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Müllvermeidung – Politik und Handel auf der Suche nach Lösungen

Vergangene Woche kam der Handelsverband Deutschland (HDE) am zweiten runden Tisch zur Reduzierung von Verpackungen zusammen. Bei der im Bundesumweltministerium abgehaltenen Veranstaltung wurde deutlich, dass der Einzelhandel zwar zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung von Plastikverpackungen eingeleitet hat , gleichzeitig aber auch noch viel Handlungsspielraum besteht. Unternehmen und Politik sind sich zumindest darüber einig, dass die Zahl der recyclingfähigen Verpackungen deutlich wachsen soll. Das geplante Plastiktüten-Verbot von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hingegen wurde vom HDE scharf kritisiert.

Ressourcenschutz stärken und Verpackungen reduzieren

Bereits Anfang des Jahres trat das neue Verpackungsgesetz in Kraft . Dieses Gesetz soll dem Ziel dienen, Verpackungsabfälle zu vermeiden und das Recycling in Deutschland zu stärken. Die Recyclingquoten wurden zwar auf dem Papier deutlich erhöht, die hiesige Industrie hat aber längst nicht die Kapazitäten um den anfallenden Mengen Herr zu werden. Angesichts der Tatsache, dass China im letzten Jahr den Import von Plastikmüll gestoppt hat, macht ein schnelles Handeln um so dringlicher. Ausschlaggebend für den zweiten runden Tisch des HDE war das Ziel der Bundesregierung, den Ressourcenschutz zu stärken und Verpackungen im Handel zu verringern. Ziel ist es langfristig, die bisherigen Verpackungsmaterialien vollständig durch recyclingfähige Materialien zu ersetzen. Die Ansätze zur Vermeidung überflüssiger Verpackungen, die der Handel bereits eingeleitet hat, wurden von Schulze begrüßt. Verschiedene Handelsunternehmen stellten bei der Veranstaltung ihre Initiativen vor. Dazu zählen beispielsweise Mehrwegnetze, Mehrwegbehälter innerhalb der Logistik-Kette oder auch der komplette Verzicht auf Verpackungen bei Obst und Gemüse. Das Umweltministerium gab nach der Veranstaltung bekannt, dass Unternehmen weitere Schritte zur Reduzierung unnötigen Verpackungsmaterials zugesagt haben.

Positive Beispiele und Ansätze

Es gibt zahlreiche positive Beispiele für effiziente Maßnahmen. HDE Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sagte: „Die Unternehmen haben ihre Anstrengungen, Verpackungen und Kunststoffe zu reduzieren, in diesem Jahr deutlich verstärkt“. Die Branchenriesen Rewe, Edeka und Co . beispielsweise haben insbesondere innerhalb ihrer Eigenmarken viele Verpackungen so optimiert, dass Plastik eingespart werden konnte. So verzichten manche Joghurts auf einen Plastikdeckel oder Gurken auf die Folierung. Zudem nimmt der Anteil an recycelten Materialien in Verpackungen stetig zu, einige Mineralwasserflaschen bestehen heute schon aus 100 Prozent aus recyceltem Material. Mittlerweile ist der Verzicht auf überflüssige Verpackungen und die Verwendung von recycle fähigem Verpackungsmaterial längst zu einem Wettbewerbsvorteil geworden. Hier kann man zwar noch nicht wirklich von „greenwashing“ (dem Versuch von unternehmen sich besonders umweltfreundlich zu präsentieren) sprechen, dennoch nutzen die Unternehmen die Maßnahmen selbstverständlich, um positive Eigenwerbung zu betreiben. Insbesondere die Anzahl der Plastiktüten hat sich trotz ausbleibendem Plastiktüten-Verbot deutlich reduziert. Immer mehr Einzelhändler und Filialen ersetzen ihre Plastiktüten durch Varianten aus recycltem Material, Mehrwegnetzen, Baumwollbeuteln oder auch Papiertüten . Allgemein konnte der Verbrauch von Kunststofftragetaschen seit 2016 um etwa 2 Drittel reduziert werden. Dennoch sprach sich HDE Hauptgeschäftsführer Genth gegen ein geplantes Verbot von Plastiktragetaschen aus. Ihm zufolge sei dieses Verbot weder an den Handel, noch an den Verbraucher das richtige Signal, ohne die Verbraucher hätte die bisherige Reduzierung ohnehin nicht funktioniert. Verbrauchern scheint der Verzicht auf Plastiktüten zumindest nicht schwerzufallen.

Mehr Transparenz für Verbraucher schaffen

Verbraucher sollen zukünftig leichter als bisher erkennen können, wo welche Verpackungen eingespart werden und ob Unternehmen ihre teils selbstgesteckten Ziele in Bezug auf die Vermeidung von Abfall auch tatsächlich einhalten. Somit soll in der Verpackungsmittelindustrie ein ähnlich Umbruch angestoßen werden, wie es bereits im auf dem Gebiet des papierlosen Büros in Angriff genommen wurde. Um eine größtmögliche Transparenz zu schaffen hat das Umweltministerium mehrere Kriterien vorgeschlagen. Zu diesen Kriterien zählen unter anderem Fortschritte bei Mehrwegverpackungen, Frischeboxen und Behältern in der Logistikkette sowie im Regal. Zudem soll die Anzahl recyclingfähiger Verpackungen sowie der Anteil unverpackter Waren deutlich zunehmen. Eine entsprechende Vereinbarung mit dem Handel wird laut Ministerium angestrebt.

Gesamtgesellschaftliches Problem mit hoher Dringlichkeit

Das Verpackungsmüll-Problem hat bereits heute erhebliche Auswirkungen auf verschiedene Bereiche. In Zukunft wird sich das Problem verstärken, sofern nicht weiter konsequent an Lösungen gearbeitet wird, das Problem in den Griff zu bekommen. Bislang konnten europäische Länder, auch Deutschland ihren Müll in andere Länder exportieren und das Problem somit im wahrsten Sinne des Wortes außer Landes schaffen. Alleine Deutschland exportierte jedes Jahr 750.000 Tonnen Plastikmüll nach China, welches im vergangenen Jahr den Import von Plastikmüll gestoppt hatte. Hierzulande sind die Kapazitäten zum recyceln von Plastikmüll nicht ausreichend, um mit dem Aufkommen umzugehen. Auch hier müssen also noch Lösungen gefunden werden, wie die heimische Recycling-Wirtschaft produktiver werden kann. Letzten Endes müssen Verbraucher, Industrie und Handel etwas verändern, um die Entstehung von unnötigem Müll weitestgehend zu vermeiden.

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