Berlin – Es scheint, bedingt durch die Krise in Europa, ein günstiger Zeitpunkt für chinesische Investoren zu sein, in Europa Fuß zu fassen. Direktor Chen Xin vom Europäischen Institut der Chinese Academy of Social Sciences betonte dazu, dass besonders die traditionellen Märkte Frankreich, Großbritannien und Deutschland für die Chinesen interessant seien.
Chinesisch-deutsche Wirtschaftsbeziehungen
Die Jahre 1972 bis 2012 erzählen in der wirtschaftlichen Beziehung der zwei Staaten eine Erfolgsgeschichte. 1972 wurden Waren im Wert von 270 Millionen US-Dollar aus Deutschland nach China exportiert, im Jahr 2012 im Wert von 66,6 Milliarden US-Dollar. In Europa gilt Deutschland als stärkster Handelspartner Chinas, weltweit liegt die Bundesrepublik auf Platz 6. Umgekehrt importiert Deutschland aus China mehr Waren als exportiert wird. Jährlich konnte sich jedoch in den letzten 40 Jahren das Defizit aus dem bilateralen Handel verringern. 2012 betrug es 10,7 Milliarden US-Dollar. Die Investitionen deutscher Unternehmen in China betrugen 2011 gesamt 27 Milliarden Euro. Über 5.000 deutsche Unternehmen sind in China tätig. Umgekehrt belaufen sich die Investitionen chinesischer Unternehmen in Deutschland auf rund 2 Milliarden Euro. Tätig sind in Deutschland etwa 900 chinesische Unternehmen. Bei den Gesprächen zwischen dem damaligen Ministerpräsidenten Chinas und Bundeskanzlerin Angela Merkel im August 2012 wurden 17 Kooperationsvereinbarungen getroffen, die in erster Linie die Wirtschaftsbeziehungen betreffen.
Geldfluss in Europa behindert
Die Staatsschulden und der langsame wirtschaftliche Aufschwung behindern nach wie vor den Geldfluss in Europa. Für Unternehmen ist es nicht leicht, Kredite für Investitionen zu erhalten. Deshalb sei jetzt genau der richtige Zeitpunkt für chinesische Investoren, meinte Tong Jisheng, Manager der Shanghai Construction Group. Damit chinesische Unternehmen leichter in Europa investieren können, will die EU einen einfacheren Zugang zum europäischen Markt gewähren. Zunächst muss jedoch ein neues Handelsabkommen erreicht und die Beziehungen verbessert werden. Die Handelsbeziehung zwischen der EU und China sind seit dem Import billiger Solarmodule seit Juni 2013 getrübt. Doch die Investitionsfreudigkeit der Chinesen ist groß, besonders beliebt sind Technologieunternehmen und Immobilien. So will sich die Bejing Construction Engineering Group mit rund 200 Millionen Dollar am Umbau des United Kingdom Manchester Airports beteiligen. Pascal Gondrad, französischer Investmentberater in China, ist überzeugt, dass auch die chinesische Klein- und Mittelunternehmen verstärkt in Europa investieren werden. Momentan ist Frankreich noch das Lieblingsland der Chinesen für Investitionen, denn 21 Prozent der werden in Frankreich getätigt. Auch Großbritannien ist begehrt. Auf der britischen Insel landeten 16 Prozent der chinesischen Investitionen, in Deutschland 7 Prozent. Die Gesamtsumme der chinesischen Investitionen in Europa betrug 2011 rund 3,2 Milliarden Euro. Die Schwerpunkte in Deutschland liegen dabei im Maschinenbau, der Elektronik und bei Konsumgütern.
