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Kredite – der Mittelstand wird ausgebremst

Eine Studie aus 2019 zeigt, dass 58% der mittelständischen Unternehmen ein bis zwei Drittel ihrer Betriebsmittelkredite mit Sicherheiten hinterlegt haben. Dieser Wert betrug 2018 noch 54% und in 2017 sogar 43%. Dieses Ergebnis ist der Studie mit dem Titel „Finanzierungsmonitor 2019“ zu entnehmen. Die Experten der bvm GmbH wissen, dass dieser hohe Aufwand an Sicherheiten unbeliebt ist und der Mittelstand in seiner Innovations- und Investitionskraft ausgebremst wird.

Wird der klassische Bankkredit aussterben?

Der Gesamtanteil im Finanzierungsmix kleiner und mittlerer Unternehmen sankt nach einer Studie der Zeppelin- Universität Friedrichshafen seit 1997 von 36,8 auf 22,6%. Zudem zeigt die Analyse von Prof. Dr. Mark Mietzner und seinem Team auf, dass der Anteil des Bankkredits seit 2013 sogar geringer ist, als der Eigenkapitalanteil der Unternehmen. Die Frage ist, wie es dazu kommen konnte. Die Banken fordern von den Unternehmen für Betriebsmittelkredite hohe materielle Sicherheiten, wie Grundstücke, Gebäude oder Anlagen. Dabei handelt es sich für viele der kleinen und mittleren Betriebe um einen Aufwand, den sie oft nicht stemmen können. Die Befragungen des Finanzierungsmonitors 2019, bestätigen dies. Denn die Kreditinstitute verlangen demnach von 72% der Dienstleistungsunternehmen Sicherheiten im Wert von bis zu zwei Dritteln des angefragten Kreditvolumens. Besonders für die kleinen Betriebe und Dienstleister, die sich auf den digitalen Service spezialisiert haben, ist das zu kompliziert und aufwendig. Nicht selten fühlen sich die Entscheider in ihren Entwicklungspotenzialen und der Innovationskraft ausgebremst. Das Verhalten mancher etablierten Kreditinstitute wird von den Experten, die an dem Finanzierungsmonitor beteiligt waren, kritisiert. Denn sie würden sich bei ihren Angeboten nicht nach den Bedürfnissen des Mittelstands richten und das, obwohl über 50% der befragten Unternehmen bereit wären, höhere Zinsen im Gegenzug für weniger Sicherheiten in Kauf zu nehmen.

Höhere Zinsen für weniger Sicherheiten

Besonders die Dienstleistungsunternehmen sehen sich in der schlechteren Verhandlungsposition gegenüber den Kreditgebern. 72% der KMU müssen ein bis zwei Drittel ihrer Betriebsmittelkredite mit Sicherheiten unterlegen. Doch diese von den Banken geforderten, dinglichen Sicherheiten sind im Zeitalter der Digitalisierung für viele Unternehmen kaum zu erbringen. Für den Mittelstand ist es hinderlich, dass sich die Institute bei der Vergabe von Krediten nicht an die Wünsche und Vorstellungen der KMU anpassen oder anpassen können. Der Finanzierungsmonitor 2019 zeigt zudem auf, dass 81% der Befragten der Ansicht sind, dass unbesicherte Kredite den finanziellen Spielraum erhöhen. Den Experten zufolge sei das, in Anbetracht des aktuellen wirtschaftlichen Umfelds wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Daher würden 78% der Unternehmen gern einen unbesicherten Kredit aufnehmen , während es 2016 noch 66% waren. Das zeigt, dass sich die KMU mehr Flexibilität wünschen und offen sind für neue Finanzierungsmodelle.

Es treten Alternativen auf den Markt

In den letzten Jahren hat sich der Finanzierungsmarkt drastisch verändert. Die Unternehmen sind längst nicht mehr nur auf das Kapital der Banken angewiesen. Besonders aufgrund des digitalen Wandels wurde eine Reihe von Prozessen revolutioniert, durch die neue Dienstleistungen und Produkte hervortraten. Mit ihren Lösungen und Technologien stoßen die Fintech-Anbieter in Bereiche vor, die von den klassischen Banken und Kreditinstituten aufgrund der langsamen Abläufe nicht abgedeckt werden können. Auch der Mittelstand hat die neue Lage am Kapitalmarkt erkannt und sich entsprechend angepasst. Die KMU verändern seit Jahren ihre Finanzierungsstruktur und stellen sich in Bezug auf Fremdkapital breiter auf. Das sogenannte Factoring ist ein gutes Beispiel dafür. Unternehmen verkaufen bei diesem Finanzierungsmodell ihre Forderungen an externe Finanzdienstleister und machen so schnell liquide Mittel frei. In den letzten Jahren ist der Markt für diese Praxis sprunghaft angewachsen und lag bereits 2017 bei rund 232 Milliarden Euro.

Die Klein- und Mittelständler werden aktiv

Wie bereits erwähnt, stellt der Mittelstand seinen Finanzierungsmix bereits seit einigen Jahren breiter und individueller auf. Dabei spielen, neben dem Factoring, auch kurzfristige, unbesicherte Kredite eine große Rolle. Somit steigt auch hier das Marktpotenzial der Fintech-Anbieter. Denn laut der Zeppelin-Studie bieten diese genau das, was die KMU sich wünschen: Eine automatisierte, schnelle und transparente Abwicklung. Doch nicht nur auf Fintech-Lösungen verlassen sich die KMU, sondern sie steigern ebenso kontinuierlich ihre Innenfinanzierung durch mehr Eigenkapital. Die bvm GmbH hat seit ihrer Gründung 1999 über 20.000 Projekte abgewickelt, um KMU dabei zu helfen, sich erfolgreich am Markt zu positionieren und ihre Gewinne zu maximieren. Zudem wächst bei den Klein- und Mittelständischen Unternehmen das Interesse am Kapital- und Anleihenmarkt sowie an Leasing-Modellen.

Die Bankkredite werden nicht aussterben

Auch wenn die KMU zu neuen Ufern aufbrechen, und der Finanzierungsmix immer heterogener wird, so bleibt der Bankkredit weiterhin ein wichtiger Anker. Das wird durch die Zeppelin-Studie bestätigt. Nach wie vor bestehen demnach zwischen 36 und 46% der Verbindlichkeiten bei klassischen Bank- und Kreditinstituten. In 2016 betrug die Summe 490 Mio. Euro. Ein Blick auf diese Zahlen zeigt, dass es vermessen wäre, davon zu sprechen, dass die Banken aussterben. Aber Fakt ist, dass die Banken und Kreditinstitute unter Druck stehen und das nicht nur aufgrund der agilen Fintech-Konkurrenz, sondern ebenfalls aufgrund der strengeren Regularien.
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