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Missbrauchsbeauftragter fürchtet Anstieg von Gewalt gegen Kinder

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hält in der Coronakrise einen Anstieg von innerfamiliärer Gewalt und sexueller Übergriffe gegen Kinder für wahrscheinlich. „Täter und Täterinnen können sexuelle Gewalt leichter und unbemerkter ausüben, wenn die Kinder wie in der jetzigen Situation von ihrem helfenden sozialen Umfeld abgekoppelt sind. Das bereitet mir allergrößte Sorge“, sagte Rörig der „Welt“ (Donnerstagsausgabe).

Durch die restriktiven Maßnahmen seien den Kindern auch temporäre Flucht- und vor allem Hilfemöglichkeiten wie Schule, Sportvereine und andere Freizeiteinrichtungen verwehrt. „Damit fallen auch Orte weg, an denen Missbrauch entdeckt werden könnte.“ Rörig sprach sich dafür aus, gewaltbedrohten Kindern mit einer vom Jugendamt ausgestellten Sonderbescheinigung den Besuch der Notbetreuung in Kitas und Grundschulen zu ermöglichen, wie das bereits in Thüringen praktiziert wird. „Wir sollten die Notbetreuung bundesweit für Mädchen und Jungen öffnen, die in prekären häuslichen Situationen leben“, forderte Rörig. „Wenn die Kinder wenigstens stundenweise fremdbetreut werden, kann man in den Familien Druck vom Kessel nehmen.“ Die Jugendämter müssten in der Krise als systemrelevant eingestuft werden. „Es muss alles dafür getan werden, dass sie ihren wertvollen sozialen Dienst auch in Corona-Zeiten fortsetzen können. Dazu gehört auch, dass die dort Beschäftigten ihre Kinder in die Notbetreuung geben können.“ Valide Erhebungen oder Fallzahlen, wie stark Übergriffe im häuslichen Bereich zunehmen, gebe es derzeit zwar noch nicht, sagte Rörig. Beratungstelefone wie die „Nummer gegen Kummer“ verzeichneten aber bereits vermehrt Anrufe. „Wir gehen ganz klar für familiäre Gewalt von einem erhöhten Unterstützungsbedarf aus.“ Aus Ländern wie China, Italien oder Spanien, wo man bereits längere Erfahrungen mit Ausgangsbeschränkungen hat, werde „durch die Bank“ von einem starken Anstieg der innerfamiliären häuslichen Gewalt berichtet, so Rörig. Das liege auch daran, dass Eltern durch die Krisensituation massiv unter Druck stünden. „Viele haben Angst vor Jobverlust und Geldmangel, sind massiv überfordert. Das kann physische, emotionale und auch sexuelle Gewalt gegen Kinder noch befördern.“ Jetzt sei es wichtig, dass das Umfeld aktiv bleibe und sich bei einem Verdacht an Beratungsstellen, aber auch an das Jugendamt oder die Polizei wendet, sagte Rörig. „Ich appelliere eindringlich: Bitte schauen Sie nicht weg, und bitte hoffen Sie nicht, dass sich schon ein anderer darum kümmert. Das ist nämlich in der Regel nicht der Fall.“

Foto: Kinder, über dts Nachrichtenagentur

 

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