Europaletten werden täglich weltweit millionenfach von Industrie und Handel genutzt. Durch einheitliche Standards nach DIN EN 13698 sind fabrikneue Paletten dieser Bezeichnung immer gleich. Allerdings gibt es verschiedene Hersteller, Reparaturbetriebe und Verbände, die durch Interessensgegensätze keinen einheitlichen Pool für den Tausch zulassen. Schon monatelang schwelt nun ein Streit zwischen der EPAL, der UIC und der GS1 Germany, bei dem noch kein Kompromiss gefunden werden konnte.
UIC will Einfluss nicht verlieren
Der UIC (internationaler Eisenbahnverband) sowie die EPAL (European Pallet Association e.V.) sind Konkurrenten in der Lizensierung von Europoolpaletten und streiten sich um die Kennzeichnung und Vereinheitlichung der Paletten. Dabei ist die EPAL hier erst einen Schritt auf die UIC-Arbeitsgruppe „Fragen der Palettierung“ zugegangen, indem die EPAL anbot, zukünftig nur noch zwei Brandings zu erstellen: Dabei soll „EPAL im Oval“ oder „UIC“ eingebrannt und einheitlich „EUR im Oval“ als Kennzeichnung genügen. Der UIC, dem auch die Deutsche Bahn AG angehört, hat bei dieser Frage aber opponiert, will sein eigenes Brandzeichen als einzige Alternative durchsetzen: „UIC“ auf dem linken Klotz und „EUR im Oval“ auf dem rechten Klotz. Ansonsten würde seitens des UIC ab 01.08.2013 ein eigener Euro-Palettenpool für die mit „UIC“ gekennzeichneten Paletten gefordert.
Die Palettennutzer wehren sich
Der Streit wurde noch ausgeweitet, indem die EPAL nun ihre Paletten ab sofort nur noch mit EPAL/EPAL kennzeichnet. Damit ist die Verwirrung für die eigentlichen Nutzer der Paletten perfekt. Logistik-Dienstleister und Verbände unterschiedlicher Industrien, die sich unter dem Dachverband GS1 Germany zusammengeschlossen haben, folgen nun der Empfehlung der EPAL, die Vorstellungen der UIC zu ignorieren und den Palettentausch so effizient wie möglich (weiter) zu betreiben. Denn für einen Gabelstapler macht es keinen Unterschied, wie die Palette gekennzeichnet ist, insofern es sich um eine einheitlich standardisierte, zertifizierte und geprüfte Palette handelt und die Akzeptanz von Ladungsträgern gleicher Art gegeben ist. Die UIC verlangt ab 01.08.2013, dass Paletten, die mit „UIC“ gebrandet sind, in einem eigenen System getauscht werden – das würde erheblichen Mehraufwand für die Nutzer mit sich bringen, der Lagerkapazität, Arbeitsaufwand und damit viel Geld kostet.
Neuer EPAL-Tauschkodex schützt die Unternehmen
Die EPAL setzt in einem neuen Tauschkodex um, was die Verbände der Industrie und des Handels vor einer Spaltung des Euro-Palettenpools bewahrt: Die Gewährleistung des problemlosen Tauschs von Paletten mit den Bezeichnungen „EPAL“ und „EUR“. Doch der Streit ist noch längst nicht vorbei: Die UIC will indirekt selbst eine Palettenorganisation auf dem Markt etablieren. Inwiefern es für Unternehmen also zukünftig möglich sein wird, eine Palette von der Laderampe zu fahren und sich keine Gedanken über den Tausch oder die Lagerung machen zu müssen, steht noch in den Sternen.
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