Laut einer Analyse der Dekabank müssen sich viele Aktionäre deutscher Großkonzerne auf sinkende Dividendenzahlungen einstellen. Für das Geschäftsjahr 2024 wird erwartet, dass die im Deutschen Aktienindex (Dax) gelisteten Unternehmen ihren Aktionären weniger Gewinnbeteiligung ausschütten werden als in den Vorjahren.
Dividendenrückgang bei Dax-Konzernen
Die Finanzexperten der Dekabank, einer der größten deutschen Fondsgesellschaften, haben die zu erwartenden Dividendenzahlungen der Dax-Konzerne für das abgelaufene Geschäftsjahr 2024 genauer unter die Lupe genommen. Demnach werden die 40 bedeutendsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands ihre Ausschüttungen an die Anteilseigner im Durchschnitt voraussichtlich reduzieren müssen.
„Unsere Berechnungen zeigen, dass die Dax-Unternehmen für das Jahr 2024 eine um rund 5 Prozent geringere Dividendensumme an ihre Aktionäre ausschütten werden als im Vorjahr“, erklärt Fondsmanager Philipp Weber von der Dekabank. Als Gründe für diese Entwicklung nennt er vor allem die anhaltenden Herausforderungen, denen sich viele Konzerne in Deutschland aktuell gegenübersehen.
Belastende Faktoren für Unternehmensergebnisse
„Die konjunkturelle Abkühlung, steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie Lieferkettenprobleme haben im abgelaufenen Geschäftsjahr deutliche Spuren in den Bilanzen vieler Dax-Konzerne hinterlassen“, so Weber weiter. Hinzu kämen teilweise hohe Investitionen in die Transformation der Geschäftsmodelle, um den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und Digitalisierung zu bewältigen.
Diese Belastungen hätten dazu geführt, dass die Gewinne vieler Unternehmen unter Druck geraten sind. „In dieser Situation sehen sich die Vorstände gezwungen, einen Teil der Gewinne für Rücklagen und Investitionen zurückzuhalten, anstatt die Summe vollständig an die Aktionäre auszuschütten“, erklärt der Finanzexperte.
Dividenden im MDax stabiler
Im Gegensatz zu den Dax-Konzernen zeichnet sich bei den mittelgroßen Unternehmen im MDax eine etwas andere Entwicklung ab. Laut den Berechnungen der Dekabank dürften die Firmen aus dem Index der mittelgroßen Werte ihre Dividendenzahlungen im Durchschnitt sogar leicht erhöhen.
„Während die Dax-Konzerne mit den oben genannten Herausforderungen zu kämpfen haben, konnten viele MDax-Unternehmen ihre Profitabilität im abgelaufenen Geschäftsjahr besser verteidigen“, erläutert Weber. Gerade im Mittelstand hätten sich die Unternehmen häufig als flexibler und innovativer erwiesen, um auf die schwierigen Rahmenbedingungen zu reagieren.
Dividenden als wichtiger Ertrag für Anleger
Dividendenzahlungen spielen für viele Aktionäre eine wichtige Rolle. Die regelmäßigen Gewinnausschüttungen der Unternehmen stellen für private wie institutionelle Investoren einen wesentlichen Teil der Rendite ihrer Aktienanlagen dar. Gerade ältere Anleger und Rentner sind oft auf die Dividendenerträge angewiesen, um ihren Lebensstandard zu finanzieren.
„Ein Rückgang der Dividendenzahlungen trifft diese Anlegergruppen besonders hart“, betont Weber. „Sie müssen dann entweder auf einen Teil ihres Einkommens verzichten oder gezwungen sein, verstärkt auf ihre Ersparnisse zurückzugreifen.“
Auch für viele Fondsinvestoren sind die Dividenden ein wichtiger Bestandteil ihrer Gesamtrendite. „Dividendenstarke Aktien sind nach wie vor ein wichtiger Baustein in vielen Portfolios, gerade in Zeiten volatiler Aktienmärkte“, erklärt der Dekabank-Experte.
Dividendenpolitik im Fokus der Anleger
Vor diesem Hintergrund dürfte die Dividendenpolitik der börsennotierten Unternehmen in den kommenden Monaten verstärkt in den Fokus der Anleger rücken. „Investoren werden genau beobachten, wie die Konzernlenker mit der Gewinnausschüttung umgehen“, prognostiziert Weber.
Aktionäre werden vermehrt hinterfragen, ob die Unternehmen bei ihren Dividendenkürzungen das richtige Maß gefunden haben. „Ein zu forscher Sparkurs bei den Ausschüttungen könnte auf Unverständnis und Unmut bei den Anlegern stoßen“, warnt der Finanzexperte.
Andererseits müssten die Vorstände aber auch sicherstellen, dass ihre Unternehmen über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, um notwendige Investitionen stemmen und wettbewerbsfähig bleiben zu können. „Es gilt, hier den richtigen Ausgleich zu finden“, so Weber.
Entscheidend werde sein, wie transparent und überzeugend die Unternehmen ihre Dividendenpolitik gegenüber den Aktionären kommunizieren. „Je besser die Konzerne die Hintergründe und Beweggründe für ihre Ausschüttungsentscheidungen erklären können, desto eher werden die Anleger diese auch akzeptieren“, ist der Dekabank-Experte überzeugt.
Insgesamt zeichnet sich also eine gespaltene Entwicklung bei den Dividenden deutscher Börsenschwergewichte ab. Während die Dax-Konzerne ihre Ausschüttungen voraussichtlich reduzieren müssen, dürften die Aktionäre der mittelgroßen MDax-Unternehmen im Schnitt sogar etwas mehr Dividende erhalten. Die Dividendenpolitik der Unternehmen wird die Anleger in den kommenden Monaten jedoch in jedem Fall intensiv beschäftigen.
