Nach H&M-Wutvideo: Jobs im Einzelhandel in Gefahr?

Nach H&M-Wutvideo: Jobs im Einzelhandel in Gefahr?


Viraler Protest gegen H&M-Filialschließung in Nürnberg – Verdi-Expertin warnt vor ähnlichen Fällen und gibt Tipps für Betroffene.

 

Der Fall der geschlossenen H&M-Filiale in Nürnberg, bei dem Mitarbeiter trotz Neueröffnung in unmittelbarer Nähe ihren Job verloren, hat eine breite Debatte über die Sicherheit von Arbeitsplätzen im Einzelhandel ausgelöst. Der virale Protest gegen die Geschäftspolitik des schwedischen Modekonzerns wirft die Frage auf, ob ähnliche Fälle drohen und was betroffene Arbeitnehmer tun können. Jaana Hampel, Expertin von der Gewerkschaft Verdi, gibt im Gespräch Einblicke und Ratschläge.

H&M-Fall als Warnsignal für den Einzelhandel

Der Aufreger um die H&M-Filialschließung in Nürnberg sei ein Warnsignal für den gesamten Einzelhandel, so Jaana Hampel. „Der Fall zeigt deutlich, dass die Beschäftigten im Einzelhandel zunehmend unter Druck geraten“, erklärt die Verdi-Expertin. „Der Konkurrenzdruck durch den Online-Handel, der Strukturwandel in den Innenstädten und der Kostendruck auf die Unternehmen führen dazu, dass immer mehr Filialen geschlossen und Arbeitsplätze abgebaut werden.“

Strukturwandel und Digitalisierung als Herausforderungen

Der Einzelhandel befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Der Online-Handel gewinnt immer mehr Marktanteile, was zu sinkenden Umsätzen im stationären Einzelhandel führt. Hinzu kommt die Digitalisierung, die viele Arbeitsplätze überflüssig macht. „Viele Unternehmen setzen auf Automatisierung und digitale Lösungen, um Kosten zu sparen“, so Hampel. „Das führt dazu, dass immer weniger Mitarbeiter benötigt werden.“

Was können betroffene Arbeitnehmer tun?

Jaana Hampel gibt betroffenen Arbeitnehmern im Einzelhandel folgende Ratschläge:

  • Rechte kennen: Arbeitnehmer sollten ihre Rechte im Falle einer Kündigung kennen. Dazu gehört das Recht auf eine Abfindung, eine Kündigungsfrist und ein Arbeitszeugnis.
  • Gewerkschaft kontaktieren: Die Gewerkschaft Verdi bietet ihren Mitgliedern kostenlose Rechtsberatung und Unterstützung im Falle einer Kündigung an.
  • Qualifizierung nutzen: Arbeitnehmer sollten sich weiterbilden und qualifizieren, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Die Agentur für Arbeit bietet zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten an.
  • Solidarität zeigen: Arbeitnehmer sollten sich gegenseitig unterstützen undSolidarität zeigen. Gemeinsam können sie ihre Interessen besser vertreten.

Verdi fordert fairen Strukturwandel

Die Gewerkschaft Verdi fordert einen fairen Strukturwandel im Einzelhandel, der die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt. Dazu gehören:

  • Sozialverträgliche Lösungen: Unternehmen sollten bei Filialschließungen sozialverträgliche Lösungen finden, die den Mitarbeitern eine Perspektive bieten.
  • Qualifizierungsprogramme: Die Politik sollte Qualifizierungsprogramme für Arbeitnehmer im Einzelhandel fördern, um sie für neue Arbeitsplätze fit zu machen.
  • Stärkung des stationären Einzelhandels: Die Politik sollte Maßnahmen ergreifen, um den stationären Einzelhandel zu stärken und die Innenstädte lebendig zu halten. Der Fall H&M in Nürnberg zeigt, dass es dringend Handlungsbedarf gibt, um die Arbeitsplätze im Einzelhandel zu sichern und einen fairen Strukturwandel zu gestalten.

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