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Schwarzarbeit in Österreich – ist sie nur schädlich?

EinfamilienhausWien – Pfusch, so wird in Österreich die Schwarzarbeit bezeichnet. Offiziell ist der Begriff definiert als Arbeit unter Vermeidung von Steuern, das heißt, dem Staat entgeht Geld. Aus diesem Grund muss Schwarzarbeit kontrolliert werden. Für den Linzer Ökonomen Friedrich Schneider schade Schwarzarbeit nicht nur dem Staat, sondern sie nütze ihm auch. Kaufkraft und Wirtschaft würden angekurbelt. Ein Eigenheim könnten sich ohne Schwarzarbeiter viele „Häuslbauer“ nicht leisten. 2013 erreicht der Pfusch in Österreich einen Anteil von 8 Prozent am Bruttoinlandsproduktes, Angesiedelt zwischen Straf- und Kavaliersdelikt, ist Schwarzarbeit in jedem Fall strafbar. Schneider schätzt die Zahl der Pfuscher auf rund eine Million Österreicher. Zwei Drittel arbeiten wegen eines Zubrotes schwarz, ein Drittel wäre ohne Pfusch arbeitslos. In Summe wurden 2013 rund 24 Milliarden schwarz erwirtschaftet. Auch wenn die Tageszeitung Standard in Anbetracht dieser Zahlen behauptet, Pfusch gehöre zu Österreich wie Lipizzaner und Mozartkugeln, sind andere Länder in Europa noch stärker mit der Schwarzarbeit verbunden zu sein.

Kontrollen strenger als je zuvor

Am Bau, in der Gastronomie und in der Unterhaltungsbranche wird am meisten gepfuscht. Die Kontrollen von staatlicher Seite werden immer strenger. So wurden 2013 etwa in Vorarlberg 451 Betriebe und über 900 Arbeitnehmer kontrolliert, dabei wurde die Finanzpolizei bei 235 Personen fündig. Doch oft wird mit der Kontrolle auch über das Ziel geschossen. Etwa zitterten 2013 Österreichs Winzer bei der Weinlese. Lese hat Tradition, Lese stellt ein Erlebnis dar. Freunde, Weinkunden und Interessierte beteiligen sich daran. Dabei wird mittags eine deftige Jause im Weingarten serviert und abends Essen und Wein in fröhlicher Runde. Doch solch Vorgehen wurde 2013 strenger geahndet als je zuvor. Essen ist Bezahlung, unversteuerte Bezahlung bedeutet Schwarzarbeit. In den Weinbaugebieten kreisten Hubschrauber. Weingärten, in denen gelesen wurde, wurden an das finanzpolizeiliche Bodenpersonal gemeldet, das zur Kontrolle in Habt-Acht-Stellung wartete. Der Unmut von Winzern und Lesern war via Medien im ganzen Land zu hören. Auch auf eine derartige Weise können Tradition und Brauchtum zerstört werden.  Und dennoch, Österreich ist kein Spitzenreiter.

Trend in Europa

Generell zeigte sich die Schwarzarbeit in Europa 2013 rückläufig. Der Anteil der Schwarzarbeit gemessen an der Wirtschaftsleistung sank von 22,4 Prozent auf 18,5 Prozent, bei einer informellen europäischen Wirtschaftsleistung von rund 2,2 Billionen Euro. Und die österreichischen  Zahlen für 2013 zeichnen das Land als mustergültig in Europa aus. Scheinbar gehört der Pfusch doch nicht wie die Mozartkugeln zu Österreich. 13 Prozent des Bruttoinlandproduktes erreichte die Schwarzarbeit etwa in Deutschland. Die deutsche Schattenwirtschaft ist die größte Europas, nicht prozentuell, sondern finanziell, mit 351 Milliarden Euro. In Bulgarien  beträgt der Schwarzarbeitsanteil am BIP sogar 31 Prozent, in Kroatien, Griechenland und Polen über 20 Prozent. Aber auch die Franzosen und die Briten tragen mit Pfusch mehr als 10 Prozent zum BIP bei. Doch selbst in Frankreich darf die Weinlese trotz allem noch weiterhin Tradition bleiben.

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