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FinTech – ist die „Financial Technology“ ein Stellenkiller?

Früher führte kein Weg daran vorbei: Für jede Überweisung war der Gang zur Bankfiliale unverzichtbar. Später wurden die Daten in den Computer eingetippt, die Dokumente ausgedruckt und per Post das Bankkonto eröffnet und es kamen die Online Überweisungen dazu. Heute? Da ist nur ein Smartphone notwendig, in dem die komplette Bank steckt – sofern gewünscht.

Heutzutage ist der Begriff „FinTech“ in aller Munde, doch die wenigsten wissen, was sich dahinter verbirgt und was die Financial Technologies mit sich bringen: bis zu zwei Drittel aller Bankenjobs gehen verloren.

Sämtliche Studien zur Digitalisierung gehen branchenübergreifend von einem Verlust von circa 50 % aller Arbeitsplätze aus, die heute existieren. Die Studie von Frey und Osborne aus dem Jahr 2013(!) erlangte besondere Aufmerksamkeit. In dieser wurde ein Arbeitsplatzrückgang von 47 % für den US-amerikanischen Markt bis 2030 vorausgesagt. Das lässt sich ohne Frage ebenfalls auf andere Arbeitsmärkte und die Bankenbranche übertragen. Sogar die Aussagen der Vorstände von großen Kreditinstituten bestätigen diese Zahlen.

Der Deutsche Bank-Chef John Cryan wird zitiert, dass er 50 % seiner Mitarbeiter einsparen will. Das gilt ebenfalls für viele weitere Kreditinstitute und Banken.

Stellenabbau in Frankfurt: Verlieren zwei Drittel ihren Job?

Dass der Abbau von rund 50% aller Bankarbeitsplätze erfolgt, das scheint demnach unumstritten. Wie kommen jetzt Experten darauf, dass bis zu zwei Drittel an Arbeitsplätzen verloren gehen?

Bereits 2017 erklärte Prof. Andreas Buschmeier (BA Fulda) in einem Interview, dass die Digitalisierung über alle Branchen hinweg Stellen bedroht, wobei das Kreditgewerbe mit voller Wucht erfasst wird. Er sah trotzdem die Möglichkeit, eine hohe Arbeitslosigkeit zu verhindern.

In dem Interview ging es dagegen vorrangig um die Frage, wie viele neue Arbeitsplätze aufgrund des Brexit in Frankfurt entstehen würden. Positive Schätzungen gingen von 10.000 bis 15.000 Anfang 2017 aus. Doch viele Banken werden den Wechsel nach Frankfurt für einen Arbeitsplatzabbau nutzen und damit wird die Neuschaffung an Arbeitsplätzen geringer ausfallen. Doch auf lange Sicht wird es die Digitalisierung sein, die zu einem massiven Stellenabbau führt. Eine mittlerweile etablierte Gegenmaßnahme sind sogenannte Outplacement Dienstleistungen. Keine Wunder also, dass sich diese Agenturen bzw. Berater gerade in Frankfurt so stark verdichten – Arbeit in diesem Bereich scheint es genug zu geben.

Was ist Outplacement?

Jeder in der Finanzbranche ist betroffen

Ein Blick auf die Tätigkeiten, die sich problemlos digitalisieren lassen, zeigt, dass nicht nur die Stellen mit einer geringen Qualifizierung betroffen sein werden, sondern daneben zunehmend die sogenannten „White Collar“ Jobs. Sofern die Arbeiten von Kassierer, Mitarbeitern der Dateneingabe, Kreditsachbearbeiter, Kreditanalysten und Buchhaltern nicht schon von Maschinen erledigt werden, so werden diese ebenfalls ihren Job verlieren. Dazu kommen zusätzlich die Arbeitsplätze in Verwaltung, Volkswirte und persönliche Finanzberater. Selbst im Wertpapierhandel, der Wertpapieranalyse und der juristischen Vertragsausarbeitung sind die Computer zum Teil schon heute den menschlichen Kollegen weit voraus.

All das sind Arbeiten, die in den meisten Banken zentral in den Hauptgeschäftsstellen in Frankfurt durchgeführt werden. Entsprechend gehen Experten davon aus, dass mehr als die durchschnittlichen 50 % dieser Arbeitsplätze verloren gehen – bis hin zu eben zwei Dritteln.

Für einen Finanzplatz wie Frankfurt ist es natürlich wünschenswert, wenn der Verlust der Jobs durch neue Arbeitsplätze aufgefangen würde, bspw. bei den FinTech-Unternehmen. Ob der angekündigte „Masterplan“ der hessischen Landesregierung den gewünschten Erfolg mit sich bringt, das bleibt abzuwarten. Momentan sollen 33,5 Mio. Euro für die Ansiedlung der FinTechs in Frankfurt zur Verfügung stehen, mit der Hoffnung, dass die Zahl von aktuell 80 auf 500 bis 2022 erhöht wird.

Eine Veröffentlichung der Unternehmensberatung Oliver Wyman hat ebenfalls für Aufsehen gesorgt. Die Berater kommen in ihrer umstrittenen Studie zu dem Schluss, dass von den derzeit rund 1900 Kreditinstituten in 10 bis 15 Jahren 150 bis 300 übrig sein werden. Das begründen die Berater vor allem durch den immer höheren Wettbewerb auf dem deutschen Bankenmarkt. Egal, wie sie auf diese Zahlen kommen, letztendlich ist es fraglich, ob der Rückgang so massiv ausfallen wird – insbesondere bei den Spar- und Genossenschaftsbanken. Zu dem steigenden Wettbewerb den Wyman annimmt kommt zudem die Niedrigzinsphase sowie die steigenden regulatorischen Anforderungen mit hohen Kosten. Die Folge ist, dass die kleineren Kreditinstitute allein nicht mehr überleben können.

Job Abbau durch Digitalisierung und Konzentration

Ein genauer Blick auf die Entwicklung zeigt ein dramatisches Bild für die Beschäftigten auf. Allein durch die Digitalisierung kommt es zu einem Abbau von rund 50 % aller Arbeitsplätze. Für einen zusätzlichen Abbau an Bankarbeitsplätzen sorgt die zunehmende Konzentration auf dem Bankenmarkt durch Fusionen. Wird allein die Fusion der Deutschen Bank und der Postbank als Benchmark genommen, dann kommt es zu einem Verlust von nochmals rund 20 % der Stellen.

Fazit ist, dass nicht nur in Frankfurt in den kommenden 10 bis 15 Jahren aufgrund der Digitalisierung bis zu zwei Drittel der Jobs im Bankgewerbe verloren gehen. Sondern in Verbindung mit der Bankenkonzentration wird es zu einem Rückgang der Arbeitsplätze in der Bankenbranche von über 50 % kommen. Gab es 2016 600.000 Beschäftigte im Kreditgewerbe, so könnte die Zahl bis 2030 auf 200.000 bis 300.000 sinken.

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