Linz – Die steirische Gemeinde Ramsau am Dachstein muss ein rund 25.000 Quadratmeter großes Stück Land an die benachbarte, oberösterreichische Gemeinde Obertraun abtreten. Für die zwei großen Bundesländer scheint das Areal klein und sollte flächenmäßig nicht ins Gewicht fallen. Doch die Steiermark trauert, und Oberösterreich freut sich, denn in dem kleinen Landstreifen liegt eines der attraktivsten Touristenziele, der Eispalast am Dachstein.
Grenzverlauf wurde korrigiert
Im 1949 von den Landtagen in Graz und Linz verabschiedeten Verfassungsgesetz wurde die Grenze zwischen Oberösterreich und der Steiermark festgelegt. „Die Landesgrenze auf dem Dachsteinmassiv verläuft über die Hunerscharte auf dem Hunerkogel, sodann längs dem Felsabbruch und entlang der Wasserscheide“, lautete der Gesetzestext. Im Laufe der folgenden Jahre wurde der Dachstein systematisch von beiden Seiten erschlossen. Um den genauen Grenzverlauf machte sich jedoch keine der Gemeinden wirklich Gedanken. Von Ramsau aus wurde die Dachstein-Südwandbahn mit der Bergstation am Hunerkogel gebaut. Der Zustrom von Touristen war enorm. Von Obertraun aus wurde der Dachstein durch die Dachsteinseilbahn mit vier Teilstrecken erschlossen. Die erste Teilstrecke ging bereits im Jahre 1951 in Betrieb. Auch hier setzte Massentourismus ein. Auf der steirischen Seite folgten ein Skywalk, der Eispalast, eine Hängebrücke und die Treppe ins Nichts. Der Dachstein wurde zu einer der beliebtesten steirischen Touristenattraktion mit vielen tausend Besuchern jährlich. Nun muss der Eispalast an Oberösterreich abgegeben werden.
Korrektur des Grenzverlaufs
Der Obertrauner Bürgermeister Egon Höll versuchte seit dem Bau des Eispalastes im Jahr 2007 die zuständigen Landesstellen darauf aufmerksam zu machen, dass die Stelle sich auf oberösterreichischem Gebiet befinde. Auf der oberösterreichischen Seite besteht nämlich ein strenges Europaschutzgebiet, in dem der Bau nicht genehmigt worden wäre. 2014 werden nun die Grenzen mittels GPS exakt vermessen, doch Ramsau reagierte bereits jetzt und gab das Stück Land an Obertraun zurück. Für den Ramsauer Bürgermeister Rainer Angerer ein großer Verlust, denn die Einnahmen aus der Touristenattraktion gehen nun nach Oberösterreich. Im Vorjahr wurde der Eispalast von 300.000 Menschen besucht. Der Bau des Eispalasts wäre zwar in Oberösterreich zwar nicht bewilligt worden, doch nun wird er als Bestandsbau mit übernommen und darf bestehen bleiben. Der Eispalast erlaubt den Besuchern einen Rundgang in der unterirdischen Gletscherwelt. Skulpturen und Säulen, direkt aus dem Gletschereis gearbeitet, säumen den Weg durch den Thronsaal, den Blauen Salon und den Kristalldom. Die Schnitzereien wurden von chinesischen Eiskünstlern ausgeführt. Zum Eispalast gehört auch eine 40 m lange, mit 600.000 Litern Wasser gefüllte Gletscherspalte. Die Kosten des Projekts betrugen rund 500.000 Euro, ein Verlust für die Steiermark, ein Gewinn für Oberösterreich.
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