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Studie: Gemeinnützigkeit in Österreich steckt in den Kinderschuhen

500 EuroWien - "Wie im Koalitionsübereinkommen fixiert, wollen wir für Österreich die Rahmenbedingungen für das gemeinnützige Stiftungswesen deutlich verbessern. Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck an einem Entwurf. Viele Stakeholder von Stiftungen über NGOs haben sich in den vergangenen Monaten konstruktiv eingebracht", so Dr. Harald Mahrer, Staatssekretär im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft , bei der Präsentation der Zukunftsinstitut-Trendstudie "Die Zukunft der Gemeinnützigkeit". Diese fand gestern, 3. November, auf Einladung der Vinzenz Gruppe im TechGate in Wien statt.

Dass Österreich hier noch Aufholbedarf hat, zeige ein D-A-CH-Vergleich. Während gemeinnützige Stiftungen in Deutschland jährlich 15 Mrd. Euro und in der Schweiz 1,5 Mrd. Euro für gemeinnützige Zwecke ausschütten, sind es in Österreich erst 50 Mio. Euro. "Hier gibt es also noch ein großes Potenzial", sagt Staatssekretär Mahrer im Rahmen einer Podiumsdiskussion.

"Die Industrie freut sich über die Initiative der Regierung zur Stärkung der Gemeinnützigkeit in Österreich. Das ist ein wichtiger Puzzlestein", sagt Mag. Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung. "Aber es braucht eine grundsätzliche Haltungsänderung. Die Menschen geben zu viel Verantwortung an den Staat ab. Wir müssen weg von zu viel Kollektivismus. Wir brauchen Anreize, die Gemeinnützigkeit für Menschen und Unternehmen noch attraktiver machen. In Deutschland beispielsweise schütten viele gemeinnützige Stiftungen sehr viel für Initiativen in Forschung, Technologien und Bildung aus."

"Anwaltschaftliches Denken ist bei den Gemeinnützigen stärker ausgeprägt als bei anderen Unternehmen, weil die Bedürfnisse der Menschen stärker im Zentrum stehen. Wie auch die Studie zeigt, suchen die Menschen verstärkt nach eigenen Lösungsansätzen", sagt Dr. Werner Kerschbaum, Generalsekretär Österreichisches Rotes Kreuz. Auch er ist der Meinung, dass der Staat nicht alles übernehmen könne: "Der Staat hat Verantwortung, es ist aber auch Eigenverantwortung gefragt. Gemeinnützigkeit springt sehr oft dort ein, wo der Staat an seine Grenzen stößt. Was wir als gemeinnützige Organisationen noch lernen müssen, ist, noch viel stärker in Netzwerken zu arbeiten."

Mag.a Marie Ringler, MBA, Länderdirektorin Ashoka Österreich sieht, wie die anderen Diskutanten, die Gemeinnützigkeit als eine grundsätzliche Haltung. Auch sie ortet den gesellschaftlichen Wandel, weg von der Ichbezogenheit, hin zur Verantwortung für die Gesellschaft. "Wir befinden uns gerade auf einem Weg, der guter Humus ist, um mehr Innovation und Zukunftsfähigkeit in unsere Welt zu bringen: Unternehmen übernehmen zunehmend Verantwortung für die Gesellschaft. Und gerade der Sektor der Gemeinnützigen, der Social Entrepreneurs und NGOs, ist der ideale Nährboden für neue Antworten auf unsere Herausforderungen. Denn die Frage ist ja, können wir heute mit alten Mustern Antworten auf Fragen finden, von denen wir noch gar nicht wissen, dass sich stellen werden? Die Antwort ist klar nein. Daher brauchen wir mehr gemeinwohl-orientierte Problemlöser und Innovatoren in der unserer Gesellschaft."

Dr. Michal Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe und Initiator der Studie, sieht in gemeinnützigen Unternehmen "Inkubatoren", die Probleme erkennen, dazu professionelle Lösungen entwickeln und gegebenenfalls gemeinsam mit staatlichen Einrichtungen breit abdecken. "Der Staat kann nicht für alle Probleme maßgeschneiderte Lösungen entwickeln. Das ist die Stärke von gemeinnützigen Unternehmen. Zusätzlich sind gemeinnützige Unternehmen gute Partner, um öffentliche Versorgungsaufträge zusätzlich nachhaltig zu übernehmen."

Harry Gatterer, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts und Co-Studienautor, zieht sein Resümee aus den Ergebnissen der Studie: "Die Gemeinnützigkeit wird weiter zunehmen. Wir wissen, dass das Denken in sektoralen Containern nicht sehr wirksam ist. Heute geht es um Konnektivität. In Strukturen, die sich immer diffuser zeigen, ist Gemeinnützigkeit durchaus eine Option, um die Gesellschaft der Zukunft zu gestalten."

Quelle: ots

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