Start > Handel – aktuelle Nachrichten zu Export, Import und Logistik > Produktpiraterie – ein blühendes „Geschäft“
Produktpiraterie 660x330 - Produktpiraterie - ein blühendes "Geschäft"

Produktpiraterie – ein blühendes „Geschäft“

Für skrupellose Fälscher ist es ein lukratives Milliardengeschäft: Die Produkt- und Markenpiraterie dehnt sich immer weiter aus. Die EU-Zollbehörden haben allein 2015 rund 41 Millionen rechtsverletztende Produkte im Wert von mehr als 640 Mio. Euro an den europäischen Außengrenzen beschlagnahmt. Daher wird immer wieder empfohlen, dass sich Unternehmen sowohl juristisch, als auch organisatorisch und technisch gegen den Diebstahl ihres Know-hows und der Produktpiraterie schützen sollen.

Plagiate kosten Geld und das Image

Plagiate kosten nicht nur das Image und Geld, sondern aufgrund der Produkthaftung von fehlerhaften „Kopien“ kann die Existenz eines Unternehmens gefährdet werden. Vom VDMA wird geschätzt, dass allein die deutsche Industrie jährlich zwischen 30 und 60 Milliarden Euro durch Produktpiraterie verliert. Der Verlust von Know-how bedrohte 2013 den deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Der Experte für Produkt- und Know-how-Schutz beim VDMA, Steffen Zimmermann erklärt, dass alle Branchen der Industrie betroffen sind. Eine frühere Studie der VDMA zur Produktpiraterie zeigt auf, dass mehr als 66 % der 405 befragten Unternehmen bereits mit Produktpiraterie in Kontakt gekommen sind. Aber besonders die kleinen und mittelständischen Unternehmen scheinen die Lage nicht ernst genug zu nehmen. Von vielen wird die Produktpiraterie totgeschwiegen, wie von Daniel Dünnebacke, dem Branchenmanager Technische Industrien GS1 Germany erklärt wird. Der Informatiker ist der Meinung, dass von den Unternehmen das Thema komplett verneint wird, das sie die Fälscher nicht auf ihre Schutzmaßnahmen aufmerksam machen möchten und zudem den Imageverlust fürchten. Es gibt einen immer größer werdenden Kreis von Anbietern für Sicherheitslösungen. So können die Unternehmen ihre Daten und Produkte durch eine Produktkennzeichnung, Rückverfolgbarkeitssysteme und präventive Sicherheitssysteme schützen.

Etiketten für die Sicherheit

Der Markt für Sicherheitsanwendungen wächst stetig und das trifft auch auf den Bereich der Sicherheitsetiketten zu. Hierbei fällt der größte Anteil auf die Produktpiraterie und den Warendiebstahl. Damit die Unternehmen sich gegen die immer größer werdende Bedrohung schützen können, ist es notwendig, dass sich die Wirtschaft immer wieder neue Schutzmechanismen einfallen lässt. Mittlerweile beginnt das bereits bei der Kennzeichnung der Produkte. Bei den Sicherheitsetiketten handelt es sich dabei um eine verhältnismäßig einfache Alternative, die jedoch sehr effektiv ist, um ein Produkt vor Diebstahl oder einer Kopie zu schützen. So kommt heute Thermotransferfolie für den Druck von Sicherheitsetiketten zum Einsatz. Dazu zählen bspw. die Sicherheitsetiketten in silber, zum Manipulationsschutz. Sie hinterlassen beim Entfernen ein sichtbares Schachbrettmuster, während das Etikett selbst unbrauchbar wird. Diese eignen sich für Garantiesiegel, Verschlusssiegel, Typenschilder oder Prüfplaketten. Das Siegeletikett hingegen zerreißt beim Versuch es abzulösen und eignet sich nicht nur zum Manipulationsschutz, sondern auch zur Versiegelung von Produkten und Verpackungen.

Die Verbraucher wissen, was sie tun

Über 24.000 Liter nachgeahmter Tequila, über 22.000 Lego-Nachbildungen und 400 gefälschte Smartphones, das sind nur drei Beispiele für Produktfälschungen, die vom deutschen Zoll im letzten Quartal 2015 sichergestellt wurden. Der Zoll teilte der Presse mit, dass die Marken- und Produktpiraterie ein Hemmschuh für den fairen Wettbewerb sei sowie für neue Arbeitsplätze. Das gelte ganz besonders für Deutschland, wo hochwertige Produkte hergestellt werden. In einer Studie wurden 1.000 Verbraucher befragt und von diesen haben 32 % ein Plagiat gekauft – wobei die Mehrheit sich darüber bewusst war. Sie haben die Käufe vor allem auf den sogenannten fliegenden Märkten getätigt, während 35 % der Fälschungen über den Einzelhandel bezogen wurden. Beim Kauf von Plagiaten spielt das Internet nur eine untergeordnete Rolle: Nur 11 % der Käufer hat innerhalb von 24 Monaten ganz bewusst ein Plagiat erworben und das online. In der Regel sind sich die Verbraucher über die negativen Auswirkungen der Produkt- und Markenpiraterie aufgeklärt, ganz unabhängig davon, ob sie selbst bereits einmal ein Plagiat gekauft haben oder nicht. Von 86 % der Befragten wird eingeschätzt, dass sich die Fälschungen als mittelgroße bis große Gefährdung der Arbeitsplätze darstellen und auch mit Umsatzeinbußen einhergehen. Dagegen schrecken die Auswirkungen auf die eigene Sicherheit und Gesundheit die Verbraucher nicht vom Kauf der Plagiate ab. Entsprechend gilt die Aufklärung der Verbraucher über die Unfall- und Gesundheitsrisiken als ein wirksames Mittel, um die Verbraucher von dem Kauf der Plagiate abzuhalten.

Die Schutzmaßnahmen

Den Unternehmen steht eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, um gegen die Fälscher vorzugehen. Dazu zählt bspw. die Eintragung der Schutzrechte, interne Maßnahmen wie IP-Richtlinien oder die Rechtsdurchsetzung bei Verstößen. Doch von vielen Unternehmen werden noch immer zu wenig finanzielle Mittel aufgewendet, um das eigene geistige Eigentum zu schützen. Um sich wirksam zu schützen, sollten die Unternehmen auf ein Zusammenspiel von Maßnahmen setzen, zusammen mit der Zusammenarbeit mit externen Interessengruppen. Erst dann wenn in den Unternehmen und der Gesellschaft ein stärkeres Bewusstsein für die zunehmenden Risiken und Schäden der Produkt- und Markenpiraterie geschaffen ist, ist es möglich, einen effektiven IP-Schutz zu schaffen. Denn solange wie ein Absatzmarkt vorhanden ist, Plagiate günstiger als die Originale hergestellt und angeboten werden können, werden Produkte gefälscht. Als Hauptproduktionsstandorte für Plagiate gelten vor allem China (72 %), Südostasien (29 %) und Osteuropa (36 %). Da in diesen Regionen sehr wenige strikte arbeits- und umweltrechtliche Aufgaben gelten und die behördliche Verfolgung der Fälscher sehr unzureichend ist, können die Plagiate unter anderen Bedingungen produziert werden, als in den USA oder Westeuropa.

Hier nachlesen ...

Beyond Meat sucht nach Produktionsstandort in Europa

Das US-Unternehmen Beyond Meat drängt nach Europa. "Wir suchen nach einem Standort für eine eigene …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.