Berlin – Mit der Flüchtlingskatastrophe vor der italienischen Insel Lampedusa und den zahlreichen Toten, die die illegale Überfahrt nicht geschafft haben, hat die Debatte der Flüchtlingspolitik von Europa wieder volle Fahrt aufgenommen. Während die einen die Europäische Union und ihre Haltung zu Flüchtlingen stark kritisieren, bestehen andere darauf, dass die Politik genau richtig ist.
In Deutschland zum Beispiel verweist der Innenminister Friedrich darauf, dass Deutschland in ganz Europa am meisten Flüchtlinge aufnehme und ihnen eine neue Chance gebe. Er sähe daher nicht, warum die Aufnahme von Flüchtlingen in ganz Europa umverteilt werden sollte. Statt einer Umverteilung fordert der Innenminister, dass die anderen Staaten der Europäischen Union mehr Engagement zeigen und Flüchtlinge aufnehmen müssten. Aus Schweden bekommt Deutschland kräftige Unterstützung, denn allein von den Flüchtlingen des Syrienkrieges hätten diese beiden Staaten fast zwei Drittel aufgenommen.
Kritische Stimmen an der grundlegenden Einstellung
Innenminister Friedrich erklärte, dass nicht die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge erhöht werden dürfe. Vielmehr müssten in den afrikanischen Ländern grundlegende Reformen durchgeführt werden mit Unterstützung der Europäischen Länder, damit die Menschen dort eine Aussicht auf ein normales und friedliches Leben hätten. Alles andere wäre kontraproduktiv und würde den anhaltenden Flüchtlingsstrom mit illegalen Schleusergruppen, die ihnen alles Geld abknöpfen würden, was sie nur besitzen, nicht abreißen lassen.
Dass die Europäische Union nun ein neues Gesetz zur Überwachung der Grenzen und zur Zusammenarbeit der Europäischen Staaten verabschiedet hat, was die Kommunikation zur Kontrolle solcher illegalen Überfahrten verbessere, ist nur ein erster Schritt in die Richtung. Trotzdem dürfe man nicht vergessen, dass den Menschen wirtschaftlich in ihren eigenen Heimatländern geholfen werden müsse. Dies ist fast noch wichtiger als die Grenzkontrollen zur Europäischen Union.
Katastrophe noch andauernd
Während die Innenminister und die Europäische Union weiterhin über mögliche Lösungen des Problems diskutieren, ist die Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa allerdings noch nicht abgeschlossen. Von den rund 520 Flüchtlingen an Bord des havarierten Schiffes sind noch etliche Leichen verschollen. Man vermutet, dass sie sich noch in dem Schiffsrumpf befinden.
Der tunesische Kapitän des gesunkenen Schiffes wurde derweil bereits angeklagt. Er hat über 235 Menschen auf dem Gewissen und muss sich dafür in den kommenden Wochen und Monaten vor Gericht verantworten. Ob alle Leichen aus dem gesunkenen Schiffswrack geborgen werden können, was in etwa 50 Meter Tiefe auf dem Meeresboden liegt, bleibt derzeit noch ungewiss. Sicher ist nur, dass solche tragischen Katastrophen mit etlichen toten Flüchtlingen in Zukunft durch eine bessere Zusammenarbeit der Europäischen Staaten verhindert werden müssen.
