Wien – Hinter Tschechien hält Österreich mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 107,7 Litern den weltweit zweiten Platz als Biertrinkerland. Die österreichische Tradition des Biertrinkens hat sich nicht verändert, wohl aber der Geschmack. Märzen-, Lager- und Vollbiere, die immerhin in früheren Zeiten 80 Prozent des Biergenusses ausmachten, mussten Spezialbieren weichen.
An der Gewohnheit der Österreicher, nach dem kühlen Blonden zu greifen, dürfte sich auch in Zukunft nichts ändern, wie die niederösterreichische Privatbrauerei Egger zeigt. Im Juli 2013 wurde bei Egger eine Rekordzahl an dem kühlen Nass produziert. Mit 115.000 Hektoliter wurde in diesem Monat so viel Bier gebraut und abgefüllt wie niemals zu vor. Um die Produktion zu erreichen, kamen stündlich 80.000 Biere zur Abfüllung, rund um die Uhr, auch samstags und sonntags, davon 50.000 in Dosen und 30.000 in Flaschen. Im Vergleichsmonat 2012 verließ um rund 35 Prozent weniger Bier die Brauerei in Unterradlberg. Bei Egger Bier handelt es sich um die zweitgrößte Privatbrauerei nach Stieglbier in Österreich. Laut Egger-Chef Bernhard Prosser sind damit die Kapazitäten erschöpft.
Stark im Export
40 Prozent der Egger Biere werden exportiert, das entspricht einer Verdoppelung des Exports gegenüber dem Vorjahr. Bis zu 40 Lkw-Züge verlassen täglich die Brauerei, um die Flaschen, Dosen und Fässer im In- und Ausland auszuliefern. Als wichtigstes Exportland zeigt sich Italien. Die Marke Egger ist die Hausmarke, daneben werden für verschiedene, auch internationale Handelsketten Eigenmarken gebraut, wie das Pittinger für die Spar-Gruppe. Prosser steht jedoch den Handelsmarken vorsichtig gegenüber: „Die Gefahr beim Handelsmarkengeschäft ist: Man gewinnt viel, du kannst aber auch schnell viel verlieren.“
Er würde lieber auf die Eigenmarke setzen, doch das große Geschäft kommt vor allem durch die Eigenmarken, speziell am ausländischen Markt. Für ihn sind die Produktions- und Exportzahlen von Juli ein sehr großer Erfolg, doch der Chef der Egger-Brauerei hat noch höhere Ziele. Er wünscht sich nach Abschluss des Geschäftsjahres auf eine Gesamtproduktion von über 900.000 Hektoliter zurückschauen zu können, davon ein Drittel Egger Bier. Im Geschäftsjahr 2012 schlug die sich die Gesamtproduktion mit 720.000 Hektoliter zu Buche. Ein „Mehr“ von 180.000 Hektoliter soll es werden, wenn es nach Bernhard Prosser geht. Der Rekordmonat Juli hat gezeigt, dass die Menge ein durchaus erreichbares Ziel darstellt. Die Egger Brauerei wurde 1863 gegründet und wird in der fünften Generation als Privatbrauerei geführt. Aus einer kleinen Familienbrauerei auf dem landwirtschaftlichen Anwesen entwickelte sich eine international anerkannte Brauerei, die beim österreichischen Bierexport mit einem großen Anteil vertreten ist.
Foto: © StefanG81

