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Tendenzen der Frauenerwerbsquote in Deutschland

Seit einiger Zeit ist die Diskussion um die Einführung einer gesetzlich geregelten Frauenquote für die Führungspositionen in den großen Konzernen der Wirtschaft wieder voll entbrannt. Erst in der letzten Woche hat sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wieder dazu geäußert und meinte, dass das Problem Frauenquote spätestens nach der Wahl im September mit Nachdruck angegangen werden müsse. Wie wirtschaft.com berichtete, forderte sie die Konzerne auf, die Frist bis 2020 zu nutzen und nach den besten Frauen für Top-Positionen in ihren Unternehmen zu suchen. Im Gegensatz dazu äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler auf dem Anfang Mai in Nürnberg abgehaltenen Programmparteitag der FDP eher ablehnend zur Einführung der Quotenregelung. Er betonte, dass sich die FDP eindeutig für eine Verbesserung der Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt einsetze und sich in dem Zusammenhang für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf stark mache.

Frauen Beruf - Tendenzen der Frauenerwerbsquote in Deutschland

Gleichzeitig betonte er, dass das Problem der Chancengleichheit von Frauen auf dem Arbeitsmarkt nicht mit Symbolpolitik zu lösen sei. Der Minister meinte, es bringe die 18 Millionen berufstätigen Frauen in Deutschland nicht weiter, wenn es 200 weibliche Aufsichtsräte in der Wirtschaft des Landes gäbe.

Wie sieht die Situation der weiblichen Arbeitnehmer in Deutschland aus?

Wir wollen diese Diskussionen zum Anlass nehmen und einen kleinen Einblick in die Statistik zur generellen Beschäftigungssituation der Frauen in Deutschland bieten. Dabei soll die Frage gestellt werden, wie die Situation der 18 Millionen weiblichen Arbeitnehmer in der deutschen Wirtschaft tatsächlich aussieht. Wie hat sich beispielsweise der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen (Gender Pay Gap) entwickelt und wie hoch ist der Anteil von Frauen in den Leitungsebenen der Unternehmen?

Die beigefügte Infografik gibt Auskunft über einige der genannten Kennziffern. Hier wird deutlich, dass die Frauenerwerbsquote in Deutschland 2011 bei 68% lag. In einer im Januar 2013 vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) veröffentlichten Studie ist sogar von 72% Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in Lohn und Brot stehen, die Rede. Hier erfahren wir auch, dass nur Schweden, Finnland und Dänemark mehr erwerbstätige Frauen aufzuweisen haben und dass in Deutschland ein überdurchschnittlich hohes Wachstum der Frauenerwerbsquote zu verzeichnen ist.

Hinterfragt man allerdings diese Zahlen, stellt man fest, dass 45% der berufstätigen Frauen in Deutschland in Teilzeit arbeiten. Von diesen 45% gaben mehr als die Hälfte (55%) familiäre Gründe für ihre verkürzte Tätigkeit an. Ein deutlicher Beleg dafür, dass der Forderung nach besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf unbedingt mehr Gehör geschenkt werden muss. In diesem Zusammenhang wird es auch künftig wieder verstärkt Diskussionen um eine Verbesserung der Versorgung mit Kindergartenplätzen und Angeboten für Ganztagsschulbetreuung geben.

Frauen verdienen immer noch ein Viertel weniger als Männer

Betrachtet man die Entwicklung der Gender Pay Gap, lässt sich feststellen, dass diese seit Jahren relativ konstant geblieben ist. Mit Ausnahme des Jahres 1999, als sie erstaunlicherweise nur 19% betrug, bewegt sich der Abstand der Brutto-Arbeitsverdienste von Männern und Frauen zwischen 21 und 23%. Das statistische Bundesamt ermittelte in einzelnen Branchen, wie dem Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, wo männliche Mitarbeiter knapp 5.600 Euro verdienen und Frauen lediglich Bezüge in Höhe von noch nicht einmal 4.000 Euro monatlich verbuchen können, sogar Unterschiede von bis zu 30%. Als wichtigste messbare Gründe für besonders deutliche Gender Pay Gaps in einzelnen Sparten sehen die Experten in der unterschiedlichen Berufs- und Branchenwahl von Frauen und Männern sowie in ungleich verteilten Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation.

Und noch einmal Frauen in der Leitungsebene

Natürlich darf auch in solch einer Grafik das Thema Frauen in Führungspositionen nicht fehlen. In unserer Grafik wird deutlich, dass der Frauenanteil in den Führungsetagen der größten börsennotierten Unternehmen der deutschen Wirtschaft derzeit lediglich 18% beträgt. Es bleibt also abzuwarten, welche Strategie zur Verbesserung der Frauenquote in der Leitungsebene sich nach der Wahl im September durchsetzen wird.

Grafik: © Statista

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