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Sitzen ist das neue Rauchen

Es ist eine irrsinnige Vorstellung, dass Sofas, Sessel und jeder Bürostuhl mit Warnhinweisen wie „Zu viel Sitzen bringt dich um“, „Rumhängen macht krank“ oder „Stillhalten kostet Lebenszeit“ versehen würde. Doch ginge es nach den Experten des Sendetary Behavior Research Network (Netzwerk zur Erforschung sesshaften Verhaltens, SBRN), dann wäre das der Fall – fast so wie beim Rauchen. Denn die Datenlage ist nun eindeutig: Zu viel Sitzen bringt uns um! Die Experten aus aller Welt haben sich im SBRN zusammengeschlossen, die der relativ neuen „Science of Sitting“ (Erforschen des Sitzens) nachgehen. Ihr Logo: Ein brennendes Sofa.

Wer zu viel sitzt, der riskiert seine Gesundheit. Das gilt ebenfalls für die Menschen, die außerhalb ihrer „Sitzzeiten“ Sport treiben. Selbst wenn die Folgen des Sitzens durch Sport abgemildert werden: Das Vielsitzen ist durch Sport nicht ganz auszugleichen. Die Körperzellen werden durch mangelnde Aktivität schlechter versorgt, der Kreislauf sowie der Stoffwechsel erlahmen und die Muskeln und Knochen bauen ab.

Dazu kommen im Büroalltag noch Stress, unregelmäßige Arbeitszeiten und Kantinenessen. Alles ist bekanntermaßen nicht gut für die Gesundheit. Oft wird noch ein weiterer wichtiger Faktor unterschätzt: Die Bewegungsarmut der meisten Berufstätigen. Bei einem Bürojob sitzt man fast den gesamten Tag und damit werden nicht nur wenig Kalorien verbrannt, sondern es schadet zugleich den Blutgefäßen. Die Gefäßfunktionen nehmen bereits nach einer Stunde in den Beinen bis zu 50% ab und sie können sich nicht mehr so gut ausdehnen. Zudem sinkt die Endothelfunktion. Beide Faktoren können langfristig zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Langes Sitzen erhöht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen, dies ist bereits wissenschaftlich erwiesen. Dabei spielen die verminderten Gefäßfunktionen die größte Rolle, aber auch ein erhöhter Cholesterinspiegel sowie ein erhöhter Taillenumfang infolge der Bewegungsarmut sorgen zu einem erhöhten Krankheitsrisiko bei.

Sitzen ist ruinös! Das Forscherteam der britischen University of Leicester war vor allem schockiert, nachdem es die Daten von mehr als 21.000 Teilnehmer einer Studie ausgewertet hat, dass durch eine lange körperliche Inaktivität das Risiko des sogenannten metabolischen Syndroms um 73% erhöht. Bei dieser fatalen Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Blutfett- und Blutzuckerwerten sprechen die Mediziner häufig vom „tödlichen Quartett“. Doch dies ist nicht alles, denn wer mehr als sechs inaktive Stunden täglich hat, der unterliegt einem 40%ig erhöhten Risiko innerhalb der nächsten 15 Jahre zu sterben – verglichen zu den Menschen, die weniger als drei Stunden am Tag bewegungslos verbringen. Des Weiteren stehen auf der Liste, Thrombosen, Herz-Kreislauf-Krankheiten, psychische Probleme und Gallensteine.

Mit dem passenden Stuhl für Ausgleich sorgen

Was bedeutet das? Es muss nicht das unausweichliche Schicksal eines jeden sein, der seine Brötchen durch das Sitzen verdient. Ein ergonomischer Bürostuhl sorgt als erstes für eine Verbesserung des „Sitzens“. Denn dieser unterstützt die dynamischen Sitzbewegungen, in dem der Wechsel zwischen den einzelnen Sitzhaltungen gefördert wird. Es gibt einige Tipps, um sich aus dem Sitzalltag zu befreien und letztendlich dem „tödlichen Quartett“ zu entfliehen.

Warum hilft Sport nur teilweise?

Viele Menschen, die einen Bürojob haben und Tag ein, Tag aus sitzen, denken, dass sie das nicht betrifft. Doch leider ist diese Annahme falsch. Eben das überrascht an den Ergebnissen am meisten. Es ist für den schädlichen Effekt fast egal, wie viel Sport getrieben wird und was er sonst auf die Waage bringt. Wie gesund der Mensch ist, ist weniger abhängig von der Intensivität des Trainings, sondern vor allem davon, ob viel oder wenig Zeit bewegungslos verbracht wird.

Experten sprechen daher bei der körperlichen Inaktivität von einem unabhängigen Risikofaktor. Der Grund dafür ist vermutlich die verheerende Wirkung, die das Sitzen auf den Stoffwechsel hat. Menschen die längere Zeit inaktiv sind, die geben diesem keine Chance, rund zu laufen. Spätestens nach einigen Stunden des Sitzes auf dem Sofa fährt dieser auf den Minimalmodus herunter. Die Folge ist ein niedriger Kalorienverbrauch. Bereits im Stehen wird automatisch rund 50% mehr Energie verbraucht als im Sitzen. Der Grund ist, dass die Muskulatur den Körper stützen muss. Darüber hinaus wird durch die Bewegungslosigkeit das Enzym Lipoproteinlipase ausgebremst, wodurch der Fettstoffwechsel durcheinander kommt, mit der Folge, dass die Muskeln geringere Mengen an den für die Fettverdauung wichtigen Triglyceriden aufnehmen. Dazu kommt, dass das vorteilhafte HDL-Cholesterin zurückgefahren wird.

Der Jäger und Sammler

Dies wird vom US-Mediziner Professor James Levine von der Major Clinic in Rochester auf den Punkt gebracht: Der Mensch ist dazu gemacht zu jagen, zu sammeln, zu sähen, zu ernten und seine Tage damit zu verbringen, Tausende von Kalorien aufgrund der dauernden Bewegung zu verbrennen. Er ist nicht dazu gemacht, für 20 oder 30 Minuten auf dem Laufband zu rennen, um vielleicht 200 Kalorien zu verbrennen und 15,5 Stunden jeden Tag fast bewegungslos zu sitzen.

Der Professor ist der Vorreiter der Anti-Sitz-Bewegung und hat bereits 1999 herausgefunden, dass es für den Stoffwechsel am besten ist, wenn wir uns über den gesamten Tag immer ein wenig bewegen, anstatt ein paar Mal die Woche intensiv. Seine Devise ist simpel: Mehr Bewegung im Alltag schaffen. Pizza-Service, Drive-ins, Fernbedienungen und Rolltreppen sind die Killer des Stoffwechsels und sollten generell vermieden werden. Hier spricht Levine von Nonexercise Activity Thermogenesis oder kurz NEAT. Gemeint sind Kalorien, die bei einem aktiven Lebensstil verbraucht werden: bspw. öfter stehen, zur U-Bahn oder zum Briefkasten gehen, mit der Faust auf den Tisch hauen, Kisten schleppen oder was auch immer. Durch NEAT kann jeder Büroangestellte pro Woche bis zu 2100 Kalorien verbrennen.

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