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Trend: Grußkarten statt Instant Messaging

Grusskarten Trend: Grußkarten statt Instant Messaging
Jahrelang war die fortschreitende Technologie das Maß aller Dinge: E-Mails ersetzten Briefe, und SMS ersetzten die Urlaubspostkarten, ehe beide wiederum von Kurznachrichten per WhatsApp und auf Facebook geteilten Fotos abgelöst wurden. Doch mittlerweile ist ein Umschwung zu bemerken.

Deutsche halten nicht viel von virtuellen Kontakten

Der allgemeine Trend geht seit Jahren scheinbar zu unverbindlichen digitalen Kontakten. Statt mit Freunden auf dem Sofa gemeinsam eine Fernsehsendung zu verfolgen, wird lieber bei Twitter darüber diskutiert und der neue Partner wird lieber auf Tinder gesucht als in der Nachbarschaft. Doch der Schein trügt. Eine umfangreiche Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) zum Thema virtuelle Kontakte ergab, dass die Deutschen von allen 22 befragten Nationen virtuelle Kontakte am kritischsten sahen. So gab ein Drittel (32 %) der deutschen Befragten an, dass virtuelle Kontakte nicht gleichwertig mit persönlichen Kontakten seien. Nur 13 Prozent empfanden virtuelle Kontakte als gleichwertig. Am offensten für virtuelle Kontakte waren übrigens die Brasilianer und Türken: Hier meinten 34 Prozent der Befragten, dass virtuelle Kontakte gleichwertig seien. Beachtenswert war dabei auch die Tatsache, dass es nicht nur ältere Deutsche waren, die mit virtuellen Kontakten nicht viel anfangen konnten. Waren es bei den über 50-Jährigen 40 %, waren es bei den bei 20- bis 29-Jährigen immer noch 22 %, die virtuelle Kontakte für minderwertig hielten.

Indes zeigt der Freizeit-Monitor 2016, dass die Internetnutzung weiter angestiegen ist. Diese Zahlen decken sich mit der Beobachtung des Statistischen Bundesamtes, wonach 81 % der Internetnutzer zumindest teilweise per Smartphone online gehen. Die Jüngeren sind dabei stärker vertreten als die Älteren, die das Smartphone nach wie vor in erster Linie als Telefon nutzen.

Persönliche Kontakte wieder gefragt

Wie passen die intensive Nutzung des Internets und der Wunsch nach persönlicheren Kontakten zusammen? Nach Jahren, in denen immer mehr Aktivitäten auf Internet und Smartphone verlegt wurden, setzt allmählich ein Umdenken ein. Das Internet ist z. B. bei Reisebuchungen, zur Information über die neusten Nachrichten und zur Kontaktpflege mit losen Bekannten nach wie vor von größter Bedeutung. In manchen Bereichen wächst seine Bedeutung sogar enorm, z. B. beim Streaming von TV-Sendungen, Filmen und beim Musikhören.

In anderen Bereichen gilt es jedoch mittlerweile fast als unhöflich, andere nur digital zu benachrichtigen. Schließlich zeugt es auch von Willen, für den anderen Menschen etwas Zeit und Mühe zu investieren, indem eine Geburtstagskarte gekauft, von Hand beschriftet und zur Post gebracht wird, statt einige flotte Worte per WhatsApp zu schicken. Umso mehr gehört es zum guten Ton, beispielsweise Einladungen zu festlichen Anlässen nicht einfach per Rundmail zu verschicken, sondern schön gestaltet und von Hand unterschrieben mit der Post. Die wachsende Nachfrage nach persönlich gestalteten Grußkarten wird dann wiederum im Internet bedient, wo sich diverse Kartendruckereien auf individuell gestaltbare Einladungskarten spezialisiert haben. Mehr noch, bei diesen Druckereien können sämtliche Karten für eine festliche Angelegenheit aus einem Guss bestellt werden: Von der ersten „Save the date“-Vorankündigung über die eigentliche Einladung bis zur Menükarte für das Festessen und der Danksagung nach dem Fest. Das wirkt stilvoll und macht Eindruck – ganz gleich ob es sich um die Einladung zur Taufe an die Familie handelt oder um eine Einladung für Geschäftsfreunde zum 25. Firmenjubiläum.

Fotodrucke sind Trumpf in allen Bereichen

Zur Personalisierung gehören heute unbedingt auch Bilder. Der Markt für Fotoprodukte boomt nach wie vor mindestens genauso stark wie der Markt für individualisierte Gruß- und Einladungskarten. Besonders gefragt sind beispielsweise Weihnachtskarten an Freunde und Verwandte mit einem Foto der eigenen Familie, die sich für diesen Zweck extra mit Weihnachtsmannmützen und Rentierhörnern geschmückt hat, und was wäre eine Einladung zur Hochzeit heute ohne ein Bild des verliebten Hochzeitspaares? Moderne Fotoprodukte gehen noch einen Schritt weiter: kleine individuelle Pralinen mit dem eigenen Foto verziert, ein Adventskalender mit dem Familienfoto oder eine mit Sohnemanns Foto bedruckte Tafel Schokolade für die Mutti zum Muttertag? Alles kein Problem. Das eigene Antlitz kann als Weihnachtskugel an den Tannenbaum gehängt oder auf die Schutzhülle des Smartphones gedruckt werden. Es ist ein schmaler Grat zwischen persönlicher Aufmerksamkeit für einen lieben Menschen und Narzissmus.

Persönliche Treffen statt WhatsApp-Chats

Die Frage, ob es in Zukunft wieder häufiger persönliche Treffen statt schneller WhatsApp-Chats geben wird, lässt sich dagegen nicht so einfach beantworten. In den letzten Jahren ging die Zahl der persönlichen Treffen mit Freunden zu Huse um ein Drittel zurück, Unternehmungen mit Freunden um ein Viertel. Stattdessen wird mehr Sport getrieben als früher: Um 16 % stieg die Zahl derer, die in ihrer Freizeit Sport treiben. Hier macht sich ganz eindeutig der Trend zur Selbstoptimierung bemerkbar. Dabei liegt auch hier die Lösung auf der Hand: Statt alleine bei der Joggingrunde oder im Fitness-Studio zu schwitzen, einfach mal wieder mit Freunden Wandern gehen und dabei eine gute Unterhaltung führen. Hier bleibt derzeit jedoch noch abzuwarten, ob nach persönlicheren und handschriftlichen Grüßen auch das direkte persönliche Treffen mit Freunden und Verwandten wieder an Bedeutung gewinnt.

Foto: © istock.com/CasarsaGuru

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