Aussagen von Experten und Umfragen aus den letzten Monaten zeigen immer wieder: Bei Frauen kommt CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz nicht so gut an, wie bei den Männern. Dies wirft die Frage auf, warum das so ist und was Merz unternimmt, um dieses Defizit auszugleichen.
Mangelnde Identifikation mit Merz
Viele Frauen scheinen sich mit dem konservativen Politiker nicht zu identifizieren. „Merz verkörpert einfach nicht die Werte und Themen, die für viele Wählerinnen wichtig sind“, erklärt die Politologin Julia Friedrichs. „Seine wirtschaftsliberale und teilweise auch gesellschaftspolitisch eher traditionelle Ausrichtung spricht Frauen nicht in dem Maße an wie Männer.“
In Umfragen zeigt sich immer wieder, dass Merz bei Frauen schlechter abschneidet als bei Männern. So lag er im ARD-Deutschlandtrend vom Juli 2022 bei den Männern 5 Prozentpunkte vor Olaf Scholz, während er bei den Frauen 3 Prozentpunkte hinter ihm lag. Ähnliche Tendenzen finden sich auch in anderen Erhebungen.
Fehlende Ansprache der Lebensrealitäten von Frauen
Ein Grund dafür könnte sein, dass Merz zu wenig auf die spezifischen Anliegen und Lebensrealitäten von Frauen eingeht. „Er konzentriert sich sehr stark auf wirtschafts- und finanzpolitische Themen, bei denen er zwar Expertise vorweisen kann, die aber für viele Wählerinnen nicht an erster Stelle stehen“, sagt die Politologin Friedrichs.
Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Förderung der Gleichberechtigung oder der Kampf gegen Gewalt an Frauen kommen bei Merz bislang kaum vor. „Das macht es für viele Frauen schwer, eine Verbindung zu ihm aufzubauen“, so Friedrichs weiter.
Traditionelles Frauenbild?
Zudem wird Merz von manchen Beobachtern als jemand wahrgenommen, der ein eher traditionelles Frauenbild vertritt. Seine Äußerungen zu Themen wie Elternzeit oder Vereinbarkeit lassen zumindest diesen Eindruck entstehen.
So sorgte er 2019 für Aufsehen, als er sagte, Frauen sollten sich nach der Geburt eines Kindes „drei Monate zurückziehen“ – eine Aussage, die von vielen als frauenfeindlich kritisiert wurde. Auch seine Forderung, Elternzeit solle „stärker an den Vater“ gehen, wurde von Gleichstellungsexperten als problematisch eingestuft.
Strategien zur Ansprache von Wählerinnen
Um dieses Defizit auszugleichen, versucht Merz mittlerweile, gezielter auf Frauen zuzugehen. So hat er in den letzten Monaten vermehrt Termine und Veranstaltungen wahrgenommen, bei denen er sich speziell an Wählerinnen richtet.
Dabei betont er dann verstärkt Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Förderung von Frauen in Führungspositionen. Außerdem versucht er, mit einer etwas moderateren Rhetorik und einem freundlicheren Auftreten zu punkten.
Ob diese Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten. Viele Beobachter sind skeptisch, ob Merz es wirklich gelingt, das Vertrauen vieler Wählerinnen zu gewinnen. „Er muss noch einiges tun, um glaubwürdig rüberzukommen“, sagt Politologin Friedrichs.
Merz‘ Ehe als privates Aushängeschild
Eine weitere Möglichkeit, Wählerinnen für sich zu gewinnen, könnte für Merz seine Ehe sein. Mit seiner Frau Charlotte ist er seit über 40 Jahren verheiratet – ein Umstand, den er durchaus als Pluspunkt darstellt.
„Meine Frau und ich, wir sind seit 44 Jahren verheiratet. Wir haben drei Kinder großgezogen“, betonte er etwa bei einem Auftritt im Sommer 2022. Damit versucht er, seine konservativen Werte und seine Familienorientierung zu unterstreichen – Eigenschaften, die bei manchen Wählerinnen gut ankommen könnten.
Allerdings ist fraglich, ob diese Strategie wirklich aufgeht. Denn viele Frauen legen heutzutage weniger Wert auf traditionelle Familienbilder als früher. Stattdessen erwarten sie von einem Kanzlerkandidaten eher, dass er ihre speziellen Anliegen ernst nimmt und glaubwürdig vertritt.
Merz muss also noch einiges tun, um das Vertrauen vieler Wählerinnen zu gewinnen. Ob ihm das bis zur Bundestagswahl 2025 gelingt, bleibt abzuwarten.
