Berlin – Wurde bereits im Jänner 2013 aufgezeigt, dass der Bierkonsum in Deutschland im Jahr 2012 stark gesunken ist, hat sich die Situation nicht geändert. Im ersten Halbjahr 2013 ist der gesamte Bierabsatz gegenüber dem Vergleichszeitraum 2012 um 4,9 Prozent gesunken. 2,4 Millionen Hektoliter Bier wurden weniger abgesetzt. Der Inlandsabsatz sank im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 um 4,8 Prozent auf 38,5 Hektoliter. Ob sich der Geschmack in Deutschland geändert hat, lässt sich schwer sagen. Experten sehen den Grund für den Konsumrückgang darin, dass die Biere zum Billigprodukt degradiert wurden. Dass die Theorie stimmen könnte, beweisen immer mehr kleine Brauereien, die mit innovativen Geschmacksideen und speziellen Bierkreationen erfolgreich durchstarten.
Kontra der großen Brauereien
Viele große Brauereien versuchen sich von der Konkurrenz zu unterscheiden, um auf dem immer kleiner werdenden Biermarkt nicht unterzugehen. Neu ist dabei, den Markennamen nicht nur am Etikett oder am Kronkorken lesbar zu machen, sondern ihn vom Konsumenten auch erfühlen zu lassen, direkt am Glas, direkt am Flaschenhals, eingraviert, verewigt. Eine Belastung für Abfüller und Umwelt, wie Frank Tichelkamp von der Königshof Brauerei findet: „Die Anzahl der Flaschen, die wir direkt säubern und wiederverwenden können, wird immer geringer.“ Früher wurde in Einheitsflaschen abgefüllt, eine Sortierung war nicht notwendig. Bei der Individualflasche muss zwischen den Herstellern unterschieden werden. In der Königshof Brauerei werden verschiedene Biere abgefüllt, die Eigenmarke macht lediglich 40 Prozent des Bierausstoßes aus. „Wir mussten in teure Sortieranlagen investieren, die diese Flaschen herausfiltern“, ärgert sich Tichelkamp. Für die Brauerei war die Lohnfüllung ein lukratives Geschäft, jetzt wird durch die Einführung der Individualflasche gegen Kosten gekämpft.
Kosten über Kosten bei weniger Bierkonsum
Ob die Flasche mit der Namensprägung die Lösung ist, sich von der Konkurrenz abzuheben, wird sich weisen. Gerade in einer Zeit, in der der Markt am Schrumpfen ist, werden die Kosten für die Sortierung für Abfüller zum Problem. Mit steigenden Kosten, die einem geringeren Absatz gegenüberstehen, kämpfen aber auch die großen Brauereien. Höhere Rohstoffpreise, Energiekosten und Preise für Glas veranlassen die Brauereien zum Handeln. Bier wird deshalb auch teurer. Bitburger, Krombacher und Radeberger werden ihre Abgabepreise an ihre Geschäftspartner aus dem Handel und der Gastronomie erhöhen, ab 1. Oktober beziehungsweise ab 1. November. Für Kenner der Brauszene kann die Preiserhöhung aber auch eine Wende am Biermarkt bedeuten. Bier stand stets im Lebensmittelhandel im Zentrum von Sonderangeboten und Aktionen, das führte dazu, dass der Großteil aller verkauften Bierkästen als Aktionsware über den Ladentisch ging. Durch die Preiserhöhung könnte sich die Situation ändern, meinen Experten.
