Mondi Neusielder: Traditionsfabrik in der Krise

Mondi Neusielder: Traditionsfabrik in der Krise

Mondi Neusielder: Traditionsfabrik in der KriseWien – Seit dem Jahr 2000 gehört die alte Traditionsfabrik Neusiedler zu 100 Prozent der internationalen Mondi Gruppe und wurde 2008 in Mondi Neusielder umbenannt. Das Unternehmen wurde 1793 gegründet und war schon damals unter dem Namen Neusiedler tätig. Seit Jahren machen sich die Wirtschaftskrise in West- und Zentraleuropa sowie die steigenden Energiekosten in den Geschäftszahlen bemerkbar. Die Firmenleitung gab bekannt, hundert Arbeitnehmer entlassen zu müssen, um das Umsatzminus auszugleichen. Auch sei der Abbau von Arbeitskräften durch den Produktionsrückgang bedingt.

Neudsiedler Vorreiter seit Jahrhunderten

Nach der Gründung wurde mit kaiserlicher Genehmigung sogenanntes „feineres Papier“ in der Fabrik erzeugt. Produziert wurde in Ulmerfeld und bei Wiener Neustadt. Bereits 1872 wurde bei Neusiedler eine eigene Krankenkasse für die Mitarbeiter eingerichtet. Ein weiterer Standort wurde noch im 19. Jahrhundert in Kematen aufgebaut und kurz darauf auch eine Zellstofffabrik errichtet, die bereits 1894 mit einer Dampfmaschine ausgestattet war. In Hausmenning wurde kurz vor der Jahrhundertwende ein eigenes Krankenhaus für die Fabrikarbeiter und ihre Familien errichtet. 1957 wurde in Kematen eine neue Zellstofffabrik gebaut und der Standort durch modernste Papiermaschinen erweitert. Nach der Übernahme durch Mondi International konnte am Standort Kematen ein Weltrekord gefeiert werden. 636,8 Tonnen A4-Papier wurden innerhalb von 24 Stunden auf der Anlage produziert. Heute beschäftigt das Unternehmen in Hausmenning 522 Mitarbeiter und am Standort Kematen 228. Jetzt jedoch wird abgebaut. „Es werden 88 Leute über einen Sozialplan und der Rest über andere Aktivitäten wie etwa Frühpensionierung das Unternehmen verlassen“ hieß es seitens des Unternehmens.

Verluste zu hoch

Einige Jahre hindurch schrieb Mondi Neusiedler Verluste. Der Umsatz im Jahr 2012 betrug 336,31 Millionen Euro. Bereits vor fünf Jahren mussten die Mitarbeiter in Kematen und Hausmenning um ihre Arbeitsplätze bangen. Mondi International überlegte damals über die Schließung der beiden Werke. Geschlossen wurde jedoch letztendlich eine Fabrik in Ungarn und die Mitarbeiter in Österreich durften aufatmen. Das erneute Bangen begann bereits im Mai 2013, als der mögliche Abbau von Arbeitskräften bereits angekündigt wurde. Peter Orisich, Chef von Uncoated Fine Paper, Mondi Europe & International sieht in der Maßnahme einen Schritt in Richtung Gesundschrumpfung: „Unser Ziel ist es, die Profitabilität wieder herzustellen und die Struktur und die Kapazität dieser Papierfabriken zu optimieren.“ Wichtig sei zunächst eine Prüfung der Möglichkeiten, wie die Fabriken überlebens- und wettbewerbsfähig gehalten werden könnten. „Wir werden erst am Ende des Prozesses wissen, wie viele Mitarbeiter betroffen sein werden. Allen Betroffenen wird eine Unterstützung angeboten, um so schnell wie möglich eine passende Lösung für sie zu finden“, ergänzt Orisich.

Foto: © xesko82

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