Die islamistische Rebellenmiliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) unter der Führung von Mohammad al-Dscholani hat in Syrien eine entscheidende Rolle beim Sturz des Regimes des langjährigen Präsidenten und Diktators Baschar al-Assad gespielt. Al-Dscholani, der als charismatischer und strategisch denkender Anführer gilt, hat es geschafft, HTS zu einer der einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien aufzubauen.
Der Aufstieg von HTS
HTS entstand aus der Vereinigung verschiedener islamistischer Rebellengruppen im Jahr 2017. Al-Dscholani, der zuvor die Al-Nusra-Front angeführt hatte, übernahm die Führung der neuen Miliz. Unter seiner Leitung gelang es HTS, große Teile Nordwestsyriens unter ihre Kontrolle zu bringen und das Regime von Assad massiv zu bedrängen.
Al-Dscholani zeigte sich dabei als geschickter Stratege, der es verstand, die verschiedenen Rebellenfraktionen zu einen und effektiv gegen das Assad-Regime vorzugehen. Durch gezielte Militäroperationen, Guerillataktiken und die Eroberung wichtiger Stützpunkte und Städte konnte HTS den Druck auf das Regime in Damaskus massiv erhöhen.
Ideologie und Ziele von HTS
Ideologisch versteht sich HTS als islamistische Organisation, die den Islam als Leitlinie für ihr politisches und militärisches Handeln sieht. Ziel ist es, in Syrien ein islamisches Staatswesen nach den Vorstellungen der Rebellen zu errichten. Dabei distanziert sich HTS offiziell von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und versucht, sich als gemäßigtere Alternative zu präsentieren.
Allerdings gibt es immer wieder Berichte über Verbindungen und Zusammenarbeit zwischen HTS und extremistischen Gruppierungen. Auch die Menschenrechtslage in den von HTS kontrollierten Gebieten ist kritisch zu sehen, da die Rebellen teilweise hart gegen Oppositionelle und Andersdenkende vorgehen.
Trotz dieser Kontroversen genießt HTS in Teilen der syrischen Bevölkerung großen Rückhalt. Vor allem in den von ihr kontrollierten Regionen im Nordwesten Syriens wird Al-Dscholani von vielen als Held und Befreier vom Assad-Regime gefeiert.
Der Kampf um Idlib
Der Höhepunkt des Einflusses von HTS kam, als die Rebellen 2018 die Kontrolle über die Provinz Idlib im Nordwesten Syriens übernahmen. Idlib galt lange Zeit als letzte Hochburg der Opposition gegen Assad, und HTS konnte dort seine Macht weiter ausbauen.
Allerdings geriet HTS in Idlib zunehmend unter Druck. Das syrische Regime, unterstützt von Russland und dem Iran, startete eine massive Offensive, um die Rebellenprovinz zurückzuerobern. Heftige Kämpfe brachen aus, in denen HTS erbitterten Widerstand leistete.
Die Offensive auf Idlib führte zu einer humanitären Katastrophe. Hunderttausende Menschen flohen vor den Angriffen, es kam zu verheerenden Zerstörungen. Trotz dieser Rückschläge gelang es HTS jedoch, sich in Idlib zu behaupten und weiterhin eine wichtige Rolle im syrischen Bürgerkrieg zu spielen.
Internationale Reaktionen
Die Erfolge von HTS und die zunehmende Dominanz der Islamisten in Syrien lösten international Besorgnis aus. Viele Staaten, darunter die USA und die Türkei, stufen HTS als Terrororganisation ein und versuchen, den Einfluss der Rebellen einzudämmen.
Allerdings ist die Lage komplex, da HTS auch als Bollwerk gegen den IS angesehen wird und teilweise mit der türkischen Regierung kooperiert. Zudem gibt es innerhalb der syrischen Opposition Stimmen, die HTS als notwendiges Übel im Kampf gegen Assad betrachten.
Die Zukunft von HTS
Die Zukunft von HTS und ihrer Führungsfigur Al-Dscholani bleibt ungewiss. Zwar konnte die Rebellengruppe bislang ihren Einfluss in Syrien behaupten, doch sie steht vor großen Herausforderungen.
Die anhaltenden Kämpfe um Idlib, die humanitäre Krise und der internationale Druck setzen HTS unter Druck. Zudem gibt es innerhalb der Rebellen Spannungen und Rivalitäten, die das Bündnis gefährden könnten.
Letztlich wird es davon abhängen, ob Al-Dscholani und HTS es schaffen, ihre Stellung in Syrien zu behaupten und ihre Ziele weiter voranzubringen. Die Entwicklung in Syrien bleibt weiterhin unberechenbar und birgt große Risiken – nicht nur für das Assad-Regime, sondern auch für die Rebellengruppen wie HTS.
