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Unternehmen kritisieren Tempo in Verwaltungen und Abgaben

Die Unternehmen aus der Region Stuttgart attestieren ihren Standorten eine durchaus passable Wettbewerbsfähigkeit. Fast 60 Prozent der Betriebe halten ihren hiesigen Standort für sehr gut oder gut gerüstet für den Standortwettbewerb. Gut ein Drittel der Betriebe bewertet die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit seines Standortes noch als befriedigend bis ausreichend. Knapp sieben Prozent der Unternehmen sind dagegen unzufrieden (Note 5 bzw. 6). Daraus ergibt sich eine Gesamtnote von 2,5.

Dies zeigt die aktuelle Studie „Wie attraktiv sind Standorte in der Region Stuttgart?“, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Region jetzt vorgelegt hat und an der sich rund 1.300 Unternehmen beteiligt haben. Die Unternehmen haben zudem die Bedeutung der einzelnen Standortfaktoren und deren Qualität bewertet.

„Aus Sicht der Unternehmen ist die Region nach wie vor ein wettbewerbsfähiger und attraktiver Wirtschaftsstandort“, so IHK-Präsident Georg Fichtner. „Die Ergebnisse im Detail zeigen aber, dass wir uns auf diesem Erfolg nicht ausruhen dürfen.“ Am positivsten fällt die Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit für die Landeshauptstadt Stuttgart (2,3) aus. Bei den Landkreisen führen Ludwigsburg (2,4) und Böblingen (2,5). Die Konkurrenzfähigkeit von Standorten in den Landkreisen Rems-Murr und Esslingen werden als etwas ungünstiger als im Durchschnitt eingeschätzt. Deutlich schlechter schneidet der Landkreis Göppingen ab (2,9).

Bei den Städten bescheinigen die Unternehmen Bietigheim-Bissingen, Eislingen/Fils Ludwigsburg, Herrenberg und Waiblingen eine überdurchschnittlich gute Wettbewerbsfähigkeit. Leonberg, Esslingen, Göppingen und Nürtingen schneiden im Durchschnitt schlechter ab. Schorndorf erhält gerade noch ein „Befriedigend“. Noch schlechter steht es aus betrieblicher Perspektive um die Konkurrenzfähigkeit von Geislingen an der Steige im Standortwettbewerb (3,8).

Zu den Stärken der Region zählt laut den Unternehmen die Versorgungssicherheit bei der Energieversorgung. Die hohen Energiepreise bewerten die Unternehmen jedoch schon heute als Standortnachteil. Hier gilt es im Zuge der Energiewende dafür zu sorgen, dass diese nicht ins unermessliche steigen. Das positive Image als einer der wirtschaftsstärksten Ballungsräume Deutschlands sowie die hohe Kaufkraft der Bevölkerung sind weitere Standortvorteile der Region.

Das Niveau kommunaler Abgaben und Gebühren wird von den Unternehmen jedoch als zu hoch bemängelt. Ebenso beim Bereich Verwaltung und Wirtschaftsförderung bleibt der Zufriedenheitswert klar hinter der durchschnittlichen Zufriedenheit; die Unternehmen sind vor allem vom Tempo bzw. vom Umfang beim Abbau von Verwaltungsauflagen enttäuscht. Auch die Verfügbarkeit von Fach- und Führungskräften in der Region Stuttgart wird als Standortschwäche gesehen. Die Entwicklung der Zahl der Erwerbstätigen verlief trotz guter Verdienstmöglichkeiten und einer stabilen, positiven Arbeitsmarktentwicklung in den meisten anderen Großstadtregionen sehr viel dynamischer. Mit der Leistungsfähigkeit des öffentlichen Personennahverkehrs sind die Betriebe im Landkreis Göppingen merklich unzufriedener als in allen anderen Regionsbezirken. Ein Grund hierfür könnte der fehlende Anschluss an das regionale S-Bahnnetz sein.

Laut Umfrage möchten fast 40 Prozent aller Unternehmen in den kommenden vier Jahren ihren Standort in der Region Stuttgart modernisieren oder erweitern und werden somit weiter in ihren hiesigen Standort investieren. Die insgesamt eher bescheidenen Zufriedenheitswerte der Standortfaktoren zeigen aber auch, dass Handlungsbedarf besteht. Fichtner empfiehlt den Kommunen ihre gute Einnahmesituation für eine strikte Konsolidierungspolitik zu nutzen, eine engere Kooperation mit den Unternehmen vor Ort zu pflegen, die Bereitstellung von Gewerbeflächen zu befördern sowie in Verkehrsinfrastruktur und Kinderbetreuung zu investieren.

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