Bern – Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen beginnen schon beim Berufseinstieg, wie jetzt eine Studie des Nationalfonds in der Schweiz herausgefunden hat. Dabei kam heraus, dass junge Frauen beim Berufseinstieg im Durchschnitt 7 Prozent weniger bekommen als junge Männer, dies entspricht einem durchschnittlichen Betrag von 278 Franken im Monat. Genaue Gründe für diese Unterschiede konnten noch nicht herausgefunden werden, da es bei den untersuchten Fällen keine direkten Unterschiede bezüglich der Qualifizierung und Vorbildung gab. Untersucht wurden für diese Studie die Daten von rund 6000 Jugendlichen – diese hatten seit dem Jahr 2000 an einer Langzeitstudie teilgenommen, die auf den Übergang von der Schule in den Beruf ausgerichtet ist.
In einem Interview sprach die Ökonomin Kathrin Bertschy nun über die verschiedenen Ursachen der Diskriminierung von Frauen. Genaue Gründe konnten dabei nicht angegeben werden, doch die Ökonomin mutmaßt, dass Männer bei den Gehaltsverhandlungen forscher vorgehen und daher ein höheres Gehalt fordern. Dadurch erklären sich allerdings die Lohnunterschiede zum Berufseinstieg nicht. Die Studie des Nationalfonds hat vor allem auch herausgefunden, dass die größten Lohnunterschiede in Berufen zu finden sind, in denen die Geschlechterverhältnisse ausgewogen sind. Die Sensibilität hinsichtlich der Lohngleichheit scheint in solchen Branchen besonders zu fehlen, da es kaum andere Indizien für die Lohnunterschiede gibt.
Frauen verdienen in allen Branchen weniger als Männer
Nicht nur in Branchen, in denen ausgeglichene Geschlechterverhältnisse bestehen, verdienen Frauen weniger. Bei den Berufen, die eher als Männer- oder Frauentypisch bezeichnet werden, verdienen Frauen ebenfalls weniger als Männer. Die Gründe sind zwar recht vielseitig, doch da es keine genaue Erklärung für die Lohnunterschiede gibt, bringt eigentlich nur mehr Lohntransparenz etwas. Dieser Ansicht ist die Ökonomin Kathrin Bertschy, denn in der Schweiz wird generell eher wenig über den Lohn gesprochen. Dadurch, dass Frauen oft Teilzeitarbeit leisten, stellen sie für den Arbeitgeber eher ein finanzielles Risiko dar, welches bei Männern derzeit noch nicht droht.
Eine bessere Nutzung des Potenzials der Frauen
Da dieses Thema in der Schweiz aktuell ist und auch über Fachkräftemangel und Zuwanderungsthematik diskutiert wird, beginnt jetzt wohl auch die Diskussion über die Löhne der Frauen. Laut der Ökonomin Kathrin Bertschy muss in der Schweiz zum einen das Thema der Löhne transparenter werden und zum anderen müssten die Arbeitgeber merken, dass Männer ebenfalls in Teilzeit arbeiten können und das mehr Lohngleichheit herrschen muss. Gerade die Lohnunterschiede direkt beim Berufseinstieg sind nicht gerechtfertigt, wenn gleichwertige Kandidaten anfangen. Das Potenzial der Frauen müsste daher stärker genutzt werden.
