Arbeitsinhalte und -techniken betreffen in dieser grossen Berufsgruppe viele Angestellte. Weiterbildungen und Spezialisierungen vor allem in digitalen Kompetenzen sind dringend nötig, um mit den Fortschritten der Digitalisierung Schritt halten zu können», kommentiert Helen Buchs vom Stellenmarkt-Monitor Schweiz.

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