Frankfurt – Die Europäische Zentralbank wird den Leitzinssatz auf 0,5 Prozent belassen. Bis Mai 2013 lag er noch bei 0,75 Prozent. In den USA, die auf den Niedrigzinnsatz setzt, liegt er bereits seit 2008 bei 0,25 Prozent. Es scheint, Europa nimmt die Vereinigten Staaten und ihre Strategie zum Vorbild. In den von der Krise gerüttelten Staaten zeigen sich die Kreditzinsen noch immer hoch.
Wirtschaftliche Bedeutung des Leitzinssatzes
Zum Leitzinssatz können Geschäftsbanken Geld von der Zentralbank aufnehmen. Liegt der Leitzinssatz nieder, können sowohl von staatlicher Seite als auch vom Unternehmertum her mehr Investitionen durchgeführt werden. Am Leitzinssatz sollten sich die Zinsen für Kredite, die von Geschäftsbanken vergeben werden, orientieren, aber auch die Sparzinsen. Ist der Leitzinssatz hoch, ist die Nachfrage nach Krediten geringer, dafür werden mehr Spareinlagen getätigt. Ein hoher Leitzinssatz kann aufgrund der geringeren Geldnachfrage einer Inflation entgegenwirken. Die Inflationsrate im Euroraum liegt gegenwärtig bei 1,6 Prozent. Die Europäische Zentralbank versucht, durch den niederen Zinssatz der Wirtschaft einen neuen Schwung zu geben. Kredite bringen auch den sich in der Krise befindlichen Banken Geld. Auch das Risiko eines Kreditausfalls wird durch niedere Zinsen geringer. Investieren Unternehmen wieder, verkaufen sich auch Aktien leichter. Der US-Ökonom John B. Taylor entwickelte für die US Zentralbank eine Handlungsrichtlinie, die Taylor-Regel, die auch von allen anderen Zentralbanken angewendet werden kann. Sie macht den Leitzinssatz nicht mehr nur abhängig vom Geldmengenwachstum und der Inflation, sondern auch von der Arbeitslosenrate und dem Wirtschaftswachstum.
EZB in Zusammenarbeit mit den nationalen Zentralbanken
Mario Draghi, seit 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank, wird in Kürze auch die Prognosen für Konjunktur und Inflation der EZB bekannt geben. Wichtigste Aufgabe der Europäischen Zentralbank liegt einerseits in der Inflationskontrolle und in der Stabilisierung des europäischen Finanzsystems. Sie arbeitet eng mit den Zentralbanken der 28 EU-Länder zusammen. Im sogenannten Eurosystem leitet sie die Kooperation der 17 Staaten, in denen der Euro als Währung eingeführt worden ist. Die Festlegung des Leitzinssatzes ist nur eine der vielfältigen Aufgaben. An der Veränderung des Zinssatzes seit 2009 lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung in Europa erkennen. Im Jahr 2009 lag der Leitzinssatz anfangs noch bei 2 Prozent. Im Laufe des Jahres wurde er noch dreimal geändert, bis er Ende 2009 auf 1 Prozent gesunken war. 2011 zeigt ein Auf und Ab von minus oder plus 0,25 Prozent. Ende 2011 wurde er mit 1 Prozent fixiert. 2012 bis Mai 2013 lag er bei 0,75 Prozent und fiel dann auf 0,5 Prozent.

