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Fernbehandlung: Weg frei für die Telemedizin

Bereits seit einigen Jahren ist die Telemedizin auf dem Vormarsch. Diese neue Lösung der Gesundheitsversorgung bietet Online-Sprechstunden und Video-Diagnosen für alle Kassenpatienten hierzulande. Von der Telemedizin wird sich gewünscht, dass sie jede Menge Probleme aus dem Weg räumt. Denn im Land herrscht ein Ärztemangel, die Wege ins nächste Krankenhaus sind lang und dazu kommen noch volle Notaufnahmen – eben diese und weitere Probleme soll die sogenannte Telemedizin zukünftig aus dem Weg schaffen.

Videosprechstunden erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit

Vor allem in Zeiten der Corona-Pandemie verlagern immer mehr Ärzte ihre Sprechstunden ins Internet. Geholfen werden soll damit vor allem den Patienten, die glauben, dass sie sich mit dem Virus infiziert haben und aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht einfach die Praxis aufsuchen können. Der Heath Innovation Hub, bei der es sich um die Innovationswerkstatt des Bundesgesundheitsministeriums handelt, schreibt auf seiner Webseite:

„Die Videosprechstunde kann die Verbreitung des Virus verlangsamen und schützt andere Patienten – insbesondere chronisch und ernsthaft Erkrankte – und das medizinische Personal vor einem unnötigen Infektionsrisiko.“

Zudem würden diejenigen, die das Virus in sich tragen und sich in der Heim-Quarantäne befinden, nicht mit ihren Sorgen und der Unsicherheit allein gelassen.

Roland Stahl von der kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erklärt in einem Interview, dass die Nutzung der ärztlichen Videosprechstunden mit der Ausbreitung der Corona-Pandemie zugenommen hat. Nicht zuletzt ist das der Tatsache geschuldet, dass die KBV gemeinsam mit den Krankenkassen die Begrenzungsregelungen gelockert haben, um die Telemedizin voranzutreiben. Pro Quartal dürften Ärzte und Psychotherapeuten normalerweise nur maximal fünf Patienten ausschließlich per Video behandeln. Des Weiteren dürften die Online-Sprechstunden nur höchstens 20 Prozent aller Behandlungen ausmachen – für den Rest ist ein persönlicher Kontakt zwischen Arzt und Patient erforderlich. Aufgrund der Pandemie allerdings sind diese Begrenzungen nun bis zum Ende des 2. Quartals aufgehoben wie Stahl erklärt.

Wie funktioniert eine Video-Sprechstunde?

Damit die Videodienstanbieter eine KBV-Zertifizierung erhalten, ist es notwendig, dass diese unteranderem eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für den gesamten Zeitraum der Online-Behandlung gewährleisten können. Zudem dürfen nur Server aus dem europäischen Raum genutzt werden und des Weiteren muss sichergestellt sein, dass alle Daten ausschließlich für die Abwicklung der Video-Sprechstunde genutzt werden und spätestens nach drei Monaten gelöscht und nicht weitergegeben werden. Darüber hinaus sind während des Arzt-Patienten-Gesprächs Werbeeinblendungen verboten. Derzeit erfüllen 23 Anbieter diese Sicherheitsanforderungen.

Patienten die sich virtuell behandeln lassen möchten, benötigen keine besondere Technik. Eine gute Internetverbindung sowie ein Computer, Laptop, Tablet oder Smartphone mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher ist ausreichend. Das Verfahren läuft in der Regel wie folgt ab:

Vom Arzt erhält der Patient einen Termin für die Online-Behandlung, den Link zum Anbieter, der genutzt wird sowie einen Einwahlcode. Auf der entsprechenden Internetseite muss sich der Patient dann zehn Minuten vor dem Termin mit dem Code einwählen. Dies sollte laut der KBV für alle Patienten möglich sein, ohne das ein eigenes Konto erstellt werden muss. Es erfolgt ein kurzer Test, bei dem überprüft wird, ob die Technik funktioniert. Im Anschluss wird der Patient dann ins virtuelle Wartezimmer geführt. Sobald der Arzt bereit ist, ertönt ein Signal und die Sprechstunde beginnt.

Bei einigen Anbietern können sich die Patienten sogar deutschlandweit Ärzte vermitteln lassen. Dafür ist es nicht notwendig, dass sie Arzt und Patient zuvor begegnet sind. Patienten einen Termin vereinbaren möchten, müssen sich jedoch bei dem entsprechenden Anbieter registrieren und für die Identifizierung und Abrechnung die Versichertenkarte vor die Kamera halten.

Die Freie Ärzteschaft: Die Telemedizin wird durch Corona entzaubert

Allerdings offenbart die Corona-Krise noch einen weiteren Fakt in Hinsicht auf die Telemedizin. Denn die Videosprechstunde kommt schnell an ihre Grenzen und kann letztendlich nicht mehr leisten als ein Telefonat. Der Vorsitzende der freien Ärzteschaft (FÄ) Wieland Dietrich erklärt, dass dabei nicht von einer Behandlung gesprochen werden kann, sondern lediglich von einer Beratung. Denn per Video können tatsächliche Behandlungen, Untersuchungen, Vorsorgen und Check-ups nicht durchgeführt werden und haben oft in den vergangenen Wochen nicht stattgefunden. Dem fügte Dietrich hinzu, dass beispielsweise körperliche und apparative Untersuchungen, Blutabnahmen oder Abstriche per Telemedizin schlichtweg unmöglich sind – was ebenfalls die Diagnostik und Behandlung von ganz normalen Krankheiten als auch Covid-19 Erkrankungen einschließe.

Zudem benötigen laut den Berichten und Erfahrungen von Ärztinnen und Ärzten die Videosprechstunden im Vergleich zum Arzt-Patienten-Kontakt in der Praxis oft die doppelte Zeit, damit es zu einem vernünftigen Beratungsergebnis kommt. Den Grund sieht der FÄ-Vorsitzende durch die stark eingeschränkten Interaktionsmöglichkeiten zwischen Arzt und Patient – sowohl auf der Individualtherapeutischen als auch auf der psychosozialen Ebene.

Die Corona-Pandemie gab den Startschuss für die Telemedizin

Der KVB-Pressesprecher ist der festen Überzeugung, dass durch die Covid-19 Pandemie der Startschuss für die Telemedizin gefallen ist. Nach Ansicht von Roland Stahl wird diese Form des ärztlichen Gespräches in Zukunft deutlich zunehmen, wobei die Corona-Krise diese Entwicklung beschleunigt. Auch wenn der Bundesärztetag 2018 seine Berufsordnung änderte und damit den Ärzten erlaubt ist, auch Ferndiagnosen zu stellen, so bliebt der große Boom aus. In den ersten neun Monaten des letzten Jahres rechnete die KBV nur 1400 Videosprechstunden ab.

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