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Berlin: Die Hauptstadt wächst, aber auch die Fluktuation verstärkt sich

Die Entwicklung Berlins wird in den letzten Jahren oft mit Begriffen wie Zuzug, Wachstum und Gentrifizierung beschrieben. Das Magazin rbb|24 hat die Bilder von Google Street View aus 2008 zum Anlass genommen, um zu überprüfen, ob diese Veränderung in Berlin auch faktisch existiert.

Veränderungen gehören zu Städten

Jeder weiß, dass sich das Wesen von Orten und Städten stets verändert und vor allem in Berlin macht es den Eindruck, dass sich in den letzten 10 Jahren besonders viel getan hat. Bereits eine kurze Zeitreise ins Jahr 2008 ist ausreichend, um festzustellen, dass Baulücken und Kieze erschlossen, Parks eröffnet und Eis- oder Shisha-Bars eröffnet wurden. Kurz gesagt, die Stadt wird voller und das bedeutet, dass zwischen 2008 und 2018 die Einwohnerzahl in Berlin um rund 10 % gewachsen ist. In 2008 lebten 3,36 Mio. Menschen, während in 2017 bereits mehr als 3,7 Millionen in Berlin beheimatet waren. Vor allem der Anteil der Menschen mit einem „nicht deutschen“ Pass trug zum Anstieg der Berliner Bevölkerung bei. Lebten vor 10 Jahren 470.004 Ausländer in Berlin, so betrug die Zahl in 2017 711.282, während die Zahl der Deutschen in der Bundeshauptstadt nahezu stabil blieb. Seit 2008 wurden in den Top fünf der Kieze die meisten Wohnungen gebaut und diese liegen im Osten der Stadt. Mit 1.488 Wohnungen führt Pankow Zentrum die Liste an, gefolgt von Pankow Süd (1.391), dem Bereich um die Invalidenstraße (1.190) und dem Viertel der Leipziger Straße (1.133) sowie dem Charitéviertel (1.026). Nur in wenigen Gegenden wurden es weniger Wohnungen.

Wohnungsbau in Berlin: viele Projekte werden nicht realisiert

Nicht nur die Einwohnerzahl von Berlin stieg seit 2008, sondern auch die Gesamtzahl der Wohnungen, die seit 2008 fertiggestellt wurden, stieg jährlich. 2008 waren es noch 3,833 Wohnungen und 2017 konnten bereits 15.669 an die neuen Bewohner übergeben werden – dies entspricht rund dreimal mehr neuen Wohnungen innerhalb von rund 10 Jahren. Doch damit ist die Wohnungsnot in Berlin noch nicht gebannt, denn es werden rund 20.000 neuen Wohnungen benötigt, doch „nur“ 15.000 werden gebaut, während 60.000 genehmigt sind. Kurz gesagt, die Wohnungsnot in Berlin wäre halb so schlimm, wenn alle genehmigten Wohnungen gebaut würden. Doch eben das ist nicht der Fall – auch aufgrund der Bauland-Spekulanten. Einige Projekte sind zum Teil seit Jahren genehmigt und nach einer aktuellen Studie der landeseigenen Förderbank IBB ist es möglich, direkt mit dem Bau von 58.460 Wohnungen zu beginnen. Dies wäre fast schon ausreichend, um den aufgestauten Wohnungsbedarf infolge des Zuzugs der letzten Jahre zu decken. Dieser wird vom Senat auf 70.000 Wohnungen beziffert. Nicht einmal im Bau-Boom der 1990er Jahr, vor dem Umzug der Bundesregierung, gab es einen solchen „Bauüberhang“. Aber dennoch stieg der Überhang in 2017 erneut um 15 % und die Volkswirte der IBB erklären dies mit „Fachkräftemangel und fehlenden Kapazitäten“ in der Bauwirtschaft. Allerdings verwundert dieser Anstieg des Bauüberhangs, da in Berlin im vergangenen Jahr weniger Wohnungen genehmigt wurden, als in 2016. Der Generalsekretär der Berliner CDU, Stefan Evers erklärt, dass man Verständnis dafür habe, das die Baugenehmigungen nicht genutzt werden. Der Anteil der spekulativ gehaltenen Bauflächen wächst laut Susanne Klabe, Chefin des Wohnungsverbandes BfW Berlin-Brandenburg. Der Grund ist, dass diese mehrmals über den Markt laufen, da sie niemand haben will, der über regionales Wissen verfügt und dort baut, da sie zu teuer und von schlechter Qualität sind.

Berlin wächst, doch viele Menschen ziehen auch ab

Die Stadt wächst, doch es ist ein Kommen und Gehen in Berlin. Viele Menschen verlassen die Metropole und dabei handelt es sich um einen Exodus, der wenig betrachtet wird. Es gibt langfristig gesehen einen deutlichen Trend: 1991 zogen rund 83.000 Menschen aus Berlin weg und in 2017 waren es rund 145.000. Die Fluktuation ist einmal größer und mal geringer. Schon lange wird die Zuwanderung nach Deutschland und seiner Hauptstadt systematisch erfolgt. Doch über die Berliner, die abwandern, gibt es wenig Wissen. Eine Umfrage des Instituts Forsa gibt einen Hinweis auf die Motivlage derjenigen, die aus Berlin abziehen. So wurde die Frage „Leben Sie gern in Berlin?“ Von 30 % der Befragten verneint. Es hat den Anschein, dass Berlin eine Gewöhnungssache ist. Die Menschen die an Spree und Havel geboren wurden oder vor dem Mauerfall nach Berlin kamen, weisen ein deutlich besseres Verhältnis zu der Stadt auf. Von dieser Gruppe leben nur rund 24 % nicht gern in Berlin. Doch 44 % der Menschen, die nach 1999 nach Berlin kamen, fühlen sich dort nicht besonders wohl.

Die Gründe für den Umzug sind vielfältig

Sicherlich ist es nicht nur eine Frage des Wohlbefindens, um an einen neuen Wohnort zu ziehen. Denn es kann auch berufliche, familiäre oder soziale Gründe haben. Auch die Wanderungsstatistiken sind nur spärliche Hinweise, warum ein Berliner die Stadt verlässt. Beispielsweise ist bekannt, das von den ausländischen Mitbürgern nur wenige in andere Bundesländer wechseln oder ins Umland, sondern oft Deutschland verlassen und in ihren Heimatstaaten emigrieren. Dabei ist die Fluktuation besonders hoch, denn 10% der Berliner mit einem „nicht deutschen“ Pass verlassen jährlich die Hauptstadt. In 2017 waren es rund 65.000, doch neue kommen hinzu und das sind mehr als fortziehen. So hat sich der Ausländeranteil in Berlin seit der Wende von 10,3 % auf 19,2 % erhöht.

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