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Präsident der Hochschulrektoren: Keine "Akademikerschwemme"

Studentin in einer Universität, über dts Nachrichtenagentur Wenige Wochen vor dem Start des Ausbildungsjahres mischt sich der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, in die Debatte um eine angebliche Überakademisierung Deutschlands ein. "Ich halte gar nichts davon, Ausbildung und Studium gegeneinander auszuspielen, wie es gerade von vielen Leuten gemacht wird", sagte Hippler im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). "Ich glaube, dass jeder seinen Weg mit Bedacht wählt. Wie und mit welcher Ausrichtung ein Abiturient am Ende lernt, was Elektrotechnik ist - ob mit Bachelor-Studium, einer Ausbildung oder beidem - muss ihm überlassen bleiben. Hauptsache, das System ist transparent und in alle Richtungen durchlässig." Besonders stören den HRK-Chef einige Begriffe, wie sie zuletzt die Runde machten: "Akademikerschwemme - so ein Quatsch. Studierende sind doch kein Treibgut. Das klingt, als würden wir massenhaft arbeitslose Akademiker produzieren, die nicht wissen, was sie tun sollen. Dem ist nicht so." Zwar sei es wahr, dass man sich von der OECD jahrelang habe "aufschwatzen lassen, dass wir mehr Akademiker brauchen" - und dabei das System der Dualen Ausbildung vernachlässigte. "Aber jetzt Grenzen zu ziehen, davor warne ich", so Hippler. "Das ist Planwirtschaft, man muss immer auch an das Individuum denken. Generell soll jeder junge Mensch das Recht haben, seinen Fähigkeiten entsprechend die bestmögliche Qualifizierung zu erhalten." Seit einigen Jahren gibt es einen Ansturm auf die Hochschulen, aktuell studieren in Deutschland mehr als 2,7 Millionen Menschen. Zugleich klagen Unternehmen immer lauter darüber, dass sie viele Lehrstellen in Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung nicht besetzen können. Der Chef des Industrie- und Handelskammertags, Eric Schweitzer, sagte jüngst: "Wir leiden an einer Überakademisierung. Es studieren zu viele, die besser eine Ausbildung machen sollten (...). Die Zahl der Studienplätze kann nicht grenzenlos steigen. Ich bin sogar dafür, sie wieder zu verknappen." Hippler, dessen zweite Amtszeit an der Spitze des Dachverbands von fast 300 Hochschulen am 1. September beginnt, stellt hingegen klar: "Die Hochschulen brauchen eine nachhaltige Finanzierung. Wir sind nicht bereit, die Qualität des Studiums aufs Spiel zu setzen." Auch inhaltlich dürfe es bei der wachsenden Zielgruppe keine Abstriche geben. "Wenn heute 50 Prozent der Schulabgänger oder mehr Abitur haben, heißt das nicht, dass genauso viele auch ein Studium schaffen. Jeder soll sich ausprobieren dürfen, mit einer gut gestalteten Studieneingangsphase können wir helfen. Aber wir müssen auch ein frühes Signal geben, wenn es nicht reicht." Manche der Studierenden, so Hippler, suchten vielleicht an den Hochschulen eine Berufsausbildung, aber "finden sie nicht. Hochschulen bilden nicht direkt für ein klar umrissenes Berufsfeld aus, außer im Fall von Lehrern, Juristen und Ärzten. Das Training on the Job können die Hochschulen der Wirtschaft nicht abnehmen." Foto: Studentin in einer Universität, über dts Nachrichtenagentur

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