Geschlechtergleichheit in Chefetagen – mit neuen Recruiting-Konzepten mehr Frauen in Spitzenpositionen bringen

Noch immer ist es ein vertrautes Bild, wenn sich Vorstände zu einem Gruppenbild zusammenfinden: lauter Herren in dunklen Anzügen und wenn man Glück hat, eine einzelne Dame im farbig hervorstechenden Kleid, die das traute Beisammensein dominanter Männlichkeit nicht allein schon durch die gewählte Kleiderfarbe aufmischt. Es bedarf mehr Frauen in Führungspositionen, aber der Weg ist trotz aller Fortschritte noch immer ein steiniger.

Gute Ansätze aus der Politik in Sachen Geschlechtergerechtigkeit

Es soll sich nach dem Willen der EU etwas tun in den Chefetagen von Konzernen. Deshalb wurde dieses Jahr beschlossen, dass es ab 2026 eine sogenannte Geschlechterquote in den Vorstandsetagen geben soll. Konkret soll dies durch zwei unterschiedliche Modelle umgesetzt werden. Nach dem ersten Modell sollen ab 2026 mindestens 40 Prozent der Mitglieder von Aufsichtsräten Frauen sein. Das zweite Modell ist weitergehend und zielt auf geschäftsführende, sowie auf nicht geschäftsführende Direktorenposten. Weiterführend ist dieses Schema deshalb, da 33 Prozent aller Direktorenpositionen von weiblichen Spitzenkräften besetzt wären.

Aktuell belegen bereits 17 Prozent mehr Frauen führende Positionen, es gilt aber noch vieles zu tun. Vor allem müsste das noch immer in vielen Männerköpfen vorherrschende Vorurteil aufgebrochen werden, dass Frauen hinter den Herd gehören und nicht in einen Chefsessel. Auch wenn die Politik hier wichtige Arbeit leistet, so müssen Frauen selbst Impulse setzen, sich öfter in den Vordergrund zu bringen und in ihren Netzwerken deutlich zu kommunizieren, dass sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Verein „the Boardroom“ – das Netzwerk beruflich erfolgreicher Frauen

Die noch immer allzu oft als einzige weibliche Führungskräfte in ansonsten rein männlich belegten Vorständen oder Aufsichtsräten agierenden Frauen brauchen in diesem Kampf um mehr Geschlechtergerechtigkeit die gemeinsame Unterstützung. Aus diesem Grund hat Diana Markaki-Bartholdi den privaten Verein „the Boardroom Schweiz“ gegründet.

Inspirationen von bereits erfolgreichen Frauen erhalten. Wie Vorbilder den Weg zur Geschlechtergleichstellung antreiben. Foto: © the Boardroom Athen

Ziel dieses Vereins ist es, den Anteil weiblicher Führungskräfte in Verwaltungsräten zu erhöhen. Bei der Gründung zählte „the Boardroom“ 74 Mitglieder aus der ganzen Schweiz. Der Altersdurchschnitt liegt bei Mitte 40. Alle Mitglieder haben gemeinsam, dass sie nicht höher als zwei Stufen unter der Geschäftsleitung bei mittleren und großen Unternehmen arbeiten.

Das hinter dem Verein stehende Konzept wurde von der Gründerin im Rahmen ihrer MBA-Abschlussarbeit an der Harvard-University entwickelt. Sie möchten Frauen mit dem Wissen und den Fähigkeiten ausstatten, die für eine erfolgreiche Arbeit in Spitzenpositionen notwendig sind. Eine Säule sind hierbei Ausbildungsblöcke, in denen finanztechnisches und juristisches Fachwissen vermittelt wird – zwei Bereiche, die für eine Tätigkeit in Verwaltungsräten unabdingbar sind. Ein ebenso wichtiges Fundament sind Netzwerke, auf die Frauen zurückgreifen können. Um diese mit anderen Mitgliedern oder Gästen zu knüpfen, gibt es unterschiedlichste Anlässe, zu denen der Verein einlädt. Neben der Sachkompetenz sind vor allem solche Netzwerke entscheidend für den beruflichen Erfolg. Was für die Männer der Rotary- oder Lions-Club ist, das sind für Frauen Netzwerke wie KMU-Frauen, Advance, League of Leading Ladies, oder eben the Boardroom.

Thema Geschlechterungleichheit und Gleichberechtigung als Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion

Zahlreiche empirische Untersuchungen zeigen, dass sich das Geschlechterungleichgewicht in signifikant negativer Art auf das wirtschaftliche Wachstum auswirkt. Eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen hingegen bringt Vorteile für die gesamte Wirtschaft und die Unternehmen mit sich. Eine vergleichende McKinsey-­Studie konnte nachweisen, dass ein größerer Anteil an Frauen in Beschäftigungsverhältnissen und Führungspositionen die Effektivität einer Unternehmensorganisation signifikant steigert. Zudem wurde aufgezeigt, dass Unternehmen mit einem Anteil an weiblichen Führungskräften von mehr als 30 Prozent profitabler sind, als Unternehmen, deren Belegschaft einen geringeren Frauenanteil aufweist.

Teilhabe von Frauen – Bedeutung für die Gesamtgesellschaft und globale Wirtschaft

Das Geschlechterungleichgewicht sollte zudem auch hinsichtlich ihres sozialen und individual­ökonomischen Aspekts betrachtet werden. Außerdem ist es sinnvoll, die gesamtwirtschaftliche Dimension der Teilhabe von Frauen zu untersuchen. Zudem wächst das Verständnis dafür, dass man die Geschlechtergleichstellung auch als eine wirtschaftliche Investition sehen sollte. Die Gleichberechtigung der Frau im Berufsleben führt letztlich zu einer sehr viel besseren Integration des produktiven Potenzials der erwerbsfähigen Bevölkerung.

Es wird Zeit, überholte Frauenbilder über Bord zu werfen und sich der Erkenntnis zu öffnen, dass Talent nicht von einem bestimmten Geschlecht abhängt. Wenn Unternehmen Frauen auf allen Ebenen akzeptieren und so über ihren bisherigen Horizont hinsichtlich der Eignung für Führungspositionen zu blicken und damit eine Demokratisierung der Recruiting-Prozesse zulassen, werden die bisher wenigen „Onlys“ in den Chefetagen bald nicht mehr alleine sein. Erst dann wird sich die Tür zu einer positiven unternehmerischen und gesellschaftlichen Entwicklung öffnen.

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