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Hans-Böckler-Stiftung zweifelt an Fachkräftemangel

Ökonomen der Hans-Böckler-Stiftung halten die Klagen der Wirtschaftsverbände über zunehmenden Fachkräftemangel für überzogen. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Stiftung kommt in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass die Zahlen des DIHK, wonach derzeit 1,6 Millionen offene Stellen nicht besetzt werden könnten, überhöht und daher wenig aussagekräftig sind. Das berichtet die "Welt". Das Problem sei weniger, dass es nicht genug Arbeitskräfte gebe - sondern dass Unternehmen nicht bereit seien, angemessene Löhne zu zahlen, sagte Eric Seils, Verfasser des jüngsten WSI-Reports zur Arbeitsmarktsituation, über den die "Welt" berichtet. "Die Klagen vieler Unternehmer über ein angebliches Geschäftsrisiko Fachkräftemangel dienen nur dem Ziel, den Anstieg der Arbeitskosten im deutschen Niedriglohnsektor zu dämpfen", sagte Seils. Der DIHK hatte jüngst erklärt, dass Unternehmen unter anderem Stellen in der Leiharbeit, dem Sicherheits- und Gastgewerbe sowie im Straßengüterverkehr kaum mehr besetzen könnten. Damit, so Seils, wären vor allem Niedriglohnbranchen betroffen, in denen "weit unterdurchschnittliche Anforderungen an die Qualifikation gestellt werden". Dass es ausgerechnet dort Arbeitskräftemangel geben soll, sei wenig wahrscheinlich. Die Wahrheit sei, dass in den genannten Branchen nicht gut gezahlt werde, die Personalfluktuation groß sei und damit die Zahl offener Stellen, sagte Seils. Arbeitgeber hätten aber einen starken Anreiz, Vakanzen eher mit Fachkräfteproblemen zu erklären, vermutete er. "Wenn sie sich an der Umfrage des DIHK beteiligten und sich über Fachkräftemangel beklagten, könnten sie hoffen, dass sich der Verband politisch für günstiges Personal aus dem Ausland einsetzt." Karl Brenke, langjähriger Arbeitsmarktexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sagte: "Zunehmende Vakanzen bei offenen Stellen können auch ein Beleg dafür sein, dass die Bundesagentur für Arbeit mit der Vermittlung nicht hinterherkommt oder die Arbeitgeber zu wählerisch sind." Umfragen von Unternehmen, wie die des DIHK, seien nur bedingt glaubhaft. "Wenn wir tatsächlich nennenswerten Fachkräftemangel hätten, könnte man das am ehesten an steigenden Löhnen sehen, weil sich die Betriebe dann anstrengen müssen, die guten Leute zu bekommen. Wir haben aber in den vergangenen Jahren nur vergleichsweise geringe Lohnsteigerungen gehabt." Die Bundesagentur für Arbeit stellt in ihrer jüngsten Fachkräfte-Engpassanalyse fest: "Trotz stark gestiegener Vakanzzeit sowie einer knapper gewordenen Arbeitslosen-Stellen-Relation kann von einem umfassenden Fachkräftemangel in Deutschland nach wie vor nicht ausgegangen werden. Vielmehr zeigen sich in einigen Berufen und Regionen spürbare Probleme bei der Besetzung von offenen Stellen." Foto: Bauarbeiter, über dts Nachrichtenagentur

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