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Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde nennt Gleichsetzung „absurd“

Der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn , hat sich gegen eine Gleichsetzung von heutigen Verhältnissen in der Bundesrepublik mit Zuständen in der DDR ausgesprochen. "Demokratie ist korrekturfähig. Es werden auch Fehler gemacht. Dies aber mit der Bevormundung in der SED-Diktatur gleichzusetzen, ist absurd", sagte Jahn der "Welt" (Samstagausgabe). Gerade dass derzeit unter ehemaligen DDR-Bürgerechtlern und zwischen den Parteien in den ostdeutschen Landtagswahlkämpfen über die Erinnerung an die Wende von 1989 gestritten wird, zeige, "dass die Demokratie funktioniert und dass es mit den DDR-Verhältnissen vorbei ist". Heute könne im öffentlichen Streit, so der in der DDR inhaftierte Bürgerrechtler, "jeder seine Meinung sagen, ohne eingesperrt zu werden". Zugleich bezeichnete es Jahn mit Blick auf die Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen am Sonntag als "zu simpel, Parteipräferenzen permanent auf DDR- oder Nachwende-Erfahrungen zurückzuführen". Zwar sei es "grundsätzlich legitim" zu fragen, ob und wie DDR-Prägungen heutige Wahlentscheidungen beeinflussen. Als Beispiel nannte Jahn, dass sich Bürger der ehemaligen DDR bei damaligen Reisen nach Osteuropa zuweilen als Deutsche zweiter Klasse gefühlt und deshalb "Minderwertigkeitsgefühle entwickelt haben" könnten. Diese Menschen könnten fürchteten, "auch heutzutage zurückgesetzt zu werden", woraus "dann neidische Aversionen gegenüber Zuwanderern entstehen" könnten. Es sei aber völlig verfehlt, zwischen Vergangenheit und Gegenwart "direkte Kausalitäten zu konstruieren". Jahn weiter: "Nehmen Sie mich als Beispiel: Auch ich habe mich zu DDR-Zeiten bei meinen Osteuropa-Reisen manchmal wie ein Deutscher zweiter Klasse gefühlt. Aber ich bin nicht fremdenfeindlich." Deshalb könne man heutige Fremdenfeindlichkeit "nicht einfach aus DDR-Erfahrungen herleiten". Zudem dürfe man es "Leuten mit fremdenfeindlichen Einstellungen nicht erlauben, diese dadurch zu rechtfertigen, dass sie sich zu DDR-Zeiten als Deutsche zweiter Klasse fühlten". Mit Blick auf das im Herbst anstehende 30. Jubiläum des Mauerfalls forderte Jahn eine große zentrale Ausstellung über Opposition und Widerstand in der DDR von 1949 bis 1989. Es könne nicht sein, "dass wir all die vergessen, die in den 50er-, 60er-, 70er-Jahren unter größtem Risiko der Diktatur widerstanden haben". Der beste Ort für "eine große repräsentative Ausstellung über die DDR-Opposition" wäre nach seiner Ansicht die ehemalige Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße. "Die wurde 1990 gestürmt, so wie 1789 in Paris die Bastille gestürmt wurde. Für die Franzosen ist die Bastille seither ein Symbol ihres republikanischen Bewusstseins. Warum eignen wir Deutschen uns nicht auf solche Weise die 1990 gestürmte Stasi-Zentrale an?" Foto: Gedenkstätte Hohenschönhausen, über dts Nachrichtenagentur  

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