Kanton Tessin – die Sonnenstube der Schweiz

Kanton Tessin – die Sonnenstube der Schweiz

Viele Künstler hat der Schweizer Kanton Tessin, der nach dem Fluss Ticino (Tessin) benannt ist, inspiriert. Hermann Hesse fand in der „Sonnenstube der Schweiz“ seinen Zufluchtsort. Für Hesse hatte die grüne und sanftmütige Region, wo italienisch und deutsche Kultur, Katholiken und Protestanten friedlich Seite an Seite lebten, eine spirituelle Dimension. Neben Hermann Hesse, machten im Tessin auch viele andere Station, wie beispielsweise Ernest Hemingway, Erich Kästner, Thomas und Golo Mann und Bertold Brecht. Das Tessin war in Zeiten des Krieges für viele Intellektuelle ein schützender Hafen.

Kanton Tessin – die Sonnenstube der Schweiz

Uferpromenade von Lugano mit San Salvatore im Hintergrund

Galt das Tessin noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts als das Schweizer Armenhaus, so hat sich das ab 1882 mit der Inbetriebnahme des ersten Gotthard-Tunnels geändert. Während sich Lugano als Finanzplatz einen Namen machte, erlangten die Orte Locarno und Ascona vor allem als touristische Ziele eine hohe Bedeutung. Heute leben auf einer Fläche von 2811 Quadratkilometern rund 329.000 Tessiner, deren Amtssprache Italienisch ist. Mehr als 8 % der Bevölkerung geben als Muttersprache Deutsch an.

Der Gotthard-Tunnel veränderte das Tessin

Im südlichsten Kanton herrscht ein mildes Mittelmeerklima, wo durchschnittlich über 2300 Sonnenstunden im Jahr gezählt werden. Schon immer war das Wetter schön im Tessin und ideal, um einen perfekten Urlaub zu verbringen. Doch für Reisende war der Kanton nicht immer gut erreichbar. Im Winter war der südliche Kanton von der restlichen Schweiz abgeschnitten, wenn die Pässe eingeschneit waren und im Vergleich zum Norden wirtschaftlich und schlecht entwickelt.

Kanton Tessin – die Sonnenstube der Schweiz

Kathedrale San Lorenzo in Lugano

Mit dem Bau der Gotthard-Eisenbahn, Ende des 19. Jahrhunderts, änderte sich die Situation. Im Tessin hielt die Industrialisierung Einzug, und der Tourismus begann sich zu entwickeln. Reisende aus den umliegenden Ländern, wie Deutschland und Frankreich sowie der Deutschschweiz kamen ins Tessin, um das angenehme Klima zu genießen. Mit fast 17 Kilometern ist der Gotthard-Straßentunnnel der Viertlängste der Welt und seit seiner Eröffnung boomt der Tourismus. Durch die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels 2016, rückte das Tessin nochmals näher an die nördlichen Kantone der Schweiz. Von Zürich nach Lugano dauert die Fahrt mit der SBB nur rund zwei Stunden. Das ist nur einer der vielen Gründe, warum ein Haus in Lugano heutzutage eine beliebte Investition darstellt.

Tessin – mehr als „nur“ südländisches Ambiente

Um 1900 waren Ascona, Locarno und Lugano noch armselige Dörfchen und in den Tälern lebte eine rückständige Bevölkerung, die sich kaum ernähren konnte, von dem was der karge, felsige Boden hergab. Auf den steilen Hängen waren Ackerbau und Viehzucht kaum möglich und so kam es im Tessin immer wieder zu großen Hungersnöten. Erst durch den Bau, des Eisenbahntunnels tat sich etwas im Tessin, der heute bei den Reisenden aufgrund seines milden Klimas als beliebtes Ziel gilt.

Kanton Tessin – die Sonnenstube der Schweiz

Uferpromenade von Ascona

Den Touristen entdeckten für sich, die „Sonnenstube der Schweiz“. Zudem erhielt der Kanton durch die Eisenbahnstrecke den Anschluss an das Zeitalter der Industrialisierung. Damit die Schönen und Reichen standesgemäße Quartiere vorfanden, entstanden die Grand Hotels der Belle Epoque. Doch heute sind diese pompösen Immobilien im Tessin Sanierungsfälle.

In den 1950er Jahren boomte das Ferienziel, Tessin und viele der Schweizer kauften sich Rustici, ehemalige Ställe, um diese zu Ferienhäusern umbauen zu lassen. Auch heute ist der Tessin finanziell stark vom Tourismus abhängig. 12 % der Beschäftigten arbeiten in diesem Sektor, in dem der Lago Maggiore und der Luganersee zu den wichtigsten touristischen Zentren zählen, neben den Städten, Locarno, Ascona, Lugano und Bellinzona. Hinzu kommen noch viele Täler, Dörfer, Weiler und Berge, die von den Touristenboom noch nicht eingenommen wurden. Dort kann der ursprüngliche Charme mit der einfachen Bauweise und ländlichen, ruhigeren Lebensart der Tessiner noch erlebt werden.

Dorf und Tal veränderten sich im Laufe der Jahrzehnte

Ein Beispiel für die Veränderung des Tessin ist das Dorf Comolgono. Dies war einst ein altes Schmugglergebiet und heute ein schönes, alpines Wanderland. Zudem ist das Dorf der Schauplatz von Aline Valangins „Das Dorf an der Grenze. Die Schriftstellerin schildert in ihrem Roman die Situation eines Schweizer Grenzdorfes während des Krieges und sie weiß, von was sie spricht. Sie kaufte 1929 mit ihrem Mann die „Barca“ in Comologno, ein prächtiger Palazzo, den die Remondas, dort bauen ließen. Die „Barca“ das Schiff, wird unter ihrem Patronat zu einer Arche für Emigranten und Antifaschisten wie Kurt Tucholsky, Elias Canetti, Max Bill, Hans Arp und viele andere.

Heute ist Comologno nicht mehr so fern von allem entfernt, zumindest technisch gesehen. Das Dorf hat sich durch den Ausbau der Infrastruktur vom Schicksal der Abgeschiedenheit befreit und das Postauto verbindet mehrmals täglich das Onsernonetal mit Locarno. Überhaupt das Tessin hat sich durch Straße und Schiene verändert, nicht immer zum Guten. Das verschlafene Dorf Montagnola, wo Hesse einst halt machte ist heute ein gut gesicherter Villenvorort, mit dem Blick ins Tal Pampambio (Pambio), das einst der Maler Klingsor mit seinen Wanderfreunden durchschritt, um ins Paradies zu gelangen. Heute ist das einst malerische Tal von der lärmigen Autobahn und hässlichen Industriebauten geprägt.

Das Tessin hat sich durch Mobilität und Dichtestress verändert. Trotz alle dem halten sich die touristischen Mythen der Sonnenstube der Schweiz auch heute noch wacker.

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