Ditzingen – Das schwäbische Familienunternehmen Trumpf kaufte sich bei dem chinesischen Werkzeugmaschinenhersteller Jiangsu Jinfangyuan CNC Machine Company Ltd. mit einer Mehrheit von 72 Prozent ein. Mit diesem Schritt will Trumpf seine Position in Asien stärken. Die Fokussierung auf den wichtigen ostasiatischen Markt ist für das Unternehmen besonders wichtig, kämpft es doch gegenwärtig mit sinkenden Gewinnen. Im angelaufenen Geschäftsjahr betrug der Gewinnrückgang rund ein Drittel und sank somit auf 115,6 Millionen Euro, wobei der Umsatz mit 2,34 Milliarden Euro stagnierte.
Jiangsu Jinfangyuan und Trumpf
Jiangsu Jinfangyuan ist seit 1997 privatisiert. Mit Firmensitz in der Provinz Jinangsu produziert das Unternehmen Werkzeugmaschinen für die Blechbearbeitung. Bei den Stanz- und Biegemaschinen gilt es als Marktführer im eigenen Land. Im vergangenen Geschäftsjahr wurde ein Jahresumsatz von 70 Millionen Euro erzielt. Das Unternehmen beschäftigt rund 700 Mitarbeiter. Nach der Übernahme wird die operative Führung bei der bisherigen Leitung bleiben, die auch die restlichen Anteile hält. Trumpf erhofft sich durch den Kauf nicht nur eine stärkere Positionierung auf dem asiatischen Markt, sondern auch einen Fortschritt in der Lasertechnik. Das chinesische Unternehmen baut Laser, mit denen feinste Strukturen und bearbeitet werden können. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung von Trumpf erklärte, dass Treiber vor allem die Laser für Mikroanwendungen waren.
Übernahmeprozess dauerte zwei Jahre
Das 1923 von Christian Trumpf gegründete Unternehmen wurde 1978 von Berthold Leibinger übernommen. Seit 2005 führt es seine Tochter Nicola Leibinger-Kammüller mit ihrem Ehemann Matthias Kammüller und ihrem Bruder Peter Leibinger. Trumpf, selbst in der Laser-Technik tätig, stellte 1985 den eigenen Laser TLF 1000, einen CO2-Laser, vor. Er sollte der erste Laserresonator mit Hochfrequenzanregung sein. Durch die Beteiligung an der Haas Laser GmbH 1992, die inzwischen eine hundertprozentige Tochter von Trumpf ist, kam es zu Entwicklungen im Bereich Festkörperlaser. 1998 wurde am Standort Ditzingen eine neue Laserfabrik eröffnet. So gesehen stellt Jiangsu Jinfangyuan eine ideale Ergänzung im Bereich Lasertechnik dar. Doch die Übernahme eines chinesischen Marktführers durch einen schwäbischen, mittelständischen Betrieb zeigte sich nicht einfach. Bisher lag der Trend eher umgekehrt, chinesische Unternehmen kauften deutsche Betriebe. So ging das schwäbische Unternehmen Putzmeister in den Besitz des chinesischen Weltmarktführers für Betonpumpen, Sany Heavy Industry über, und in der maroden Solarfirma Sunways wurde die chinesische LDK Solar Hauptaktionär. Zwei Jahre dauerten die Verhandlungen, denn die chinesische Regierung stand der Übernahme durch Trumpf skeptisch gegenüber. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass uns als Mittelständler eine solche Direktinvestition ermöglicht wurde – noch dazu im Maschinenbau, den die chinesische Regierung als Schlüsselbranche definiert hat“, erklärte Nicola Leibinger-Kammüller. Angela Merkel habe sich selbst auf ihrer Chinareise beim chinesischen Regierungschef Wen Jiabao für eine Übernahme ausgesprochen, erzählt die Trumpf-Chefin.
