Deutsche Städte – Familien ziehen weg, Junge und Zuwanderer kommen

In Deutschland erleben die Großstädte einen wahren Einwohnerboom. Neben jungen Singles sorgen vor allem Zuwanderer für ein Bevölkerungswachstum: jährlich ziehen jedes Jahr mehr als 600.000 Ausländer nach Deutschland. Immer häufiger müssen Familien ins Umland ausweichen.

Fakten rund um den Wohnungswechsel – so zieht Deutschland um

Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vergleicht 71 deutsche Großstädte mit den sonstigen 330 Kreisen. Die Experten zählen zu den kreisfreien Städten all die, mit mehr als 100.000 Einwohnern (Stand 2017) sowie die Städteregion Aachen und die Region Hannover.

Der Studie zufolge sind 63 der 71 Städte seit 2017 gewachsen und der Auswertung zufolge legte Berlin zwischen 2011 und 2017 jährlich um 1,4% zu. Im gleichen Zeitraum verzeichneten auch Hamburg und München ein Bevölkerungswachstum von mehr als einem Prozent jährlich. Lediglich acht Städte, darunter Trier und Braunschweig weisen ein Defizit auf.

Vor allem junge Leute sind für das Wachstum verantwortlich, wie die Studie aufzeigt. Insbesondere Ausländer zieht es neben den jungen Deutschen in die Städte, die zum Studieren oder Arbeiten kommen. Im Saldo zogen in den Jahren 2012 bis 2017 jährlich 619.000 neue Einwohner nach Deutschland und jeder zweite davon (43%) zieht es in die Großstadt.

Von 71 Großstädten verzeichnen fast alle (68) mehr Zuzüge als Abzüge aus dem Ausland. Die Forscher betonen in dieser Hinsicht, dass der Zuzug wichtig sei, da die deutsche Wirtschaft zunehmend auf die ausländischen Fachkräfte angewiesen sei. Hinzu kommen noch diejenigen, die im Zuge der Flüchtlingskrise nach Deutschland kamen. 20% der Zuzügler waren Asylsuchende, wie den Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen.

Immer mehr Deutsche zieht es ins Umland

Eine Umzugsstatistik aus 2016 zeigt auf, dass mehr als 11 Millionen Bundesbürger pro Jahr in ein neues Zuhause ziehen und die gleiche Anzahl gern umziehen würde. 2016 fanden fast 14 Millionen Umzüge statt und das entspricht einer Umzugsquote von 17%. Die Anzahl der deutschlandweiten privat- und Firmenumzüge mit einem Umzugsunternehmen lag 2018 bei über 5.700 Umzügen.

Tipp: Beim letzten Umzug hat jeder Dritte, der ein Umzugsunternehmen beauftragt hat, ebenfalls für den Ab- und Aufbau seiner Möbel bezahlt. Damit zählt der Ab- und Aufbau neben dem Transport des Umzugsguts zu den beliebtesten Leistungen. Daher lohnt es sich, zu vergleichen, denn auch kleinere und mittlere Unternehmen bieten Qualität. Denn diese lässt sich nicht an der Größe messen, sondern die kleineren Unternehmen weisen oft ein großes Potenzial auf, sofern sie es schaffen sich im Internet richtig zu präsentieren.

Eines steht fest, dieser Trend hat auf den Wohnungsmarkt und damit auf die Situation der einheimischen Bevölkerung große Auswirkungen. In der Studie heißt es weiter, dass 2017 nur noch 14 kreisfreie Großstädte einen positiven Binnenwanderungssaldo aufzeigten. Bereits 2014 wanderten der Studie zufolge wieder mehr deutsche Städte ins Umland ab als umgekehrt.

Dieser Trend ist am stärksten und längsten in Städten mit hohen Siedlungsdichten und relativ geringer Neubautätigkeit im Verhältnis zum Bedarf. Bereits seit 2013 müssen bspw. München und Stuttgart Bevölkerungsverluste bei Inländern hinnehmen. Die Experten schreiben, dass die sieben größten Städte im Saldo deutsche Einwohner verlieren. Besonders dort hat die Stadt-Umland-Wanderung in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Der gleiche Trend lag vor 20 Jahren vor

Denselben Trend gab es bereits vor rund 20 Jahren. In den Jahren bis 2002 verloren die Großstädte ebenfalls im Saldo deutsche Einwohner. Der Grund dafür waren die Förderungen der Politik, wie bspw. die Eigenheimzulage, die bis 2004 gezahlt wurde und besonders für die jungen Eigenheimerwerber in den ländlichen Kreisen attraktiv war.

Dieser Trend kehrte ab 2003 bis 2013 um, als die Großstädte mit günstigen Immobilienpreisen und Mieten lockten. Zwar sind die Metropolen auch heute noch attraktiv, aber die Wohnkosten sind dort mittlerweile sehr hoch und das Angebot deutlich knapper. Daher sehen sich die Wohnungssuchenden wieder nach Alternativen im Umland um.

Besonders die Familien sind die Leidtragenden. Sie verlassen immer häufiger die Cities. Verwunderlich ist das nicht, denn das Leben mit Kindern ist im Umland günstiger, da die Quadratmeterpreise dort niedriger sind, als in der Stadt. Dort kosten vor allem große Wohnungen, auf die vor allem Familien mit Kindern angewiesen sind, deutlich weniger.

Der IW-Ökonom Ralph Henger betont, dass diejenigen die mehr Platz benötigen, immer häufiger ins städtische Umland abziehen. Seit 2014 wird dieser Trend erneut beobachtet. Vor dieser Zeit waren laut dem Ökonomen die Immobilien in den Cities vergleichsweise preiswert. Doch inzwischen gibt es dort, laut den Experten, kaum noch günstige Immobilien. Diese Entwicklung zeigt sich vor allem in den dicht bebauten Städten wie München oder Stuttgart.

Ländliche Gebiete ohne Stadtanbindung sind nicht attraktiv

Allerdings beschränkt sich dieser Boom nur auf die Regionen rund um die Städte. Die Kreise die ländlich geprägt sind und über eine schlechte Infrastruktur verfügen, profitieren kaum von der Stadtflucht, sondern ganz im Gegenteil. Regionen mit einer schlechten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie einer schlechten Breitbandversorgung verzeichnen weiterhin eine Bevölkerungsreduktion.

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