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Kernkraftwerk Mühleberg geht früher vom Netz

Bern – Die BKW AG, Betreiberin des bei Bern gelegenen Atomkraftwerks Mühleberg, kämpfte erst unlängst beim Bundesverwaltungsgericht um eine unbefristete Betriebsverlängerung, die sie auch erhalten hat. Nun gibt die BKW AG bekannt, dass Mühleberg 2019 vom Netz gehen werde. Bis dahin sollen verschiedene Nachrüstmaßnahmen gesetzt werden. Die Betreiberin teilte mit, dass das Kernkraftwerk bis dahin unter Einhaltung aller Sicherheitsanforderungen weiter betrieben und anschließend vom Netz genommen werde. Die Ankündigung mobilisierte die Atomkraftgegner, denn vor nicht allzu langer Zeit ließ Urs Gasche, Verwaltungspräsident von BKW, verlauten, Mühleberg werde vom Netz gehen, wenn die Sicherheit nicht mehr gewährleistet oder die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben sei. Er rechnete zu dem Zeitpunkt mit einem Betrieb bis 2022.

Grund sei Wirtschaftlichkeit

Suzanne Thoma, Chefin der BKW AG, nannte als Grund für die Entscheidung wirtschaftliche Gründe, vor allem die gesunkenen Strompreise und ergänzt: „“Die Investitionen für einen Langzeitbetrieb hätten für die BKW hohe Kosten zur Folge gehabt, deren Amortisation in der restlichen Laufzeit der Anlage unter den gegebenen wirtschaftlichen, regulatorischen und politischen Rahmenbedingungen zu unsicher gewesen wären.“ So können die nötigen Investitionen gespart werden, wodurch ein Ausbau bei der Wasserkraft und bei der Windenergie möglich werde. In den nächsten Jahren bis zum endgültigen Aus von Mühleberg müssen dennoch für den Betrieb und die Instandhaltung rund 200 Millionen Schweizer Franken investiert werden, davon rund 15 Millionen Franken für außerordentliche Nachrüstungen, wie zur Verbesserung der Kühlwasserversorgung und der Brennelementlagerkühlung.

Atomkraftgegner reagieren

Risse im Kernmantel sind seit 1990 bekannt. 1996 wurden Zuganker zur Stabilisierung angebracht, die jedoch nur eine provisorische Lösung darstellten. Bis 2005 sind weitere Risse aufgetaucht, teilweise mit einer Tiefe von 90 Prozent der Wandstärke, ein Teil der Schweißnähte ist beschädigt. 2011 willigte die BKW ein, die Risse zu untersuchen, das Kernkraftwerk wurde 21 Jahre nach Bekanntwerden der Risse zwecks Untersuchungen und Setzen von Maßnahmen erstmals heruntergefahren. Atomkraftgegner sehen nun auch die Nachrüstmaßnahmen als zu gering. Seitens der Grünen heißt es, dass das Risiko des Weiterbetriebs zu hoch wäre. Und Greenpeace lässt verlauten, dass die BKW mit der Ankündigung wahrscheinlich einen eigennützigen Teufelspakt mit der Aufsichtsbehörde eingehen möchte, der wichtige Nachrüstungen vermeidet, die Sicherheit der Bevölkerung weitere sechs Jahre gefährde und die Energiewende noch weiter hinauszögere. Ähnlich äußert sich die Schweizerische Energie-Stiftung: „Sicherheit ist nicht verhandelbar.“ Bei der Stiftung wird ebenfalls befürchtet, dass die BKW der Aufsichtsbehörde Konzessionen abhandeln wolle. Der WWF bläst in dasselbe Horn. Für ihn sei ein weiterer Betrieb mit nur geringfügigen Nachrüstungsmaßnahmen nicht nur ein Spiel mit dem Feuer, sondern rundweg ein Skandal.

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