Am 6. Dezember 2024 ereigneten sich Jubelszenen durch die Straßen der viertgrößten syrischen Stadt Hama. Islamistische Kämpfer hatten die strategisch wichtige Stadt eingenommen und bejubelten ihren Sieg. „Dies ist ein historischer Moment für uns“, rief einer der Anführer der militanten Gruppe vom Balkon eines eroberten Regierungsgebäudes. „Wir werden weiterkämpfen, bis ganz Syrien unter der Herrschaft des wahren Glaubens steht.“
Die Eroberung von Hama ist ein schwerer Rückschlag für die syrische Regierung. Die Stadt galt lange als Hochburg des Widerstands gegen Präsident Baschar al-Assad und war bereits mehrmals Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Nun ist sie fest in der Hand radikalislamischer Kämpfer, die mit Unterstützung ausländischer Dschihadisten in den vergangenen Monaten große Gebiete im Norden und Westen des Landes unter ihre Kontrolle gebracht haben.
Flucht der Zivilbevölkerung
Die Einnahme von Hama versetzt viele Zivilisten in der gleichnamigen Provinz in Angst und Schrecken. Aus Furcht vor Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen sind Tausende auf der Flucht. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ berichtet von überfüllten Flüchtlingslagern an den Grenzen zu den Nachbarländern. „Die Menschen kommen mit nur dem Nötigsten bei uns an. Viele sind traumatisiert und benötigen dringend medizinische Versorgung“, sagt der Einsatzleiter vor Ort.
Die syrische Regierung versucht, die Lage unter Kontrolle zu bringen und die Zivilbevölkerung zu schützen. Doch ihre Truppen sind zunehmend überfordert mit der Vielzahl an Fronten, an denen sie gleichzeitig kämpfen müssen. Immer öfter greifen sie zu äußerster Gewalt, was die Bevölkerung weiter in die Arme der Rebellen treibt.
Islamisten vor den Toren von Homs
Laut Berichten von Aktivisten stehen die radikalislamischen Kämpfer auch kurz vor der Eroberung der drittgrößten syrischen Stadt Homs. Diese strategisch wichtige Stadt im Zentrum des Landes war lange Zeit eine Hochburg der gemäßigten Opposition gegen das Assad-Regime. Doch in den letzten Monaten haben die Islamisten hier massiv an Einfluss gewonnen.
„Homs ist der nächste Dominostein, der fallen wird“, erklärt ein Sprecher der Rebellengruppen. „Unsere Kämpfer stehen bereits an den Stadtgrenzen und bereiten den finalen Angriff vor. Sobald wir Homs unter unsere Kontrolle gebracht haben, wird es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis ganz Syrien befreit ist.“
Militärische Unterstützung aus dem Ausland
Der Vormarsch der Islamisten in Syrien wird maßgeblich durch die Unterstützung ausländischer Dschihadisten und Waffenlieferungen aus dem Ausland vorangetrieben. Länder wie Saudi-Arabien, Katar und die Türkei haben den radikalen Rebellengruppen in den vergangenen Jahren massiv unter die Arme gegriffen.
„Ohne diese Hilfe aus dem Ausland wären wir niemals so weit gekommen“, sagt ein Kommandeur einer islamistischen Miliz. „Die Waffen, das Geld und die Kämpfer aus den Nachbarländern haben uns den entscheidenden Schub gegeben, um die Regierungstruppen zurückzudrängen und immer größere Gebiete unter unsere Kontrolle zu bringen.“
Auch der Einsatz ausländischer Söldner und Spezialeinheiten hat den Islamisten entscheidende Vorteile verschafft. „Viele unserer Kämpfer haben zwar den Mut und den Glaubensfanatismus, aber ihnen fehlt es an militärischer Ausbildung und Erfahrung“, erklärt ein Rebellenführer. „Da sind die erfahrenen Dschihadisten aus dem Irak, Libyen und Afghanistan eine unverzichtbare Verstärkung für uns.“
Regionale Machtverschiebung
Der Vormarsch der Islamisten in Syrien hat nicht nur massive Auswirkungen auf das Kriegsgeschehen im Land selbst. Er führt auch zu einer grundlegenden Neuordnung der regionalen Machtverhältnisse im Nahen Osten.
„Wenn die radikalen Kräfte in Syrien die Oberhand gewinnen, hat das verheerende Folgen für die ganze Region“, warnt ein Experte für Sicherheitspolitik. „Die Herrschaft der Islamisten würde die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen schiitischen und sunnitischen Muslimen weiter verschärfen und die Spannungen zwischen dem Iran und seinen Gegnern massiv verstärken.“
Auch für den Westen wäre eine Machtübernahme der Islamisten in Syrien eine Katastrophe. „Ein vom radikalen Islam dominiertes Syrien würde zu einem Rückzugsraum und Rekrutierungspool für den internationalen Terrorismus“, erklärt der Experte. „Das hätte verheerende Folgen weit über die Grenzen der Region hinaus.“
Die Zukunft Syriens hängt somit nicht nur vom Ausgang des Bürgerkriegs ab, sondern hat auch massive Auswirkungen auf die geopolitische Lage im Nahen Osten und darüber hinaus. Die nächsten Monate und Jahre werden entscheidend dafür sein, in welche Richtung sich das Land und die ganze Region entwickeln werden.
