Michael Grolm, der AbL-Vorsitzende für Mitteldeutschenland, lobte die Stadt Erfurt als „eine der fortschrittlichen Städte“. „Andere Städte haben sich mit diesem Thema noch gar nicht befasst. Der Biostadt Erfurt steht das sehr gut zu Gesicht“, sagte er. Grolm war Mitglied der von der Stadt initiierten Arbeitsgruppe. Er überreichte Oberbürgermeister Bausewein einen Kriterienkatalog, nachdem bei der Vergabe von Pachtland nicht mehr ausschließlich der Meistbietende zum Zuge kommen soll. In einem Punktekatalog spielen auch Kriterien „Regionale Herkunft“, „Gentechnikfreiheit in der Fütterung“, „Ökologische Bewirtschaftung“ und „Flächengebundene Tierhaltung“ eine Rolle. Kleinere Betriebe und Existenzgründer aus der Region sollen so eine Chance gegen finanzstärkere Großbetriebe bekommen. Betriebe, die nicht eigenständig geführt würden oder Bestandteil einer Holding seien, sollten kein Gemeindeland verpachtet bekommen, so die Forderung der AbL.
Oberbürgermeister Andreas Bausewein erklärte, dass ein Großteil der Kriterien aus seiner Sicht in eine Neuregelung bei der Pachtvergabe kommunaler Flächen einfließen könnte. Er versprach, dass die Arbeitsgruppe im März ihre Arbeit wieder aufnimmt. Durch die Kommunalwahl habe es vorrübergehend eine Pause gegeben. Bis Herbst könnte der städtische Kriterienkatalog für die Vergabe von Pachtland stehen. „Wir machen das rund“, sagte er.
Die Stadt Erfurt hat rund 1.080 Hektar Ackerland in ihrem Besitz. Die meisten Flächen sind allerdings langfristig verpachtet. Bisher gab es bei Vertragsablauf eine automatische Verlängerung. „Diese Regelung sollten wir überdenken“, sagte Bausewein. „Wir werden auch prüfen, ob wir als Stadt nicht Agrarflächen aufkaufen können, wenn diese zu bezahlbaren Preisen angeboten werden. Das hängt allerdings immer von unserer Haushaltslage ab.“ Diese Flächen könnten dann an kleine, ökologisch wirtschaftende Betriebe verpachtet werden.

