Armut in Europa steigt

Armut in Europa steigt

Eine Studio der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaft zeigt die Folgen der Finanzkrise, wobei sich drei Aussagen herauskristallisieren: Die Armen in Europa werden immer ärmer. Große Teile des Mittelstands verschwinden in der Armut. Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa steigt. Die Studie basiert auf Befragungen von 42 Landesorganisationen.

Soziale Situation in Europa

In vielen europäischen Ländern müssen Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden, wie in Österreich durch die Einrichtung „Tafel Österreich“. Nach Geschäftsschluss am Samstag werden von Lebensmittelketten und Einzelhändlern verderbliche Lebensmittel und Spenden vom Roten Kreuz abgeholt und bei der Tafel Österreich an Bedürftige verteilt. An Bedürftige, von denen es immer mehr gibt. In den letzten drei Jahren stieg in 22 europäischen Ländern die Nahrungsmittelausgabe um 75 Prozent. Die Lebensmittelausgabe erfolgte an 43 Millionen Menschen, die sich Nahrungsmittel nicht mehr leisten können. Weitere 120 Millionen sind armutsgefährdet, wie die Studie belegt. Doch nicht nur Lebensmittel können nicht mehr gekauft werden, auch Strom und Heizmaterial kann nicht mehr bezahlt werden. Im kommenden Winter bleiben in Europa viele Wohnungen unbeheizt. Und es ist keine Besserung in Sicht. Die Kosten steigen generell schneller als die Löhne. In Spanien etwa stieg der Strompreis um 50 Prozent, die Löhne hinken weit hinterher. In vielen Ländern verschwindet der Mittelstand und steht am Rande der Armut. In Kroatien, Serbien und Rumänien gehörten vor 5 Jahren noch 20 Prozent der Bevölkerung dem Mittelstand an, heut nur noch 10 Prozent.

Situation in Deutschland

Innerhalb von 15 Jahren sind in Deutschland 5,5 Millionen Menschen vom Mittelstand in die Armut gerutscht. Nur 58 Prozent gehören noch dem Mittelstand an. Den Sprung aus dem Mittelstand in Richtung Großverdiener hingegen haben lediglich eine halbe Million Deutsche geschafft. In der Bundesrepublik, so die Studie des Roten Kreuzes, steigt die Zahl der Niedriglohnverdiener. Inzwischen gehört ein Viertel der Deutschen dazu. Dabei handelt es sich um Menschen, die trotz Arbeit und Entlohnung sich den Lebensunterhalt nicht mehr leisten können. Allein im August 2012 mussten 600.000 Deutsche trotz Arbeit und Sozialversicherung um Hilfe ansuchen. 1,22 Millionen Menschen in Deutschland können nicht mehr vom Lohn ihrer Arbeit leben. Armut in Deutschland beginnt mit einem Mindesteinkommen von 869 Euro monatlich für eine Einzelperson, mit 1.826 Euro für Familien mit zwei Kindern. Regional sind Armut und Armutsgefährdung unterschiedlich verteilt. In Mecklenburg-Vorpommern und Bremen zeigt sich Armut besonders häufig, wesentlich geringer in Baden-Württemberg und Bayern. Den stärksten Anstieg von Armut musste seit 2010 in Nordrhein-Westfalen und in Berlin verzeichnet werden. Auf Städte bezogen, ist in Dortmund, Leipzig und Duisburg jeder Vierte von Armut bedroht. Bis auf Hamburg, Dresden und Nürnberg ist die Zahl der Armutsgefährdeten seit 2010 gestiegen.

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