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Rechenzentren – CO2-neutral wirtschaften ab 2030

Die Europäische Wirtschaft soll klimaneutral werden. Und das möglichst schnell. Für 2050 hat die Europäische Kommission ihre vollständige CO2-Neutralität angepeilt. Alle Branchen befinden sich dementsprechend derzeit im Umbau – werden grün. Auch die boomende Rechenzentrumsbranche. Sie steht aufgrund ihrer Abhängigkeit von günstigem Strom besonders unter Druck. Bei der Entwicklung neuer Lösungen zur Steigerung ihrer Energieeffizienz konnte sie bereits erhebliche Erfolge verbuchen. Kopfschmerzen bereitet den meisten Rechenzentrumsbetreibern aber nach wie vor die Erfüllung der Vorgabe einer ausschließlichen Nutzung erneuerbarer Energiequellen.

Ab 2050 soll die europäische Wirtschaft vollständig klimaneutral operieren. Zumindest, wenn es nach den Plänen der Europäischen Kommission geht. Ende 2019 hat sie hierzu den European Green Deal ins Leben gerufen. In diesem Frühjahr wurde nun auch die Rechenzentrumsbranche in diesem Zusammenhang explizit zu erhöhten Anstrengungen aufgefordert. Im Februar veröffentlichte die Kommission das Strategiepapier Shaping Europe´s Digital Future. Darin ruft sie die Betreiber europäischer Rechenzentren auf, bereits 2030 CO2-Neutralität zu erreichen. Tatsächlich stellt die Umstellung der Rechenzentren auf einen grünen Betrieb einen wesentlichen Schritt auf dem Weg zur Erreichung der Klimaneutralität der europäischen Wirtschaft dar. Der Strombedarf der Zentren ist beachtlich. Bereits 2019 verbrauchten sie, laut einem Report der Internationalen Energie-Agentur, ein Prozent des weltweit erzeugten Stroms. Für 2030 geht die Agentur von einer Steigerung dieses Werts auf 15 Prozent aus. Ohne grüne Rechenzentren wird das CO2-Ziel der europäischen Kommission deshalb kaum zu verwirklichen sein.

Rechenzentrumsbranche ergreift Eigeninitiative

Dies hat auch die Branche erkannt und Anfang 2021 deshalb den Climate Neutral Data Centre Operator Pact ins Leben gerufen. Er zielt darauf ab, alle europäischen Rechenzentren bis 2030 klimaneutral zu machen. Erreicht werden soll dies über Verbesserungen bei Energieeffizienz, Kühlleistung, Bauleistungen und Recyclingraten, Nutzbarmachung der Wärmeabgabe, sowie den ausschließlichen Einsatz erneuerbarer Energiequellen.

Energieeffizienz im Fokus

An zahlreichen hiermit in Zusammenhang stehenden Lösungsansätzen wird derzeit intensiv gearbeitet. Einige sind bereits über ihre Prototypphase hinaus im täglichen Einsatz. Nicht ohne Grund gelten europäische Rechenzentren mittlerweile als die energieeffizientesten der Welt. Doch sind viele dieser Ansätze auch zu aufwendig, zu teuer. Und: sie lösen das Problem einer vielerorts mangelnden oder sogar gänzlich fehlenden Versorgung durch regenerative Energiequellen nicht. Zwar wird auch mit einer Energieversorgung durch Wasserstoff experimentiert. 2023 soll hier ein erster Prototyp in Betrieb genommen werden. Wann diese Technologie jedoch der gesamten Branche zur Verfügung stehen wird, steht derzeit noch in den Sternen.

Das Problem: eine ‚grüne‘ Energieversorgung

Fest steht nur: Strom soll künftig ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen bezogen werden. In Europa gelingt dies derzeit jedoch nur den wenigsten Betreibern. Die meisten beziehen lediglich Ökostrom – Strom mit Zertifikaten, mit denen Investitionen in erneuerbare Energien gefördert werden. Der Strom selbst entstammt dabei meist den nächstgelegenen Kraftwerken. Eine Umstellung auf echten ‚grünen‘ Strom ist für die Betreiber nur unter erheblichen Anstrengungen möglich. Ihre Anlagen stehen bereits und erneuerbare Energiequellen befinden sich nicht immer in ihrer Nähe. Ein Betreiber, der hier eine intelligente Lösung gefunden hat, ist das Frankfurter Unternehmen Northern Data. Es hat sich für die Entwicklung mobiler Hightech-Rechenzentren entschieden, die es genau dort platzieren kann, wo große regenerative Energiequellen bereits erschlossen sind – in diesem Fall, an Standorten in Nordeuropa und Nordamerika inkl. Kanada. Ein zusätzlicher Vorteil dieses mobilen Ansatzes: Der Strom kann in den abgelegenen Regionen in der Regel kostengünstig bezogen werden. Und: Von den niedrigen mittleren Jahrestemperaturen in den ausgewählten Regionen profitiert die passive Kühlung der mobilen Zentren, was die Stromkosten weiter senkt. Derzeit dürfte es sich hier deshalb um einen der branchenweit klimafreundlichsten und kostengünstigsten Ansätze handeln.

Will die europäische Rechenzentrumsbranche das von der Europäischen Kommission gesetzte CO2-Ziel für 2030 noch erreichen, wird sie sich nach ähnlichen Standorten umsehen müssen. Ob sie dort dann auf stationäre oder, wie Northern Data, auf mobile Anlagen zurückgreifen wird, bleibt abzuwarten.

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