Eine vermeintliche Giftschlange sorgte Anfang Mai in Schleswig-Holstein für Aufregung. Eine Kobra in Schleswig-Holstein zu finden sei praktisch unmöglich. Stattdessen sind in der Natur drei andere Schlangenarten anzutreffen.
Die Reptilienwelt Schleswig-Holsteins ist relativ überschaubar: drei Arten davon sind im Bundesland heimisch und verdienen eine genauere Betrachtung.
Ringelnatter (Natrix natrix)
Die Ringelnatter ist die bekannteste und am weitesten verbreitete Schlangenart in Schleswig-Holstein. Sie ist in den meisten Regionen des Bundeslandes anzutreffen, bevorzugt jedoch feuchte Lebensräume wie Feuchtwiesen, Uferböschungen und Heckenlandschaften. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom südlichen Schleswig-Holstein bis hinauf in die Holsteinische Schweiz.
Die Ringelnatter erreicht eine Gesamtlänge von etwa 60 bis 90 Zentimetern und ist durch ihre charakteristische Zeichnung leicht zu erkennen. Der Körper ist in der Regel grau-braun oder olivgrün gefärbt, mit dunklen Flecken oder Querbinden. Das markanteste Merkmal ist der gelbe oder weiße Halsfleck, der der Schlange ihren Namen gab. Ringelnattern ernähren sich vorwiegend von Amphibien wie Fröschen und Molchen, aber auch von Fischen und kleinen Nagetieren.
Im Frühjahr erwachen die Tiere aus ihrer Winterstarre und beginnen mit der Paarung. Die Weibchen legen anschließend 10 bis 25 Eier in geschützte, feuchte Verstecke wie Komposthaufen oder morsche Baumstämme. Nach etwa zwei Monaten schlüpfen die Jungschlangen, die zunächst eine graue Färbung aufweisen und erst im Laufe ihres ersten Lebensjahres die charakteristische Zeichnung der Adulttiere entwickeln.
Schlingnatter (Coronella austriaca)
Eine weitere in Schleswig-Holstein vorkommende Schlangenart ist die Schlingnatter. Sie ist deutlich seltener als die Ringelnatter und besiedelt vor allem die Geestlandschaften im Südwesten des Bundeslandes. Bevorzugte Habitate sind sonnige, trockene Heiden, Kalkmagerrasen und lückige Gebüsche.
Die Schlingnatter erreicht eine Länge von 40 bis 60 Zentimetern und ist von robuster, gedrungener Statur. Ihr Körper ist in der Regel braun oder grau gefärbt, mit einer undeutlichen Zeichnung aus dunklen Flecken oder Querbinden. Im Gegensatz zur Ringelnatter besitzt sie keinen auffallenden Halsfleck. Stattdessen ist der Kopf relativ klein und kaum vom Körper abgesetzt.
Schlingnattern ernähren sich vor allem von Blindschleichen und anderen kleinen Echsen. Sie legen ihre Eier ebenfalls in geschützten Verstecken ab, wo die Jungen nach etwa zwei Monaten schlüpfen. Im Vergleich zur Ringelnatter sind Schlingnattern etwas scheuer und ziehen sich bei Gefahr schnell in Deckung zurück.
Kreuzotter (Vipera berus)
Die Kreuzotter ist die einzige giftige Schlangenart, die in Schleswig-Holstein vorkommt. Sie ist im nördlichen Teil des Bundeslandes, vor allem in der Holsteinischen Schweiz, zu finden. Ihr Lebensraum umfasst vor allem trockene, sonnige Heideflächen, lichte Wälder und Moorflächen.
Die Kreuzotter ist mit einer Länge von 40 bis 70 Zentimetern etwas kleiner als die beiden zuvor beschriebenen Arten. Ihr Körper ist grau, braun oder rötlich gefärbt, mit einem dunklen Zickzack-Muster entlang des Rückens. Der Kopf ist dreieckig und deutlich vom Hals abgesetzt. Als giftige Schlange verfügt die Kreuzotter über ein Paar beweglicher Giftzähne im Oberkiefer.
Im Frühjahr erwachen die Kreuzottern aus der Winterstarre und paaren sich. Die Weibchen gebären dann im Sommer lebendige Junge, die bereits mit Giftzähnen ausgestattet sind. Die Jungtiere haben zunächst eine auffallend helle, fast weiße Färbung, die sie im Laufe ihres ersten Lebensjahres verlieren.
Obwohl Kreuzottern potenziell gefährlich sind, greifen sie Menschen in der Regel nur dann an, wenn sie sich bedroht fühlen. Bei einem Biss sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, da die Verletzung zwar selten tödlich, aber schmerzhaft und mit Schwellungen verbunden sein kann.
Schutz und Bedrohung
Alle drei Schlangenarten in Schleswig-Holstein stehen unter Naturschutz und dürfen nicht gefangen oder getötet werden. Dennoch sind die Bestände vor allem von Ringelnatter und Schlingnatter teilweise rückläufig. Ursachen hierfür sind der Verlust von Lebensraum durch Landschaftsveränderungen, aber auch die gezielte Verfolgung aus Unwissenheit oder Angst.
Um die faszinierende Schlangenfauna Schleswig-Holsteins zu erhalten, ist es wichtig, die Tiere und ihre Bedürfnisse besser kennenzulernen und zu schützen. Informations- und Aufklärungskampagnen können dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und das Verständnis für diese einzigartigen Reptilien zu fördern. Nur so können wir sicherstellen, dass die Schlangen auch in Zukunft einen festen Platz in der Natur des nördlichsten Bundeslandes haben.
