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Suchtforscher kritisiert gängige Therapie von Alkoholkranken

Der Suchtforscher Karl Mann hat die Behandlung von Alkoholkranken in Deutschland kritisiert. Bei der gängigen Therapie werde zu sehr darauf fokussiert, dass die Betroffenen überhaupt keinen Alkohol mehr trinken, sagte der Mediziner der Wochenzeitung „Die Zeit“. Das gelinge aber nur den wenigsten Suchtkranken.

„Dieses Alles-oder-nichts-Denken geht an der Wirklichkeit vorbei“, sagte Mann. „Deshalb müssen wir stärker Therapieziele unterhalb dieser hohen Schwelle in den Blick nehmen.“ Als Alternativen zum Abstinenz-Ziel könne man Patienten zu einem reduzierten Alkoholkonsum bewegen, sagte Mann. Dieses sogenannte kontrollierte Trinken lasse sich durch Medikamente oder eine Psychotherapie erreichen. Von den zwei Millionen Alkoholabhängigen in Deutschland bekommen laut Mann nur zehn bis 15 Prozent überhaupt professionelle Hilfe. Zudem dauere es im Schnitt ein Jahrzehnt, bis ein Betroffener nach dem Auftreten der ersten Symptome Hilfe erfährt. Bei keiner anderen Volkskrankheit sei die Behandlungslücke so groß, sagte der Suchtforscher. „Das ist skandalös.“ Mann forscht als Seniorprofessor an der Universität Heidelberg. Zuvor war er stellvertretender Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim und hatte dort Deutschlands ersten Lehrstuhl für Suchtforschung inne.

Foto: Alkohol-Leiche, über dts Nachrichtenagentur

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