Ernteprognosen für die Wirtschaft

Ernteprognosen

Berlin – Im Studium und bei ihren Doktorarbeiten sind sie zu Experten für Satellitendaten und Ernteprognosen geworden. Dieses Wissen wollen zwei Geographen und ein Informatiker jetzt nutzen, um sich mit einer Firma selbstständig zu machen. Satelliten schicken jeden Tag Unmengen von Daten zur Erde. Damit lässt sich nicht nur das Wetter vorhersagen, sondern auch das Pflanzenwachstum und die Erträge, die in der Landwirtschaft zu erwarten sind. Auf diesem Feld kennen sich die Geographen Clemens Delatrée und Sebastian Fritsch sowie der Informatiker Gunther Schorcht bestens aus. Sie alle haben an der Universität Würzburg studiert.

Über Ernteprognosen mit Satellitendaten haben Fritsch und Schorcht am Lehrstuhl für Fernerkundung ihre Doktorarbeiten geschrieben. Delatrée arbeitete nach dem Diplom zunächst als Ernteanalyst bei einer Fernerkundungsfirma, dann mehrere Jahre für eine Unternehmensberatung. Derzeit sind die drei dabei, die Gründung ihrer Dienstleistungsfirma green spin (green spatial intelligence) vorzubereiten.

Marktlücke gefunden

„Wachstums- und Ertragsprognosen für Weizen, Reis, Baumwolle und andere Feldfrüchte sind für Rohstoffhändler, Versicherungen und andere Unternehmen sehr interessant“, sagen die Gründer und erklären das an einem Beispiel: „Wenn Rohstoffhändler früh von möglichen Missernten erfahren, können sie sich noch rechtzeitig mit Waren eindecken, bevor die Weltmarktpreise auf die drohende Verknappung reagieren und nach oben gehen.“

Das Team von green spin ist überzeugt, dass es dank seines Know-hows tagesaktuelle Wachstums- und Ernteprognosen schneller und exakter liefern kann als andere Dienstleister. Außerdem hat es eine Marktlücke ausgemacht, die es füllen möchte: „Fernerkundungsfirmen versorgen ihre Kunden meist nur mit reinen Satellitendaten, aber nicht mit Interpretationen und Handlungsempfehlungen.“ Die Beratung ist also ein wesentlicher Aspekt des Firmenkonzepts.

Osteuropa im Blick

Zum Einstieg wollen sich die drei Gründer auf den Weizenanbau in Polen, der Ukraine und anderen ost- und südosteuropäischen Ländern konzentrieren. „Dort werden Getreidemengen produziert, die für den Weltmarkt relevant sind, und dort ist die Datenlage bislang schlecht“, sagen sie.

In den USA und den Kernländern der Europäischen Union gebe es derzeit keinen zusätzlichen Bedarf für Ernteprognosen auf der Basis von Satellitendaten. Aber das könnte sich ja ändern – nämlich dann, wenn green spin mit neuen und besseren Produkten überzeugt. Zudem dürfte der Klimawandel mit seinen Wetterextremen dazu beitragen, dass der Markt für Prognoseprodukte wächst.

Erste Interessenten sind da

„Wir stehen schon in Kontakt mit potenziellen Kunden, die sich für unsere Idee interessieren“, sagt Schorcht. Mit diesen Unternehmen wollen sich die Gründer jetzt intensiv beschäftigen. „Wir wollen zuerst ihre Arbeitsweise und ihre Bedürfnisse genau kennen lernen und sie in die Entwicklung unserer Produkte zur Ernteprognose mit einbeziehen“, so Fritsch. Am Ende dieses Prozesses könne zum Beispiel eine App stehen, die den Kunden tagesaktuell darüber informiert, wie gut der Weizen in der Region seines Interesses gedeiht.

Exist-Förderung im ersten Jahr

Seit März 2013 werden die Würzburger Gründer für ein Jahr mit rund 100.000 Euro aus dem Exist-Stipendienprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert. Als Mentoren stehen ihnen in dieser Phase die Professoren Christopher Conrad und Stefan Dech vom Lehrstuhl für Fernerkundung zur Seite. Mit dem Exist-Programm unterstützt das Ministerium Wissenschaftler, die sich auf die Gründung einer Firma vorbereiten.

„Im Idealfall haben wir nach einem Jahr ein Produkt marktfähig gemacht und den Pilotkunden so davon begeistert, dass er es kaufen will“, sagt Schorcht. Auch einen Businessplan will das Team bis dahin schreiben. Dabei hilft ihm die Teilnahme am Businessplan-Wettbewerb Nordbayern, der Gründern einschlägige Seminare und Coachings anbietet. Die erste Phase des dreistufigen Wettbewerbs ist für green spin gut gelaufen: Bei 99 teilnehmenden Teams gehörten die drei Würzburger zu den 20 Kandidaten, die für die Preise nominiert waren.

Unterstützung an der Uni

Bei ihrem Gründungsprojekt werden Delatrée, Fritsch und Schorcht vom Servicezentrum Forschung und Technologietransfer der Uni Würzburg unterstützt. Starthilfe bekamen sie auch im Würzburger Innovations- und Gründerzentrum. Beide Stellen beraten und unterstützen potenzielle Firmengründer aus der Universität.

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