Start > News > Schweizer Privathaushalte verschulden sich häufiger

Schweizer Privathaushalte verschulden sich häufiger

Durch die niedrigen Zinsen werden viele Privathaushalte dazu ermuntert, einen Kredit aufzunehmen. Doch früher oder später kann sich dies rächen. Die Werbung einer Online-Plattform lautet „Wie wäre es mit einem schicken neuen Wagen oder einem Motorrad? Oder mit einem Wohnmobil? Verwirklichen Sie Ihre Träume mit einem online Konsumkredit!“ Sogar Gratis-Mastercards werden von einer Kreditbank bei Abschluss eines Kreditgeschäfts versprochen. All das ist online machbar und dafür sind nur wenige Angaben notwendig, wie Adresse, Name, Zivilstand, Alter, Nationalität, Arbeitgeber und Höhe des Gehalts sowie Anzahl der Kinder. In der Regel wird der Kredit dann nach Nachlieferung der Identitätskarte und des Gehaltsauszuges innerhalb von wenigen Stunden geprüft. Die Kreditarten sind dabei sehr unterschiedlich. So bietet eine Firma in Zürich einen Privatkredit ohne Zusatzkosten bis zu CHF 250.000 an. Die Überweisung des Kreditbetrages erfolgt dann im positiven Fall nach einer 14-tägigen Wartefrist auf das gewünschte Konto – flexibel und diskret.

Das Geschäft mit den Privat Krediten läuft gut

Im vergangenen Jahr waren laut der Zentralstelle für Kreditinformationen (ZEK), Konsumkredite von mehr als CHF 7,6 Mrd. ausstehend. Dies entspricht einem Zuwachs von 6% gegenüber 2017. In den Jahren zuvor war das Geschäft allerdings unter Druck geraten, denn seit der Finanzkrise ist die Zahl der Konsumkredite in der Schweiz, die neu abgeschlossen werden, rund um 33% gesunken. Die Eidgenossinnen und Eidgenossen haben in Anbetracht dessen, dass sich die Wirtschaftslage verschlechtert, die Verschuldung heruntergefahren. Dazu wirkt sich die Senkung des Höchstzinses von 15% auf 10% für Konsumkredite durch den Bundesrat Mitte 2016 ebenfalls darauf aus. Die Senkung zwang unter anderen den Branchenprimus, die Cembra Money Bank, fast das gesamte Portfolio im Bereich der Konsumkredite neu zu bewerten. Es kam bei einigen Anbietern zu Schließungen und es wurde Personal abgebaut. Zugleich wurde das Geschäft durch den Einstieg neuer Finanzierungsformen wie Crowd-Lending-Plattformen und anderer Wettbewerber belebt. Das Volumen der neuen Plattformen beläuft sich laut Andreas Dietrich, Professor für Banking und Finanzen an der Hochschule Luzern, welche Kreditnehmer und Investoren innerhalb kürzester Zeit zusammenbringen, mittlerweile auf CHF 57 Mio. allerdings dominieren weiterhin die Cembra Money Bank mit einem Marktanteil von 33% und die Credit-Suisse-Tochter Bank-now und der Migros Bank weiterhin das Geschäft.

Das niedrige Zinsumfeld sorgt für attraktive Kreditgeschäfte

Vor allem sorgt das niedrige Zinsumfeld dafür, dass die Schweizer Haushalt in der jüngsten Zeit immer wieder dazu bewogen hat, größere und längerfristige Kredite aufzunehmen. Das Geschäft bleibt für die Kreditinstitute trotz des härteren Konkurrenzkampfes attraktiv, besonders wenn man bedenkt, dass der Refinanzierungsanteil der Schweizer Nationalbank bei minus 0,75% liegt. Die Zinsmarge im Konsumkreditgeschäft liegt bei sechs bis sieben Prozent. Dazu kommt, dass es vonseiten der Konsumkreditanbieter nur wenige Ausfälle zu beklagen gibt. Der Anteil der Privaten Haushalte mit einem Zahlungsverzug bei einem Nicht-Immobilien-Kredit betrug laut dem Bundesamt für Statistik (BfS) 2,5%. Bei den Krankenkassenprämien lag der Anteil der nicht fristgerechten Zahlungen aufgrund finanzieller Gründe bei 7,3% und bei den Steuern sogar bei 9,9%. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Kreditfähigkeit der Kunden von den Finanzinstituten seriös geprüft wird. Die Banken leisten in der Regel eine gute Arbeit, wie Sébastien Mercier, Geschäftsleiter der Schuldenberatung Schweiz erklärt. Die Kreditinstitute müssen das Existenzminimum der Antragsteller abzgl. der Steuerzahlungen sowie den anderen regelmäßigen Verpflichtungen berechnen. Von dem was übrigbleibt, muss der Kredit innerhalb von 36 Monaten zurückgezahlt werden. Gleichzeitig wird das Kompliment an die Kreditinstitute von Mercier relativiert, denn von einigen großen Kreditgebern wird diese Verpflichtung weniger ernst genommen. Von ihnen würden nach seiner Meinung hohe Barkredite vergeben, die dazu führen, dass die Person nicht mehr fähig ist, ihre finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.

Schuldnerberatung vs. Kreditinstitute

Nach Berechnungen der Schweizer Schuldnerberatung spielen Schulden – Kleinkredit, Leasing , Kreditkarten, Kundenkarten - infolge von Verbraucherkrediten in beinah 50% der Schuldenfälle eine Rolle. Viele Privathaushalte scheuen Rechnungen, Zahlungserinnerungen und Mahnungen, wenn sie in einen finanziellen Engpass geraten und versuchen deshalb einen Privatkredit aufzunehmen. Doch oft verschlechtert sich dadurch die Situation nur. Aktuell beläuft sich die Länge der Kredite auf einen Zeitraum von 53 Monaten und innerhalb eines solchen Zeitraumes kann viel passieren. Die Kreditinstitute begegnen dem, dass die Konsumkredite gerade einmal etwas mehr als 1% des Bruttoinlandproduktes ausmachten. Daher könne generell nicht von einer hohen Verschuldungsquote aufgrund der Konsumkredite gesprochen werden. Vielmehr würde es sich um die großzügig vergebenen Hypotheken handeln, die der Treiber dieser Verschuldung seien. Vornehmlich dienen die Konsumkredite dafür, Fahrzeuge und Einrichtung zu kaufen, bei denen es sich um wichtige Dinge im Leben der Konsumenten handele.

Fazit: Die Schweizer haben ihre Zurückhaltung gegenüber Schulden abgelegt

Es ist auf jeden Fall auffällig, dass die Schweizer Privathaushalte in den vergangenen Jahren ihre Zurückhaltung in Bezug auf Schulden abgelegt haben. Wird der jüngsten Befragung des online Dienstleisters Moneyland.ch Glauben geschenkt, dann haben 85% der Schweizer bereits einmal einen Kredit, ein privates Darlehn oder eine andere Finanzierungsform in Anspruch genommen. Wird die Gesamtentwicklung der ausstehenden Autoleasing, Bar- und Konsumkredite betrachtet, dann ist die Verschuldung der Privatpersonen in der Schweiz seit 2004 um 60% gestiegen: von CHF 15 Mrd. auf 23,5 Mrd. Franken.

Hier nachlesen ...

Amtsenthebungsverfahren gegen Trump geht weiter

Das Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump geht weiter. "Heute fordere ich unsere Vorsitzenden auf, mit …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.