Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy muss sich vor dem Pariser Berufungsgericht gegen die Anklage verteidigen, Wahlkampfgelder aus Libyen für seine Wahl 2007 angestrebt zu haben. Im September hatte ein Gericht erster Instanz den rechtsgerichteten Politiker, der von 2007 bis 2012 Staatsoberhaupt war, für schuldig befunden, versucht zu haben, Wahlkampfgelder vom Regime Muammar Gaddafis zu erhalten. Im Gegenzug für die Gelder hätte Sarkozy die damals international isolierte libysche Regierung unterstützt. Sarkozy wurde wegen krimineller Verschwörung im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Komplott zu fünf Jahren Haft verurteilt und war damit der erste Staatschef eines EU-Landes, der eine Haftstrafe verbüßen musste. Im November wurde er jedoch nach nur 20 Tagen aus einem Pariser Gefängnis entlassen und beschrieb die Haftzeit als „zermürbend“ und „Albtraum“. Er wurde in drei Anklagepunkten freigesprochen: Korruption, Veruntreuung libyscher öffentlicher Gelder und illegale Wahlkampffinanzierung. Sarkozy muss sich nach seiner Berufung gegen die Verurteilung und der Berufung der Staatsanwaltschaft gegen die Freisprüche in allen vier Anklagepunkten einem neuen Prozess stellen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem 71-Jährigen, der jegliches Fehlverhalten bestreitet, bis zu zehn Jahre Haft.
