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Hermann Monster Backe: irreführende Werbung?

Berlin - Ist die Ehrmann Monsterbacke im Quetschbeutel wichtig wie das tägliche Glas Milch oder ist die Werbung für das Quarkprodukt irreführend? Diese Frage beschäftigt gegenwärtig die Gerichte. Klar ist, was der Quetschbeutel enthält. Etwa befindet in einem Bananen-Monsterbacke-Quetschbeutel Frischkäsezubereitung mit 6 Prozent Banane, 11,7 Gramm Zucker, das entspricht 4 Zuckerwürfel oder 13 Prozent, sowie Sahne, Glukose, Fruchtsirup, modifizierte Stärke, Calciumkarbonat, Verdickungsmittel Guarkernmehl, Xanthan, Johannisbrotkernmehl und natürliche Aromen. Ob diese Zusammensetzung so wichtig ist wie das tägliche Glas Milch wird nun entschieden. Sicher ist, dass ein Quetschbeutel zweieinhalb Mal mehr Zucker enthält als ein Glas Milch.

Hilfe bei Auslegung von EU-Recht

Die Klage gegen Ehrmann und den Werbeslogan auf der Monsterbacken-Verpackung wurde von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs eingebracht. Der Werbeslogan sei irreführend, lautete die Begründung. Stein des Anstoßes war der Zuckergehalt. Es müsse, so hieß es seitens der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, auch darauf hingewiesen werden, dass Monsterbacke mehr Zucker als Milch enthalte. Der Fall liegt nun beim Bundesgerichtshof und ruht vorerst, denn die zuständigen deutschen Richter haben den Europäischen Gerichtshof zur Unterstützung bei der Auslegung von EU-Recht angerufen. Das Urteil wird noch auf sich warten lassen. Generalanwalt Melchior Wathelet vom Europäischen Gerichtshof vertritt jedoch die Ansicht, dass der Werbespruch gegen die EU-Verordnung zu gesundheitsbezogenen Angaben über Lebensmittel verstoße. Der Europäische Gerichtshof ist an die Anträge seiner Generalanwälte nicht gebunden, folgt ihnen jedoch zumeist, so könnte auch Ehrmann, Deutschlands größter Milchproduktehersteller, in die Werbefalle tappen und juristisch unterliegen.

Täuschung über Zuckergehalt

Verbraucherzentralen und Konsumentenschützer werfen der Lebensmittelindustrie immer wieder Täuschungen betreffend den Zuckergehalt vor. So wirft etwa Foodwatch auch Ehrmann vor: „Ehrmann setzt alles daran, überzuckerte Produkte als Spielzeug zu vermarkten. Effekte wie Knisterzucker und Zungenfärber drohten vergessen zu machen, dass der Quark acht Stück Würfelzucker pro 135-Gramm-Becher enthalte – mehr als manches Schoko-Sahne-Produkt. Monsterbacke ist ganz einfach eine Süßigkeit.“ Ehrmann verteidigt jedoch seinen Werbeslogan. Er enthalte keine gesundheitsbezogenen Aspekte, heißt es. Der Appell an gute Gefühle sei der Kern jeder Werbung, sagen die Ehrmann-Anwälte. Aber auch die EU-Kommission sieht die Lage rechtlich anders. Sie beschuldigt Ehrmann, mit seinem Slogan Nutzen aus dem guten Image der deutschen Milch ziehen zu wollen. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht jedoch der Zuckergehalt. Und da ist Monsterbacke nicht allein. 300 Gramm Ketchup enthalten rund 68 Gramm Zucker, 22 Stück Würfelzucker. In einem Glas Frucht-Nektar finden sich 22 Gramm Zucker und in einer 570 Gramm Dose Ananas verstecken sich rund 30 Stück Würfelzucker. Zucker, wohin der Konsument sieht, mit oder ohne Werbung mit gesundheitsbezogenen Aspekten.

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