Ausblick 2020: Wie entwickelt sich die Weltwirtschaft?

Ausblick 2020: Wie entwickelt sich die Weltwirtschaft?

Die Aussichten für die Weltwirtschaft zeigen in verschiedene Richtungen. Bislang haben die Zentralbanken im Laufe dieses Jahres die Verlangsamung des Wachstums abwenden können. Kommt es nicht zu unerwarteten Schocks, rechnen wir damit, dass die Zentralbanken in den USA und im Euro-Raum in der Lage sein werden, 2020 das Wachstum zu stabilisieren, bis die fiskalischen Programme später im Jahr vermehrt eingesetzt werden.

China sollte die Entspannungsphase im Handelskonflikt mit den USA nutzen, um sich auf Reformen im Inland konzentrieren, falls der Streit nach den US-Präsidentschaftswahl 2020 wieder aufflammt.

Nach jahrelangem politischem Gerangel steigt die Hoffnung, dass der parlamentarische Stillstand, der die Brexit-Debatte beherrscht hat, durch eine klare Mehrheit behoben werden kann.

Auch im kommenden Jahr sollten Aktien besser abschneiden als Anleihen, auch wenn der Weg durch den Übergang von der Geld- zur Fiskalpolitik etwas holprig sein könnte.

Ein schwächerer US-Dollar sollte die Anleger veranlassen, nach neuen Gelegenheiten außerhalb der USA zu suchen. Die Wahrscheinlichkeit eines stärkeren Pfunds nach den britischen Wahlen dürfte binnenmarktorientierte KMUs begünstigen, denn gezielte fiskalpolitische Maßnahmen dürften für Großbritanniens Wachstum als Treiber fungieren. Dabei sollten sowohl britische als auch europäische Aktien von der fiskalpolitischen Dynamik in Kontinentaleuropa profitieren.

Anleihenanleger sollten in ihren Portfolios einen risikobewussten, auf Kapitalschutz ausgerichteten Ansatz einnehmen und sich auf Volatilität gefasst machen, statt wie in jüngsten Jahren auf Renditejagd gehen. Wir erwarten aber, dass die Zentralbanken eine Stabilisierung der anhaltenden Ausweitung der Renditeaufschläge anstreben, zumindest bis die fiskalpolitische Dynamik zu greifen beginnt.

Angesichts der praktisch auf historischen Tiefstständen liegenden Renditen sollten sich die Anleger in entferntere Gefilde wagen und im nächsten Jahr eine breitere Diversifikation in risikoärmere Werte – wie Gold und sichere Währungen – vornehmen.

2020 dürften sozial verantwortliche Anlagen weltweit weiter an Reichweite und Bedeutung gewinnen. Namentlich Impact-Anlagen, die sich 2019 in den Industrieländern einer weitläufigen Verbreitung erfreuten, sollten auch in den Schwellenländern Fuß fassen. Ebenso dürften umfassendere ESG-Praktiken eine größere Rolle in den Anlagestrategien spielen und es den Investoren ermöglichen, maßgeschneiderte Portfolios zu erarbeiten, die nicht nur ihre Ertragsziele, sondern auch ihre persönlichen Wertvorstellungen erfüllen.

China

Der Handels- und strategiebedingte Konflikt mit den USA belastet China nach wie vor. Gleichzeitig beschleunigte er die wirtschaftliche Transformation im Reich der Mitte. Die Anleger sollten sich an den chinesischen Entscheidungsträgern orientieren und sich auf Technologie, Gesundheit und Versicherungen konzentrieren sowie über A-Aktien Chancen nutzen.

Außerdem sollten sich die Anleger an Pekings langfristige politische Initiativen halten. Dieser Ansatz hat sich seit den 1980er Jahren als erfolgreich erwiesen, als das Reich der Mitte sich vermehrt auf den Ausbau seiner Infrastruktur konzentrierte und seine Transformation von einer Exportnation zu einer aufsteigenden Konsummacht begann.

Britische Aktien

Nach der jahrelangen politischen Krise scheint sich Großbritannien nun endlich aus dem Brexit-Chaos zu befreien. Dies reduziert die Ungewissheit für die Anleger und Wirtschaft gleichermaßen. Die britischen Unterhauswahlen dürften das politische Umfeld stabilisieren, sofern die Konservativen die Mehrheit erlangen. Das Pfund und Aktien von binnenmarktorientierten Unternehmen dürften von einem solchen Szenario profitieren. Zudem würden eine stabilere Währung, höhere Konsumausgaben und eine stärkere Wirtschaftstätigkeit im Inland Branchen wie Einzelhandel, Immobilien, Finanzdienstleistungen und Fluggesellschaften stützen.

Fintech

Noch sind die Adoptionsraten in der Fintech-Sparte mit 33% relativ niedrig, doch weist sie rapides Wachstum und hohes Potenzial auf. Wir sind der Ansicht, dass der Zahlungsverkehr den vielversprechendsten Bereich darstellt. Sein langfristiger Aufwärtstrend wird zusammen mit einer Margenverbesserung die Rentabilität der wichtigsten Akteure beflügeln. Noch werden geschätzte 85% der weltweit getätigten Zahlungen in bar oder mit Schecks beglichen; es besteht also enormes Aufholpotenzial. Darüber hinaus sollte Fintech den globalen elektronischen Handel fördern und zugleich von einer höheren Durchdringungsrate profitieren, deren Anteil am Gesamtumsatz bis 2021 von 12% auf geschätzte 18% wachsen dürfte.

Anleihen

Derzeit weisen Anleihen im Wert von nahezu USD 13 Billionen negative Renditen auf, während die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg mit der 2-Prozent-Marke liebäugeln. Festverzinsliche Schuldtitel sind nicht mehr die risikoarmen Anlagen, die sie einst waren.  Erfreulicherweise gibt es für Anleihenanleger – auch in EUR und CHF – immer noch Gelegenheiten, Risiken zu steuern und bescheidene Erträge zu erzielen, obwohl langfristige Gefahren in diesem Segment lauern.
Diese Situation an den weltweiten Anleihenmärkten hat zwei Ursachen: Erstens wurden in großen Teilen Europas und in Japan negative Einlagensätze eingeführt. Zweitens haben die amerikanische Federal Reserve, die EZB und die Bank of Japan seit der globalen Finanzkrise allein über die quantitative Lockerung nahezu USD 10 Billionen Liquidität in diese Märkte gepumpt.

Devisen

Der Aufwärtstrend des US-Dollars nähert sich seinem Ende – er dürfte 2020 moderat abwerten. Traditionell als sichere Häfen geltende Währungen wie JPY und CHF dürften sich gut entwickeln. Der EUR/USD-Kurs dürfte langsam steigen, während der schwächelnde chinesische Yuan die asiatischen Währungen belasten könnte.
Wir erwarten, dass die Fed ihre Zinssenkungen fortsetzen wird, da der US-Dollar und die Inflation 2020 weiter sinken sollten. Außerdem könnte die Währungshüterin auch ihr QE-Programm wiederaufnehmen. Zusammen mit der Wiederaufnahme der Anleihenkäufe könnten also niedrigere Zinsen den US-Dollar belasten.

Rohstoffe

Westliche Zentralbanken verlassen sich stark auf Anleihenkäufe zur Stabilisierung der Weltwirtschaft. Derweil könnten Goldanleger sowohl von zusehends negativen Realzinsen als auch von der anhaltenden geopolitischen Ungewissheit profitieren. Volatilere Devisenmärkte werden den Goldpreis beflügeln, vor allem falls einige wichtige Zentralbanken zur Abschwächung der einheimischen Währung intervenieren.

US-Politik

Die näher rückende Präsidentschaftswahl in den USA könnte zum Schauplatz für einen Umbruch in der Innen- und Außenpolitik werden, unabhängig davon ob Trump im Amt bleibt oder die Demokraten die Macht übernehmen. Selbst wenn die Feuerpause im Handelskrieg mit China anhält, könnten andere Themen wie die Reform des Steuer- und Wettbewerbsrechts in den Vordergrund rücken, und sich auf den US-Aktienmarkt auswirken.

ESG-Anlagen

Anleger haben erkannt, dass Unternehmen, die bewährte ESG-Praktiken anwenden, besser positioniert sind, um künftige Herausforderungen zu meistern und bessere Geschäftsresultate erzielen. In den großen Regionen konzentrieren sich die Regierungen mehr und mehr auf Regulierungen, welche Nachhaltigkeit miteinbeziehen. Unternehmen, die den ESG-Zug verpassen, werden nicht nur im Widerspruch mit den Anliegen der Investoren stehen, sondern auch zusehends gegen neue Vorschriften verstoßen.

In einer sich immer schneller wandelnden Welt können nachhaltige Investitionen der Identifizierung von neuen Anlagechancen dienen. Elektro-Autos, nachhaltige Landwirtschaft und Finanzdienst-leistungen in Schwellenländern sind nur einige Beispiele großer Branchen, die einen Teil ihres Erfolges den Anstrengungen der Unternehmen verdanken, nachhaltiger zu werden.

Impact-Anlagen

Börsennotierte Unternehmen, die aufgrund ihrer Geschäftstätigkeit zur Lösung der dringlichsten Probleme unserer Zeit beitragen, weisen oft auch überdurchschnittliche Wachstumsaussichten auf. Das Global Impact Investing Network schätzt, dass heutzutage mehr als 500 Milliarden US-Dollar im Rahmen von Impact-Mandaten verwaltet werden. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Obwohl notierte Aktien nur einen geringfügigen Anteil ausmachen, stellen sie einen wichtigen Bestandteil dieses Wachstums und spiegeln damit die steigende Nachfrage nach Anlageklassen wider, die nicht nur einen finanziellen Mehrwert abwerfen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen