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Coronakrise: Firmen- und Privatinsolvenzen nehmen zu

In den vergangenen Jahren erlebte die Konjunktur einen Auftrieb und immer weniger Verbraucher mussten die Private Insolvenz anmelden. Doch dieser Trend dürfte sich in diesem Jahr nicht fortsetzen.

Immer mehr Bürger geraten in finanzielle Schieflage

Nahezu jeder wird aufgrund der Corona-Krise auf eine harte Probe gestellt, doch für viele wird es zu einer Frage der Existenz. In jedem Fall werden die finanziellen Auswirkungen vielen den Job kosten, womit Haushalte und Verbraucher in die finanzielle Schieflage geraten. Denn mit dem Verlust des Arbeitsplatzes oder durch Kurzarbeit, wird es mit der Zahlung von Zins und Tilgung schlecht aus.

Kurz gesagt, die Wirtschaft wird von dem Corona-Virus stark belastet, wobei niemand bisher die Auswirkungen abschätzen kann. Es wird von Experten davon ausgegangen, dass es in diesem Jahr aufgrund der Pandemie wieder mehr Privatinsolvenzen geben wird. Gegenwärtig wird mit einem Anstieg von 10% gerechnet.

Aktuell gelten rund 6,8 Mio. Bürger als überschuldet und können ihren finanziellen Verpflichtungen kaum noch bedienen. Bei diesen Personen sorgt der Schock auf der Einkommensseite für ein erhöhtes Risiko, eine Privatinsolvenz anmelden zu müssen. Die Krise am Arbeitsmarkt wird massive Einschnitte mit sich bringen. Der Haupttreiber für eine Privatinsolvenz die Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Verschlechterung des Einkommens. Verbraucher die in die Arbeitslosigkeit geraten, müssen weiterhin die bestehenden Kosten schultern und das mit weniger Geld. Doch nicht nur die Arbeitslosigkeit wird die Zahl der Privatinsolvenzen erhöhen, sondern ebenfalls die Kurzarbeit.

Deutsche Bürger werden weniger Geld in den Taschen haben

Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit – beides hat zur Folge, dass die Menschen weniger Geld in den Taschen haben, um ihren Verpflichtungen wie Mietzahlungen, Kreditzahlungen oder Finanzierungen nachzukommen. Weniger Einkommen wird auf die Dauer erst in die Überschuldung und dann in die Privatinsolvenz führen.

In den vergangenen Jahren hatten weitaus weniger Menschen Privatinsolvenz angemeldet. So verringerten sich die privaten Insolvenzen in 2019 um 2,4 Prozent und damit zum neunten Mal in Folge. Im vergangenen Jahr gab es 86.838 Privatinsolvenzen in Deutschland und damit so wenige wie seit 2004 nicht mehr. Die Fallzahlen sind um 37,5 Prozent im Vergleich zum Rekordjahr 2010 gesunken. In dem Jahr meldeten 13,9.110 Privatpersonen Insolvenz an. Vor allem führen die Experten den Rückgang der Privatinsolvenzen auf die solide Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung bei den Verbrauchern zurück.

Hilfe für Kreditnehmer: Ein Aufschub

In der Zeit der Corona Krise können laufende Kredite für die Verbraucher zu einer schweren Belastung führen. Vom 01. April an sollten die Finanzinstitute den Kunden, die aufgrund der Pandemie in Not geraten (sind), die Zahlung von Zins, Tilgung oder Rückzahlung von Verbraucherkrediten für drei Monate stunden.

Dabei handelt es sich allerdings nur um eine Akutmaßnahme, von der die Schulden keineswegs weggezaubert werden. Als Erstes wird dazu geraten, die staatlichen Transferleistungen zu prüfen, wie bspw. Mietzuschüsse. Die Stundung der Verbraucherkredite, die vom 01. April bis Ende Juni gilt, ist ausschließlich für die Kredite, die vor dem 15. März aufgenommen wurden. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) erklärt, dass diese drei Monate wahrscheinlich zu kurz sind und man hoffe, dass es eine Nachjustierung geben wird.

Allerdings wird die Möglichkeit, sich freiwillig mit den Kreditinstituten in Verbindung zu setzen, um eine andere Regelung zu treffen, als kritisch angesehen. Denn die Gefahr die hier gesehen wird, ist, dass Verbraucher schlechter gestellt werden. Zudem wird dazu gemahnt, dass Verbraucher die in Not geraten sind, sich bei Problemen mit Zins und Tilgung von Krediten direkt mit der Bank bzw. den Kreditinstitut in Verbindung setzen. Keinesfalls sollte es ausgesessen werden. Darüber hinaus gilt diese Regelung ausschließlich für diejenigen, die aufgrund der Krise in Schwierigkeiten geraten sind und das müssen die Betroffenen im Zweifel nachweisen.

Wie werden Mieter geschützt?

Vermieter haben das Recht, das Mietverhältnis zu kündigen, sobald zwei Monate in Folge keine Miete gezahlt wird. Doch jetzt sind Kündigen verboten, sofern Einkommensausfälle dazu führen, dass der Mieter seinen Zahlungen nicht nachkommen kann. Dies soll zunächst für Mietschulden aus dem Zeitraum vom 01. April bis 30. Juni 2020 gelten. Grundsätzlich bleibt die Verpflichtung zur Zahlung der Miete bestehen – sie wird lediglich aufgeschoben. Spätestens müssen die Mietrückstände nach zwei Jahren, also bis zum 30. Juni 2022 beglichen werden. Ansonsten ist es dem Vermieter gestattet, dem Mieter aus diesem Grund die Kündigung auszusprechen.

Wichtig dabei ist, dass die Mietzahlungen kommentarlos ausgesetzt werden. Sondern wer in Zahlungsschwierigkeiten gerät, der sollte das Gespräch mit seinem Vermieter suchen und ihm die konkreten Umstände darlegen.

Vom Bundesjustizministerium wird darauf hingewiesen, dass der Mieter glaubhaft belegen muss, warum die ausgefallenen Mietzahlungen mit der Corona-Krise zusammenhängen, sollte es zum Streitfall kommen. Als Nachweis kann eine Bescheinigung des Arbeitgebers dienen oder ein anderer Nachweis, der den Verdienstausfall bescheinigt.

Darüber hinaus sollten Mieter prüfen, ob ihn eventuell eine Wohngeldzahlung zusteht. Dieses kann aktuell mit weniger Bürokratie beantragt und in Anspruch genommen werden, da die Mieter weiterhin per se dazu verpflichtet sind, fristgerecht die Miete zu bezahlen. Ansonsten können bei ausgebliebenen Mietzahlungen sogenannte Verzugszinsen an den Vermieter fällig werden und diese belaufen sich aktuell auf vier Prozent jährlich.

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