Scheiden tut weh – auch finanziell

„Bis das der Tod uns scheidet“ – eine Ehe soll ewig halten, aber die Realität sieht bekanntlicher anders aus. Nur die wenigsten Paare halten es „lebenslang“ aus und viele nur wenige Jahre, dann gehen sie getrennte Wege.

Eine Scheidung bringt viele und vor allem finanzielle Fragen mit sich

2014 ließen sich rund 170.000 Paare scheiden, 2015 war die Zahl leicht rückläufig auf circa 164.000. Laut dem Statistischem Bundesamt (Desatis) ging bei den Deutschen 2015 eine vorherige Trennungszeit der Ehepaare von einem Jahr (82.9 %) voraus oder von drei Jahren (15,8 %). 51 % der Scheidungsanträge wurden von den Ehefrauen gestellt und 41 % von den Männern. Die übrigen Anträge wurden im Einvernehmen bzw. gemeinsam gestellt.

Es setzen sich auch die Trends zur längeren durchschnittlichen Ehedauer durch sowie zum höheren Durchschnittsalter der Geschiedenen. So betrug die durchschnittliche Dauer der geschiedenen Ehen 14 Jahre und acht Monate. Die geschiedenen Ehen 2015 bestanden im Durchschnitt für eine Ehezeit von 15 Jahren. Für die 1990 geschiedenen betrug die Ehedauer noch dreieinhalb Jahre weniger (11,5 Jahre). Dafür ist der Altersdurchschnitt der Geschiedenen – auch als Folge der späteren Eheschließung – um fast acht Jahre gestiegen. (Männer auf rund 46 Jahre und Frauen auf rund 43 Jahre).

Die Scheidungsrate sinkt – aber das bedeutet nicht stabilere Ehen

Bereits vor 25 Jahren hat der Soziologe Professor Hans Bertram die Prognose abgegeben, dass die Scheidungsrate sinken wird. Der Professor leitete bis zu seiner Entpflichtung im April 2014 den Lehrstuhl für Mikrosoziologie an der Humboldt-Universität in Berlin. Für den Soziologen lassen sich die sinkenden Scheidungsraten einfach erklären: Es wird weniger geheiratet und damit bestehen auch weniger Ehen, die geschieden werden. Des Weiteren würden die Ehen insgesamt altern und eine länger bestehende Ehe würde seltener geschieden, muss die Scheidungshäufigkeit rein statistisch sinken. Das bedeutet, dass aus den sinkenden Scheidungsraten nicht abgeleitet werden kann, dass die Familien und Ehen immer stabiler werden.

Kommt es zu einer Scheidung, dann gibt es besonders bei den langjährigen Ehen einen großen Regelbedarf. Vor allem wenn die Eheschließung ohne vorherige Vereinbarung, d. h. ohne einen Ehevertrag geschlossen wurde, sind Streitigkeiten vorprogrammiert. Dabei geht es dann um den Zugewinnausgleich, Unterhalt, gemeinsame Immobilien, elterliche Sorge, Versorgungsausgleich und vieles mehr. Damit eine vernünftige Lösung oder überhaupt eine Lösung gefunden werden kann, müssen oftmals die Gerichte bemüht werden. Ist es erst einmal dazu gekommen, dann kann daraus ein langandauerndes Verfahren entstehen, das nicht nur teuer ist, sondern für beide Parteien auch sehr nervenaufreibend ist.

Ehen Scheiden tut weh - auch finanziell

Eine Scheidung schmerzt – nicht nur emotional, sondern auch finanziell.

Ist die Ehe gescheitert, dann entwickelt sich das gemeinsame Eigenheim schnell zur Kostenfalle. In Deutschland wird jede dritte Ehe geschieden und selbst wenn Scheidungen vollkommen alltäglich sind, so treffen die finanziellen Folgen einer Trennung viele Paare unvorbereitet. Im schlimmsten Fall drohen den einstigen Weggefährten sogar Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit.

Insbesondere besteht ein finanzielles Risiko, wenn darüber gestritten wird, was mit der gemeinsamen Immobilie geschehen soll. In einem solchen Fall sind verschiedene Regelungen möglich, doch in der Praxis kann es nur dann glimpflich ausgehen, wenn beide Seiten sich über die weitere Verwendung des Eigenheims einig sind.

Bei einer gemeinsam bewohnten Immobilie handelt es sich in der Regel um den wertvollsten Vermögensgegenstand einer Familie. Die Verfügung über einen wesentlichen Vermögensgegenstand ist laut dem BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) nur mit der Zustimmung des Ehepartners möglich – selbst dann, wenn nur ein Partner als Eigentümer im Grundbuch eingetragen ist. Erschwert wird die Einigung dabei regelmäßig, dass die Immobilie, die gehegt und gepflegt wurde, bei den Partnern auch emotional stark verankert ist und für die Kinder – sofern welche vorhanden sind – erhalten bleiben soll. Letztendlich entscheiden die Gerichte, wenn es keine einvernehmliche Einigung gibt, wobei die Richter sogar die Versteigerung der Immobilie veranlassen können.

Nur dann, wenn das Paar in weiser Voraussicht eine Aufteilung von Gütern und Vermögen in einem Ehevertrag vereinbart hat, herrschen klare Verhältnisse. Allerdings ist in Deutschland die Gütertrennung noch immer eine große Ausnahme. In Deutschland leben die meisten Ehepaare noch immer in der juristischen Form der Zugewinngemeinschaft.

Die Zugewinngemeinschaft – klingt einfach, ist es aber nicht

Paare die im Rahmen der Zugewinngemeinschaft, Güter und Vermögen ansammeln und/oder Kredite aufnahmen bzw. Schulden machen, dann wird alles zu gleichen Teilen aufgeteilt. Kommt es zu einer Scheidung, dann sorgen Richter und Anwälte dafür, dass beiden über den sogenannten Zugewinnausgleich so gestellt werden, dass keiner der beiden einen finanziellen Nachteil aus den Ehejahren erleidet.

Das klingt sehr einfach – doch das ist es keinesfalls. Denn für den Zugewinnausgleich müssen nicht nur die Vermögensverhältnisse und die materielle Ausstattung zum Zeitpunkt der Heirat erfasst werden, sondern auch der entstandene Vermögenszuwachs während der Ehejahre. Dabei handelt es sich um die sogenannten Zugewinne.

Das bedeutet, es muss präzise ermittelt werden, welches Vermögen und welche Güter während der Ehejahre angehäuft haben und auch, welche Schulden in dieser Zeit entstanden sind. Dafür ist oftmals ein Sachverständiger notwendig, der die finanzielle Situation bewertet – besonders wenn Immobilien, Kunstgegenstände oder Beteiligungen und Wertpapiere im Vermögen vorhanden sind.

Das Eigenheim macht die Scheidungspaare arm

Der Zankapfel bei den Trennungen ist das ehemalige Familiennest, denn hier sind die emotionalen Bindungen und finanziellen Lasten und Leistungen ungleich zwischen den Ehepartnern verteilt. Der naheliegende Schritt bei einer Trennung ist der Verkauf der Immobilie – vorausgesetzt beide sind sich einig über den Hausverkauf. Sollte sich ein Partner dagegen aussprechen, ist der Verkauf nicht möglich. Doch sollte nur ein Ehegatte im Grundbuch stehen, dann kann dieser auch ohne Zustimmung den Hausverkauf durchführen. Dieses Vorgehen ist für den „Überrumpelten“ zumindest nicht mit einem finanziellen Nachteil versehen, denn hier greift der Zugewinnausgleich und es muss eine entsprechende Ausgleichszahlung erfolgen.

Zwar stellt der Hausverkauf innerhalb einer Scheidung einen Befreiungsschlag dar, doch stellt in der Regel ein Verlustgeschäft dar. Denn das was einst für den Neubau bezahlt wurde, wird mit der gebrauchten Immobilie kaum erzielt. Wird die Immobilie dann auch noch unter Zeitdruck verkauft, dann ist zumeist der anvisierte Preis nicht realisierbar – und das schon gar nicht, wenn der Käufer merkt, dass es sich um einen Scheidungsfall handelt. Dieses wird dann ausgenutzt, um den Preis so weit wie möglich zu drücken. Ist der Verkauf erfolgt, dann wird der Erlös und die Schulden, die auf der Immobilie lasten, auf beide Ehepartner zu gleichen Teilen aufgeteilt. Dabei spielt es keine Rolle, ob beide oder nur einer im Grundbuch eingetragen ist. Nur allzu gern wird auch die Spekulationssteuer vergessen.

Bei einer Ehe oder Gütertrennung werden mit dem Zugewinnausgleich die Kosten für Verkauf, Ertrag und Schuldenlast fair auf beide Parteien aufgeteilt. Sollte dann etwas unterm Strich übrig bleiben, profitieren beide. Sollten Schulden verbleiben, dann müssen sich beide die Last teilen.

Grafik: © Statista

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