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Flugausfälle bei Lufthansa, Eurowings & Co.

In den vergangenen Wochen gelangten viele Tausend Fluggäste nicht wie geplant an ihr Ziel. Bereits Ende Juni hat sich das Verbraucherministerium eingeschaltet.

Egal ob Urlaubsreisenden, die sich auf ungemütliche Ferienmonate einstellen müssen oder Geschäftsreisende: „Auch der Himmel stößt an seine Grenzen“. So hieß es Ende Juni in ganzseitigen Zeitungsanzeigen der Luftverkehrswirtschaft. Unterzeichnet waren diese von den Chefs der im Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft organisierten Airlines. Darunter neben der Lufthansa und Eurowings auch Condor, Tuifly und EAT sowie die Deutsche Flugsicherung und deutsche Flughäfen.

Ungemütliche Ferienmonate für Flugreisende

Während man erwartete, dass es neben einer Entschuldigung und einer Zusicherung die „Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu verbessern“ enthielt der Text ein brisantes Eingeständnis, das ganz klar aussagte, dass es weiterhin zu Unregelmäßigkeiten kommen wird.

Politik und Verbraucherschützer zeigen sich angesichts dieser Umstände alarmiert. Vonseiten des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz wurde ganz klar von den Fluggesellschaften ein besserer Kundenservice gefordert. Viele Passagiere, die mit Unannehmlichkeiten aufgrund von ausgefallenen oder verspäteten Flügen zu kämpfen hatten, ärgerte, dass sich die Fluggesellschaften noch nicht einmal „Kundenorientiert“ verhielten. Noch immer sind laut dem Staatssekretär Gerd Billen noch viel zu selten service- und kundenorientiert. Zudem erklärte er weiter im Interview mit dem Handelsblatt, dass es nur einmal die Möglichkeit gibt, einen guten Eindruck zu machen. Doch dies habe die Airlines zuletzt offenbar wenige geschert.

Deutscher Luftverkehr ist unzuverlässig wie niemals zuvor

Es ist nun rund 10 Monate her, dass Air Berlin Insolvenz anmeldete und der deutsche Luftverkehr ist seitdem so unzuverlässig wie niemals zuvor. Von Januar bis zum 20. Juni fliegen laut den Berechnungen des Fluggastrechte-Portals EU-Claim deutschlandweit 15.571 Flüge aus und eine mindestens dreistündige Verspätung wiesen 3778 Flüge auf. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum gab es 8826 Ausfälle und 2268 Verspätungen!

Es kommen auf die Airlines millionenschwere Entschädigungen zu. Allein bis zu 20. Juni haben die Experten von EU-Claim eine Entschädigungssumme von fast 480 Millionen Euro errechnet, die aufgelaufen sei. Bei einer Verspätung von drei Stunden stehen den Fluggästen je nach Flugentfernung bis zu 600 Euro zu.

Auch vom Verbraucherministerium wird der Anspruch auf Entschädigung unterstrichen. Staatssekretär Billen äußerte sich mit den Worten, dass außergewöhnliche Umstände vorliegen können, aber diese keineswegs zu einer Pauschalbegründung bei Nicht-Zahlung werden dürfen. Dem fügte er hinzu, dass außergewöhnliche Umstände von den Airlines transparent dargelegt werden müssen.

Den Verbrauchern wird geraten, sich notfalls die heute schon zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu nutzen, um die Ansprüche geltend zu machen. Unkompliziert und kostenlos ist es, sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr oder an die Schlichtungsstelle Luftverkehr beim Bundesamt für Justiz zu wenden, sollte es zu einer erfolglosen Eingabe bei der Airline kommen.

Airlines schieben Verspätungen auf Streiks und Wetterbedingungen

In seinen Entschuldigungsschreiben an die Kunden sprach die Lufthansa von rund 2800 Ausnahmefällen und nannte dabei Fluglotsenstreiks, Engpässe bei der Flugsicherung und bei der Infrastruktur genannt, aber auch Wetterkapriolen aufgrund vieler Gewitter als Grund. Auch von der Lufthansa-Tochter Eurowings kam es zu schriftlichen Entschuldigungen bei den sogenannten Status-Kunden, nachdem sie seit Monaten für Flugausfälle und -verspätungen Kritik einstecken musst. Von Eurowings-Chef Thorsten Dirks werden die Störungen mit dem großen Aufwand und der notwendigen Zeit für die Übernahme von 70 der 140 Flugzeuge der Pleitegesellschaft Air Berlin begründet. Bis Ende Juli werde der Transfer zu Eurowings abgeschlossen sein und dann könnte mit einem zuverlässigeren Flugbetrieb gerechnet werden.

Doch daran haben die Tourismuspolitiker und der CSU-Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder ihren Zweifel. Von ihnen wird die Entwicklung mit extrem grosser Sorge gesehen. Zudem habe das Image der Branche ohnehin bereits aufgrund der Air-Berlin Pleite gelitten und eben aus diesem Grund wird es schon als ein „starkes Stück“ bezeichnet, dass von der Luftverkehrswirtschaft in ganzseitigen Anzeigen ganz ungeniert erklärt wurde, dass die getroffenen Maßnahmen in diesem Sommer noch nicht greifen würden.

Der Skandal: Reiseveranstalter lassen sich nicht besänftigen

Die Reiseveranstalter und Reisebüros sind derzeit nicht sehr gut auf die Lufthansa zu sprechen, da die Flugverspätungen bis in die Urlaubssaison hineinreicht. Es haben sich bereits zahlreiche Reiseveranstalter aus Deutschland und auch aus Österreich bei der Geschäftsführung von Lufthansa und Eurowings beschwert.

Vom Grünen-Bundestagsabgeordneten Markus Tressel wird das Ganze als „höchst ärgerlich“ bezeichnet, dass sich die Lufthansa über Monate in Schweigen hülle und erst aufgrund des massiv gestiegenen öffentlichen Drucks eine Erklärung abgibt. Zumindest sei es die Airline den Betroffenen schuldig gewesen, die Probleme klar zu benennen und die Gründe für die Ausfälle nicht in Form von allgemeinen Aussagen außerhalb der eigenen Verantwortung zu suchen.

Auch von Klaus Mueller, dem obersten deutschen Verbraucherschützer wird die Entschuldigung der Lufthansa kritisiert. Für ihn drängt sich die Frage auf, ob sich die Lufthansa nicht doch mit der Übernahme von Air Berlin übernommen habe. Für ihn ist klar, dass die Airline schnell handeln müsse. Dazu gehöre neben einem stabilen Flugplan auch genügend flugbereite Maschinen und Mitarbeiter. Der VZBV-Chef warnt, dass die Schwierigkeiten, denen die Lufthansa und Eurowings bereits im vergangenen Jahr gegenüberstanden sich nicht wieder zu einem Drama für die Verbraucher in diesem Jahr ausbreiten dürfen. Doch die Reisenden erleben in diesem Jahr ein Déjà-vu: Flugplanänderungen, Flugausfälle, Verspätungen – all das führt einmal mehr zu langen Wartezeiten und „erheblichen Unsicherheiten“ bei den Flugreisenden.

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